Ungewöhnliche Fundorte der Gottesanbeterin
Eine Gottesanbeterin in einer Regionalbahn von Greifswald nach Stralsund – dies ist laut Universität Rostock nur einer von zahlreichen Nachweisen der beeindruckenden Insekten in Mecklenburg-Vorpommern an Orten, die nicht zu ihrem natürlichen Lebensraum gehören. Das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie hat nun ein Online-Portal eingerichtet, über das Bürgerinnen und Bürger Sichtungen der Tiere melden können.
Bedeutung der Meldungen für die Forschung
„Derartige Beobachtungen seien für weitere Untersuchungen wichtig, um die aktuelle Verbreitung der Art besser einzuordnen und um eventuell auf schon etablierte lokale Vorkommen zu stoßen“, erklärte die Universität Rostock. Die besonders geschützte Gottesanbeterin (Mantis religiosa) lebte lange Zeit nur in wenigen Regionen Süddeutschlands. Wahrscheinlich durch den Klimawandel begünstigt, breitet sie sich seit Mitte der 1990er Jahre nach Norden aus.
Statistik der Sichtungen in MV
2011 wurde in Silz (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) erstmals ein Weibchen in Mecklenburg-Vorpommern gemeldet. 2022 folgten zwei weitere Beobachtungen bei Malchin und in Neustrelitz. In den vergangenen drei Jahren stieg die Zahl der Nachweise auf über 50 an. Allerdings handelt es sich meist um Einzeltiere abseits ihrer eigentlichen Lebensräume – an Gebäudewänden, Fußwegen, Parkplätzen oder eben in Zügen. Wie die Gottesanbeterin an diese Orte gelangt, ist unbekannt.
Biologie und Verhalten der Lauerjäger
Ausgewachsene Tiere können zwar fliegen, legen aber nur kurze Strecken zurück. Dennoch ist eine schrittweise Ausbreitung möglich, ebenso wie eine Verdriftung durch starken Wind oder eine Verschleppung durch Menschen. Bevorzugter Lebensraum sind sonnige, trocken-warme Grasflächen mit Sträuchern und Stauden. In Siedlungen finden sich die Tiere auch in Gärten und auf Brachen. Ihre Körperform, grüne oder braune Färbung und das lange reglose Verharren tarnen sie gut.
Die für Menschen ungefährlichen Lauerjäger ernähren sich von anderen Insekten und Spinnen. Sie werden bis zu siebeneinhalb Zentimeter lang, haben einen dreieckigen Kopf und mit Dornen besetzte Fangbeine. In Ruhestellung halten sie diese gebetsartig erhoben und wie Klappmesser eingeschlagen – daher der Name „Gottesanbeterin“.
Das Meldeportal im Detail
Über das neue Portal können Bürgerinnen und Bürger Ort, Datum und weitere Angaben zu ihren Sichtungen machen. Auch Fotos können hochgeladen werden, um Fehlbestimmungen auszuschließen. Das Landesamt hofft auf rege Beteiligung, um ein genaues Bild der Verbreitung der Gottesanbeterin in Mecklenburg-Vorpommern zu erhalten und mögliche etablierte Populationen zu identifizieren.



