Die laufende Fußball-Weltmeisterschaft in den USA bricht alle TV-Rekorde, doch der Sender Fox verzeichnet ein alarmierendes Phänomen: Immer mehr Zuschauer schalten von den englischsprachigen Übertragungen auf den spanischsprachigen Konkurrenten Telemundo um. Dies berichten TV-Analysten.
Rekordquoten für Fox, aber Zuschauerschwund
Das Achtelfinal-Aus der US-Mannschaft gegen Belgien (1:4) verfolgten im Schnitt rund 30 Millionen Zuschauer bei Fox. In der Spitze schalteten bis zu 36,8 Millionen Menschen gleichzeitig ein – ein neuer Rekord für ein Fußballspiel in den USA. Dabei wurde die alte Bestmarke von 26,8 Millionen Zuschauern beim Spiel der USA gegen Bosnien in der Runde der letzten 32 nur wenige Tage zuvor aufgestellt. Fox und der zugehörige Sportsender FS1 vermeldeten in der Gruppenphase im Vergleich zur WM 2022 ein Quotenplus von 120 Prozent.
Trotz dieser beeindruckenden Zahlen schrillen bei Fox die Alarmglocken. Denn die Analysten erkennen eine Abwanderungstendenz: Immer mehr Menschen schalten die Live-Übertragungen auf dem spanischsprachigen US-Sender Telemundo ein, obwohl viele von ihnen kein Spanisch sprechen. Schätzungen zufolge haben rund 20 Prozent der US-Bevölkerung einen hispanischen Hintergrund, doch die Zahlen zeigen, dass etwa die Hälfte aller Fußballzuschauer zumindest zeitweise auf die spanischsprachigen Kanäle umgeschaltet hat. Telemundo und sein Schwester-Sender Universo übertragen jedes Spiel des Turniers live.
Gründe für den Wechsel: Werbung und Emotion
In den USA wurden mehrere Gründe für die Zuschauerabwanderung ausgemacht. Fox schaltet in den Trinkpausen in die Werbung, was selbst viele US-Fans nervt, die aus anderen Sportarten ständige Werbeunterbrechungen gewohnt sind. Telemundo bleibt dagegen live im Stadion. Hinzu kommt der emotionale Kommentar, der offenbar auch Fußballfans ansteckt, die der spanischen Sprache nicht mächtig sind. Star des Senders ist Kommentator Andrés Cantor, der mit seinem langgezogenen Torschrei die Zuschauer begeistert.
Vielen Fußballinteressierten gefällt offenbar auch die Amerikanisierung der Übertragungen nicht. Fox hat sich zum Turnier ein riesiges All-Star-Team an Experten zusammengekauft, darunter Thierry Henry, Zlatan Ibrahimovic und Alexi Lalas. Trotzdem werden die Sendungen vielfach als „steril“ beschrieben.
Zukunft der WM-Übertragungsrechte
Die Verträge von Fox und Telemundo laufen nach diesem Turnier aus. Möglich, dass die englisch- und spanischsprachigen Rechtepakete dann zusammengeschnürt werden. Angeblich sollen sich aufgrund des großen Erfolgs schon die großen Player warmlaufen. Es wird erwartet, dass Netflix, Amazon, Apple oder YouTube bei der Vergabe für die Rechte ab der WM 2030 mitmischen.



