Peter Müller aus Augsburg hat Geschichte geschrieben: Der 68-Jährige ist der erste deutsche Seniorenmeister im Blindenschach. Bei den Titelkämpfen in Magdeburg setzte er sich gegen 14 weitere Teilnehmer durch und holte sich den Titel.
Ein Sieg mit Weitsicht
Müller, der seit seiner Jugend an einer schweren Sehbehinderung leidet, spielt seit über 40 Jahren Schach. „Ich freue mich riesig über diesen Erfolg. Es zeigt, dass man auch mit Einschränkungen Großes erreichen kann“, sagte er nach seinem Triumph. Der Wettbewerb wurde im Rahmen der Deutschen Meisterschaften im Blindenschach ausgetragen, die vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband organisiert werden.
Die Meisterschaft fand vom 15. bis 17. November in der Landesschule für Blinde und Sehbehinderte in Magdeburg statt. Gespielt wurden sieben Runden im Schweizer System, wobei jede Partie bis zu zwei Stunden dauerte. Müller gewann sechs seiner sieben Partien und remisierte eine – eine beeindruckende Bilanz, die ihm am Ende 6,5 von 7 möglichen Punkten einbrachte.
Ein Vorbild für viele
Der neue Meister ist kein Unbekannter in der Schachszene. Bereits 2019 wurde er Vizemeister bei den Deutschen Meisterschaften im Blindenschach. Nun krönte er seine Karriere mit dem ersten Seniorenmeistertitel. „Peter Müller ist ein herausragender Spieler und ein Vorbild für alle, die trotz Handicap ihren Sport ausüben“, lobte Turnierleiter Klaus Schmidt.
Die Seniorenmeisterschaft im Blindenschach ist eine relativ neue Disziplin. Sie wurde erstmals im Jahr 2022 ausgetragen, um älteren Spielern eine eigene Wettkampfplattform zu bieten. Dass Müller nun der erste Titelträger ist, macht seinen Erfolg historisch. „Ich hoffe, dass dieser Titel dazu beiträgt, den Blindenschach in Deutschland noch populärer zu machen“, so Müller.
Herausforderungen und Freude am Spiel
Blindenschach wird auf speziellen Brettern gespielt, bei denen die Felder erhöht und die Figuren mit Noppen versehen sind. Die Spieler ertasten die Stellung und müssen ihre Züge ansagen. Diese Form des Schachs erfordert ein hohes Maß an Konzentration und räumlichem Vorstellungsvermögen. Müller trainiert täglich mehrere Stunden und nimmt regelmäßig an Turnieren teil.
Neben dem sportlichen Erfolg betont Müller die gesellschaftliche Bedeutung: „Schach verbindet Menschen – ob sehend oder nicht. Ich habe viele Freunde durch dieses Spiel gefunden.“ Er plant nun, sein Wissen an jüngere Generationen weiterzugeben und Nachwuchsturniere im Blindenschach zu fördern.
Die nächste Herausforderung lässt nicht lange auf sich warten: Im kommenden Jahr möchte Müller seinen Titel verteidigen und vielleicht auch international bei der Weltmeisterschaft der Senioren im Blindenschach antreten. „Ich bin motiviert und freue mich auf die Aufgaben, die vor mir liegen.“



