Sechs Freunde aus Berlin haben sich einen lang gehegten Traum erfüllt: Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 reisen sie in zwei Wohnmobilen durch Nordamerika, um alle Spiele der deutschen Nationalmannschaft live zu verfolgen. Die Gruppe, bestehend aus Tobias Brosius (44), Nils von Germar (42), Enrico Ausborn (42), Michael Sowa (39), Jonny Pohl (36) und Rick Korau (30), hat acht Jahre lang gespart und Urlaubstage gesammelt. Ihre Reise führt sie durch die USA, Kanada und möglicherweise auch Mexiko – insgesamt 16.100 Kilometer.
Von Las Vegas bis Toronto: Die Route der Fußballfans
Am 9. Juni flogen die sechs Freunde von Berlin nach Las Vegas, wo sie sich zwei Wohnmobile für 8.500 Euro mieteten. In der Glücksspielmetropole hatten sie Glück: Rick gewann beim Roulette 280 Dollar (ca. 245 Euro), Michael erspielte an Automaten etwa 800 Dollar (ca. 702 Euro). „Wir haben Las Vegas mit Gewinn verlassen“, sagt Enrico. Nach der Stadt führte die Reise zum Grand Canyon, nach Gallup, Roswell, Austin und Houston – zur ersten Spielstätte der Deutschen. Dort erlebten sie den spektakulären 7:1-Sieg gegen Curaçao live im Stadion.
Kommunikation per Walkie-Talkie und Begegnungen mit Tornados
Die beiden Wohnmobile fahren hintereinander, die Freunde kommunizieren über Walkie-Talkies. „Dann können wir durchgeben, wenn wir mal anhalten müssen. Ab und zu haben wir einen Trucker oder Drive-ins auf unserer Frequenz“, sagt Tobias Brosius, der als Cheffunker der Truppe fungiert. Am Ohio River geriet die Gruppe an den Rand eines Tornados: „Um 4.30 Uhr hat der Camper gewackelt“, erzählt Michael. Trotz solcher Zwischenfälle genießen sie die Reise. „Du weißt am Morgen nicht, wie dieser Urlaub weitergeht. Das ist das Besondere“, sagt Enrico.
Gastfreundschaft in den USA und ein unvergessliches Baseballspiel
Mit ihren schwarz-rot-goldenen Perücken, Hüten und Outfits fallen die Berliner überall auf und sorgen für gute Laune. Ihre Leichtigkeit kommt bei den Amerikanern gut an und weckt herzliche Gastfreundschaft. „In Saint Louis haben wir lange an der Kasse überlegt, welche Tickets wir für ein Baseballspiel kaufen sollten. Da hat uns die Kassiererin irgendwann die Tickets im Wert von 250 Euro geschenkt“, erzählt Enrico. Im Stadion sei ein Bier nach dem anderen ausgegeben worden, sogar ein Baseball sei ihnen geschenkt worden. In Detroit schafften sie es trotz Fan-Outfits sogar in eine Rooftop-Bar mit strengem Dresscode. Jonny sagt: „Wir haben auf der Reise bisher nur eine unfreundliche Person getroffen – und das war ein Deutscher. Der fand unsere Verkleidungen peinlich.“
Kosten und Unterstützung von zu Hause
Drei der sechs Freunde bleiben die vollen sechs Turnierwochen und haben Tickets bis zum Sechzehntelfinale. Die anderen reisen nach der Vorrunde zurück. Für die Vollzeit-WM-Fahrer wird der Traum teuer: Knapp 15.000 Euro kostet die Reise pro Person. Zu Hause in Berlin warten Ehefrauen und Kinder. Nils hat drei Kinder, Tobias und Enrico jeweils zwei, Jonny eins. „Die Frauen sind für uns ein riesengroßes Geschenk. Sie ermöglichen uns das alles, indem sie uns den Rücken freihalten“, sagt Nils. Eine Reise, die viel Geld kostet – aber für die sechs Freunde unbezahlbar ist.



