England trifft im Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft auf Gastgeber Mexiko – und das im legendären Aztekenstadion in Mexiko-Stadt. Die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel muss sich nicht nur auf eine hitzige Atmosphäre, sondern auch auf die extremen Bedingungen in über 2200 Metern Höhe einstellen.
Tuchel setzt auf Karma gegen historisches Trauma
Für England geht es auch um die Bewältigung eines 40 Jahre alten Traumas: 1986 schied die Mannschaft im Viertelfinale genau in diesem Stadion aus – durch Diego Maradonas „Hand Gottes“ und sein Solo. „Ich hoffe, wir können endlich Frieden mit dem Stadion schließen“, sagte Tuchel englischen Medien. „Es ist Karma. Das Karma wird zu uns zurückkehren. Wir werden das Ganze umdrehen.“
Kapitän Harry Kane betonte die Dimension des Duells: „In Mexiko gegen Mexiko zu spielen, ist vielleicht das Größte, was die Weltmeisterschaft zu bieten hat. Es wird aus vielen Gründen hart.“ Das Spiel findet in der deutschen Nacht auf Montag um 02:00 Uhr MESZ statt und wird unter anderem bei Magenta TV übertragen.
Höhenlage als größte Sorge der Engländer
Ein zentrales Problem ist die Höhe von über 2200 Metern. „Das ist natürlich ein großer Nachteil“, so Tuchel. „Wir können uns physisch nicht darauf einstellen, das ist unmöglich.“ Die Engländer reisen aus ihrem Camp nahe Kansas City an, das nur rund 280 Meter über dem Meeresspiegel liegt, während die Mexikaner ihr Quartier nur zehn Kilometer vom Stadion entfernt haben.
Dr. Matthias Krüll, Internist und Pneumologe sowie Chef-Mediziner des Berlin-Marathons, riet laut dpa: „Sie werden wahrscheinlich mit ihrer Laufleistung hinten dran sein, früher 'aus der Puste kommen' als in niedrigeren Höhen gewohnt. Idealerweise versuchen sie, nicht in den Ausdauerbereich zu gehen, sondern schnell und effizient ihre Tore zu machen.“
Mexiko im Rausch: Vier Siege, kein Gegentor
Mexiko geht mit vier Siegen in vier Spielen ohne Gegentor in die Partie und ist voller Selbstvertrauen. Stürmer Santiago Giménez sagte: „Um Weltmeister zu werden, muss man jeden Gegner schlagen, und darauf konzentrieren wir uns.“ Trainer Javier Aguirre bezeichnete die Partie als „wichtigstes Spiel für das Land und in meiner Karriere“.
Die Mexikaner hoffen, den sogenannten Fluch des fünften WM-Spiels zu brechen. Zweimal erreichten sie ein Viertelfinale, beide Male vor heimischer Kulisse – 1986 schieden sie im Elfmeterschießen gegen Deutschland aus. Im Aztekenstadion verlor Mexiko noch nie ein WM-Spiel; in diesem Jahrtausend gab es nur zwei Pleiten, die letzte vor 13 Jahren.
Fanatische Fans als zwölfter Mann
80.824 Zuschauer werden im ausverkauften Stadion erwartet. Die mexikanische Zeitung „Mediotiempo“ schrieb: „Es ist mehr als nur eine Sportstätte; es ist ein Symbol für die Leidenschaft, den Stolz und die fußballerische Identität Mexikos.“ Auf der Prachtstraße Reforma könnten trotz der Todesfälle bei den Feiern zuletzt gegen Ecuador wieder eine Million Menschen feiern.
Verteidiger Jorge Sánchez betonte: „Die Fans sind ein weiterer Spieler für uns. Wenn wir müde sind, treiben sie uns an. Wenn wir weiterhin zusammenhalten, werden wir Großes erreichen.“ Die Engländer fürchten zudem nächtliche Ruhestörungen durch mexikanische Fans, wie sie zuvor gegen Ecuador vorkamen. Der britische „Mirror“ spekulierte: „England steht vor dem WM-Duell gegen Mexiko möglicherweise eine höllische Nacht bevor.“ Der Verband versuche, das Hotel geheim zu halten, obwohl die Unterkünfte von der FIFA vorgeschrieben sind.
Duell mit Premier-League-Bekanntschaften
Mexiko setzt auf seinen Wunder-Teenager Gilberto Mora und den in der Premier League bekannten Raúl Jiménez, der bereits sechsmal gegen Englands Nationalkeeper Jordan Pickford getroffen hat. Die Zeitung „Esto“ titelte: „Lächle, Mexiko! Raúl Jiménez trifft wieder auf Jordan Pickford, sein Lieblingsopfer in der Premier League.“
Für England geht es um den ersten WM-Titel seit 60 Jahren. Wie der „Mirror“ zusammenfasste: „Ein Sieg würde als einer der größten Auswärtserfolge Englands in die Geschichte eingehen.“



