Leichtathletik bleibt auch bei Finals 2027 in Stuttgart ein Sonderfall
Leichtathletik bleibt bei Finals 2027 in Stuttgart Problemfall

Die Leichtathletik bleibt auch bei der nächsten Auflage der Finals ein Sonderfall. Wie bereits bei der gerade beendeten Multisport-Veranstaltung in Hannover wird die olympische Kernsportart im kommenden Jahr in Stuttgart nicht zentral ausgetragen. Grund dafür ist das Fehlen eines geeigneten Stadions mit Laufbahn in der baden-württembergischen Landeshauptstadt.

Kein geeignetes Stadion in Stuttgart

„Ich fände es schöner, wenn wir auch Teil davon wären“, sagte Kristin Pudenz, Olympia-Zweite im Diskuswerfen von 2021, bei den diesjährigen Leichtathletik-Meisterschaften in Bochum. Die Finals, ein Multisport-Event mit mehr als 100 Meisterschaften, begeistern viele Fans und leben von ihrer Vielfalt. Doch ausgerechnet die für Olympia zentrale Sportart bildet auch weiterhin eine Ausnahme.

ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky bestätigte: „Bei den Finals 2027 in Stuttgart wird die Leichtathletik leider ausgelagert. In einer idealen Welt wären alle an einem Ort. Aber das funktioniert leider nicht immer.“ Es gebe zu wenige Stadien mit einer Laufbahn in der passenden Größe. Im Vorjahr bei den Finals in Dresden habe es dagegen gepasst – damals war die Begeisterung groß.

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Leichtathletik als Zugpferd fürs Fernsehen

„Das ist sehr schade für die Leute vor Ort“, bedauerte Balkausky und betonte: „Leichtathletik ist die größte Sommersportart.“ Das belegen auch die Zuschauerzahlen der Live-Übertragungen in ARD und ZDF. Am Sonntag verfolgten mehr als zwei Millionen Menschen im Ersten die Übertragungen aus Bochum. Deshalb möchten die öffentlich-rechtlichen Sender die Leichtathletik unbedingt im Finals-Programm behalten.

In diesem Jahr war nur der Stabhochsprung in Hannover zu Gast – vor der Oper begeisterte er tausende Zuschauer. Alle anderen Disziplinen fanden in Bochum statt. Zehnkämpfer Amadeus Gräber, der sowohl beim Stabhochsprung in Hannover als auch über 110 Meter Hürden in Bochum startete, sagte: „In Hannover haben wir viel mehr mitbekommen, weil wir mehr in die Stimmung einbezogen waren. Wir waren wie auf einem Schau-Podest, es hat viel Spaß gemacht.“

Gemischte Gefühle unter Athleten

Im traditionsreichen und frisch renovierten Lohrheidestadion in Wattenscheid seien zwar mehr Zuschauer gewesen, dennoch meinte Gräber: „Es wäre schön, wenn die Finals an einem Ort stattfinden würden, besonders für uns Mehrkämpfer. Der Rahmen der Finals ist total super.“ Er selbst nutzte die Vielfalt der Finals in Hannover mit 24 Sportarten und berichtete: „Ich habe die ganze Zeit Beachvolleyball geschaut.“

Die Stabhochspringer waren von den vielen Zuschauern in Hannover begeistert. „Es war unfassbar“, sagte der neue deutsche Meister Marec Metzger in der ARD zu der ausgelassenen Stimmung und den Fans, die direkt an der Anlage saßen und standen. „Das beflügelt einen unheimlich. So nah an die Masse, das ist einfach schön“, schwärmte der Stabhochspringer.

Suche nach einem geeigneten Stadion

Im kommenden Jahr werden die Athleten auf diese besondere Atmosphäre wohl verzichten müssen. „Wir werden wieder eine Leichtathletik-Disziplin ausgliedern“, kündigte Finals-Geschäftsführer Hagen Boßdorf an. „Das könnte aus regionalen Gründen“ das Kugelstoßen sein – wegen der für Mannheim startenden Olympiasiegerin Yemisi Mabry (geborene Ogunleye) und auch wegen Paralympics-Sieger Niko Kappel.

Ein Stadion wird noch gesucht. „Wir wollten nach Ulm gehen, aber in Ulm wird das Stadion nicht fertig“, erklärte Boßdorf. „Für uns ist es immer perfekt, wenn eine Stadt auch ein Leichtathletikstadion hat, aber man kennt ja die Landschaft in Deutschland, auch sehr große Städte haben keine Leichtathletikstadien mehr.“

Optionen für die Austragung

Eine Rückkehr nach Bochum ist eine Option. Auch eine erneute Austragung in Dresden oder Braunschweig ist möglich, wo die Titelkämpfe 2025 und 2024 stattfanden. Die endgültige Entscheidung fällt der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV).

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