WM-Spiel um Platz drei: Sinnlos oder wichtig?
WM-Spiel um Platz drei: Sinnlos oder wichtig?

Am Samstagabend um 23 Uhr MESZ treffen in Miami Frankreich und England im Spiel um den dritten Platz der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 aufeinander. Für viele Fans und Experten ist diese Partie das überflüssigste Spiel des gesamten Turniers. Doch die FIFA hält an der Tradition fest – aus mehreren Gründen.

Die Geschichte des kleinen Finales

Bereits 1934 führte die FIFA erstmals ein Spiel um den dritten Platz bei einer Weltmeisterschaft durch. Damals traf Deutschland, das im Halbfinale an der Tschechoslowakei gescheitert war, auf Österreich und gewann mit 3:2. Seitdem wurde der dritte Rang bei jeder WM ausgespielt – mit Ausnahme des Turniers 1950. Insgesamt stand die deutsche Nationalmannschaft fünfmal in diesem Spiel und gewann viermal, nur 1958 unterlag man Frankreich.

Argumente für das Spiel: Geld, Medaillen und Weltrangliste

Der dritte Platz bringt nicht nur Prestige, sondern auch finanzielle Vorteile. Der Dritte erhält 29 Millionen Dollar Preisgeld, der Vierte zwei Millionen weniger. Zudem fließt das Ergebnis in die FIFA-Weltrangliste ein. Für kleinere Nationen wie Kroatien, Belgien oder Schweden kann ein dritter Platz ein großer Erfolg sein, der gefeiert wird. Auch eine Bronzemedaille winkt den Spielern.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Kritik: Sinnlose Zusatzbelastung für Stars

Doch die Kritik ist laut. Der frühere niederländische Nationaltrainer Louis van Gaal bezeichnete die Partie 2014 als sinnlos und forderte ihre Abschaffung. „Es gibt nur einen Titel, der zählt – Weltmeister zu werden“, sagte van Gaal. Die UEFA schaffte das Spiel um Platz drei nach der EM 1980 ab; auch der Gold Cup und der Asian Cup folgten diesem Beispiel 2015. Zudem besteht für die Stars eine erhöhte Verletzungsgefahr: Der Kanadier Alphonso Davies riss sich im Spiel um Platz drei der CONCACAF Nations League das Kreuzband.

FIFA: Mehr Einnahmen durch zusätzliches Spiel

Für die FIFA überwiegen die Vorteile. Ein zusätzliches Spiel bedeutet mehr Ticketverkäufe, höhere Stadioneinnahmen und mehr Werbegelder im TV. Zudem beruft sich der Weltverband auf die Tradition seit 1934. Obwohl das Turnier durch die Aufstockung auf 48 Teams bereits ein K.o.-Spiel mehr umfasst, bleibt das kleine Finale im Programm.

Historische Momente: Kahn und das Sommermärchen

Das Spiel um Platz drei bot auch Platz für emotionale Abschiede. 2006 bekam Oliver Kahn im Sommermärchen sein Abschiedsspiel, obwohl Jens Lehmann während des Turniers die Nummer eins war. In Stuttgart gewann die Elf von Jürgen Klinsmann 3:1 gegen Portugal – ein würdiger Abschluss. Vier Jahre später besiegte Deutschland Uruguay mit 3:2 und beendete die WM erneut mit einem Sieg.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration