Grobkörnig, unscharf – und doch faszinierend: Die Aufnahmen des ägyptischen Sportfotografen Fareed Kotb von der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko sind ein echter Hingucker. Statt moderner Digitalkameras setzte Kotb auf eine uralte Zeiss-Ikon-Kamera, Baujahr 1930 – dem Jahr der ersten WM in Uruguay. Seine Bilder verbreiten sich rasant im Netz und werden zum Foto-Hit.
Eine Kamera aus dem WM-Gründungsjahr
Für seine Aufnahmen wählte Kotb die Zeiss Ikon Ideal 250/11 im Format 9 x 12 Zentimeter. Das Modell stammt aus dem Jahr 1930, dem Jahr der ersten Fußball-WM in Uruguay. Die in Deutschland gefertigte Kamera besteht aus Metall, Leder und vernickelten Bauteilen. Typisch ist der ausziehbare Balgen zwischen Gehäuse und Objektiv. Für Kotb sollte die Kamera eine Verbindung zwischen den Anfängen des Turniers und der Gegenwart schaffen.
„Viele Menschen waren überrascht, bei einem modernen Sportereignis eine Kamera aus dem Jahr 1930 zu sehen“, sagte Kotb gegenüber dem Online-Magazin „CBC“.
Sportgeschichte hinter der Technik
Nach Recherchen des Fotografen wurde das Gerät bereits für Aufnahmen der ägyptischen Nationalmannschaft bei der WM 1934 genutzt. Auch bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin soll dieselbe Kamera im Einsatz gewesen sein. Kotb ist überzeugt, dass die Kamera eine besondere historische Aura hat.
„Digitale Fotografie ist schneller. Film ist langsamer, aber er hat besondere Gefühle“, erklärte Kotb gegenüber CBC.
Jedes Bild musste geplant werden
Während Digitalkameras Serienaufnahmen ermöglichen, benötigte Kotbs Kamera rund eine Minute pro Foto. Dafür öffnete er das Gerät, betrachtete das Motiv auf einer Mattscheibe und richtete den Bildausschnitt ein. Erst danach legte er den Film ein und löste aus. Beim Spiel Portugal gegen Kroatien entstanden nach seinen Angaben zehn Fotos, beim Spiel Schweiz gegen Kolumbien rund 40. Das Ergebnis sah er erst nach der Filmentwicklung.
Die Aufnahmen sollen Teil seines Dokumentarprojekts „Project 1930“ werden. Mit seiner fast 100 Jahre alten Kamera steht Kotb am Spielfeldrand und schießt Fotos, die eine ganz eigene Ästhetik haben – weit entfernt von der perfekten Schärfe moderner Digitalfotografie.



