Es war eine der bewegendsten Szenen in den zwei Wochen von Wimbledon. Im Finale zwischen Alexander Zverev (29) und Jannik Sinner (24) liefern sich beide ein hochspannendes Match auf dem Centre Court. Keiner gönnt dem anderen einen Millimeter Rasen. Doch dann passiert, was auf diesem Untergrund so oft vorkommt: Der Hamburger rutscht beim Versuch, einen Ball zu erreichen, weg, fällt auf den Rücken und greift sich sofort ans rechte Knie.
Ungewöhnliche Geste im Spitzensport
In einem Sport, in dem es um Millionen geht, passiert dann etwas Seltenes. Die Partie ist im dritten Satz so eng, dass sie in jede Richtung kippen kann. Jeder hat einen Tiebreak gewonnen, in diesem Durchgang ist noch nichts entschieden. 15.000 Zuschauer erleben einen wahren Kracher zweier Champions. Und plötzlich tut Sinner etwas, das streng genommen verboten ist: Er geht auf die andere Seite des Platzes zu seinem Gegner.
Dass sich beide verstehen, ist kein Geheimnis. Sie spielen das 15. Mal gegeneinander. Wenig später wird der Italiener zum elften Mal gegen den Deutschen gewinnen, seinen zehnten Sieg in Serie feiern. Doch in diesem Moment, als noch nichts entschieden ist und jeder die Konzentration auf sein Spiel braucht, geht Sinner zu Zverev, erkundigt sich nach dessen Befinden, beugt sich zu ihm herab. Dann reicht er ihm die Hand: ehrlich, kameradschaftlich, ja freundschaftlich. Er hilft ihm auf.
Vorbildliches Verhalten zweier Champions
Zwei ganz Große ihres Sports benehmen sich wie Vorbilder. Da gibt es keinen Hass, keine Gehässigkeit, kein unfaires Ausnutzen der Situation des anderen. Auch Rafael Nadal (40) war so einer, ging zu Zverev, als der vor vier Jahren im Halbfinale der French Open ausrutschte. Auch damals war es eng, und Nadal kümmerte sich um Zverev, der mit einem Sieg die Nummer 1 der Welt geworden wäre und Paris mit hoher Wahrscheinlichkeit gewonnen hätte.
Tennis, ein Gentlemen's Sport, wie man so schön sagt. Damals war Zverev anschließend ein halbes Jahr außer Gefecht. „Ich hatte sieben Bänder gerissen und zwei Knochen gebrochen. Ich habe eineinhalb Jahre gebraucht, bis ich wieder fit war“, erinnerte er sich in Wimbledon vor wenigen Tagen. Dieses Mal keine Risse, keine Brüche, und die Hoffnung, dass nach dem Matchball das Selbstbewusstsein nach 13 gewonnen Grand-Slam-Matches in Folge keinen Knacks erleiden wird. Denn der Sieger heißt Jannik Sinner, der 6:7, 7:3, 6:3, 6:4 gewinnt, seinen Titel verteidigt und zum fünften Mal einen Grand-Slam-Titel bejubelt.



