Die deutsche Leichtathletik trauert um Gerd Osenberg. Der Trainer, der unter anderem die Olympiasiegerinnen Heide Ecker-Rosendahl, Ulrike Nasse-Meyfarth und Heike Henkel zu Weltstars formte, starb im Alter von 89 Jahren. Osenberg war ein Alleskönner: Vom Hochsprung über den Sprint bis zum Diskuswurf beherrschte er nahezu die gesamte Bandbreite der Sportart.
Ein Trainer mit pädagogischem Ansatz
Osenberg, der für den TSV Bayer 04 Leverkusen arbeitete, war kein hochspezialisierter Experte, sondern ein Autodidakt mit Abschlüssen in Physik und Mathematik. Seine Schützlinge schätzten seine Fähigkeit, auf den einzelnen Menschen einzugehen. „Er war immer so der Fels in der Brandung, total ruhig und entspannt“, erinnert sich Heike Henkel, Olympiasiegerin von 1992, im Gespräch mit dem Sportinformationsdienst. „Selbst wenn es nicht so gut lief, wusste man, man kann auf jeden Fall darauf vertrauen, dass er einen Plan hat, wie wir das hinkriegen.“
Fünf olympische Goldmedaillen unter seiner Ägide
Osenbergs Athletinnen gewannen insgesamt elf olympische Medaillen. Heide Ecker-Rosendahl, die 1972 in München Olympiasiegerin im Weitsprung und mit der 4x100-Meter-Staffel wurde, sagt: „Er hat sich mit der Technik, die notwendig ist, um eine Leistung zu erreichen, auseinandergesetzt und versucht, das auch mit den Möglichkeiten des einzelnen Menschen umzusetzen. Nicht jeder Mensch ist gleich und nicht jeder Mensch springt gleich weit.“ Auch Ulrike Nasse-Meyfarth, Hochsprung-Olympiasiegerin von 1972 und 1984, würdigte ihren Trainer: „Den Sieg in Los Angeles habe ich mir mithilfe von Gerd Osenberg hart erarbeitet.“
Eine enge Verbindung über den Sport hinaus
Ecker-Rosendahl betont die persönliche Nähe: „Er wohnte hier bei mir in der Nachbarschaft, und ich habe ihn immer wieder besucht. Ich war auch am Todestag noch einmal da und habe mich von ihm verabschiedet.“ Sie erinnert sich an gemeinsame Reisen und Kartenspiele auf Flughäfen – eine andere Epoche, weit vor Smartphones und digitalen Ablenkungen. „Mit Osenberg hatten wir alle – seine Athletinnen, auch einige Athleten haben bei ihm trainiert – eine wunderbare Zeit. Die möchte ich nicht missen“, sagt Nasse-Meyfarth gegenüber Sport1.
Anerkennung und Vermächtnis
Für seine Verdienste erhielt Osenberg das Bundesverdienstkreuz sowie den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. Seine letzte Top-Athletin, Stabhochspringerin Silke Spiegelburg (EM-Zweite), schrieb bei Instagram: „Danke für alles. Ruhe in Frieden.“ Heike Henkel fasst zusammen: „Es war ein ganz besonderer Mensch. Er hatte eine ganz besondere Art, auf die Athleten einzugehen.“



