Die Ära von Julian Nagelsmann als Bundestrainer droht nach einer herben Enttäuschung zu enden. Die deutsche Nationalmannschaft verlor im Sechzehntelfinale der WM 2026 mit 3:4 im Elfmeterschießen gegen Paraguay. Es war Nagelsmanns 37. Länderspiel als Chefcoach – und vielleicht sein letztes.
Start und Tiefpunkt in Amerika
Was im September 2023 als Projekt für die Heim-EM begann, entwickelte sich für Nagelsmann zur Herzensangelegenheit. Die Krönung blieb ihm jedoch zweimal versagt. Der Start seiner Amtszeit fand im Oktober 2023 in den USA statt: Mit einem 3:1 gegen die USA und einem 2:2 gegen Mexiko begann Nagelsmann seine Aufgabe. Die Stimmung war positiv, gute Ansätze erkennbar. Der Tiefpunkt folgte nun ebenfalls in Amerika: In Foxborough, nur wenige hundert Meter vom Ort des ersten Trainings entfernt, kassierte Nagelsmann die bitterste Niederlage seiner Amtszeit.
Die wichtigsten Stationen der Nagelsmann-Ära
Am 22. September 2023 wurde Nagelsmann nach dem Aus für Hansi Flick als Wunschlösung beim DFB vorgestellt. Der jüngste Bundestrainer sollte nach vielen Enttäuschungen die Heim-EM 2024 retten. Sein Vertrag galt zunächst nur bis zum folgenden Sommer.
Im November 2023 folgte der schnelle Rückschlag: Ein 2:3 gegen die Türkei und ein 0:2 in Österreich öffneten Nagelsmann die Augen. Die DFB-Elf brauchte andere Impulse und personelle Veränderungen. Im März 2024 sortierte er Mats Hummels und Leon Goretzka aus, holte aber Toni Kroos zurück. Das Comeback wirkte: Ein 2:0 in Frankreich und ein 2:1 gegen die Niederlande machten Mut für ein neues Sommermärchen.
Der Sommer 2024 brachte die Heim-EM, die die Fans begeisterte. Doch im Viertelfinale war gegen Spanien der Titeltraum jäh vorbei. Nagelsmann sorgte doppelt für Aufsehen: Mit einer Ansprache an die Nation für mehr Zusammenhalt und mit einer forschen Titelansage für die WM 2026.
Höhen und Tiefen bis zur WM
Im Herbst 2024 zog die nach den Rücktritten von Manuel Neuer, Toni Kroos, Ilkay Gündogan und Thomas Müller neu formierte DFB-Elf erstmals in die K.o.-Spiele der Nations League ein – als ungeschlagener Gruppensieger. Im März 2025 wurde Italien im Viertelfinale ausgeschaltet. Das 2:1 in San Siro und eine berauschende erste Hälfte im Rückspiel beim 3:3 in Dortmund sorgten für Euphorie. Im Sommer sollte der erste kleine Titel bei der Heim-Endrunde der Nations League her.
Doch im Juni 2025 sprang nur der vierte und letzte Platz heraus. Portugal (1:2) und Frankreich (0:2) zeigten Nagelsmann die Grenzen auf. Von der Weltspitze war Deutschland ein Jahr vor der WM weit entfernt. Ein Tiefpunkt folgte im September 2025: Die DFB-Elf ließ sich in der Slowakei mit 0:2 vorführen. Plötzlich war die direkte WM-Qualifikation in Gefahr. Nagelsmann beschwor den Zusammenhalt.
Im Oktober und November 2025 zählten nur die Resultate. Mit fünf Siegen wurde das Amerika-Ticket als Gruppensieger gelöst. Überzeugend war nur das 6:0 zum Abschluss gegen die Slowakei. Im Frühjahr 2026 wurde die Erfolgsserie auf neun Siege ausgebaut, doch die Stimmung blieb von Zweifeln behaftet. Die Titelansage vom vorletzten Sommer war längst einkassiert. Das große Thema war die Rückkehr von Rekordtorwart Neuer und die Degradierung von Oliver Baumann.
Das WM-Aus gegen Paraguay
Der Start in die WM 2026 gelang: Ein 7:1 gegen Curaçao, ein 2:1 gegen die Elfenbeinküste, gerettet von Top-Joker Deniz Undav, und als Gruppensieger folgte ein ernüchterndes 1:2 gegen Ecuador mit vielen Fragen. Physis, Einstellung, Aufstellung – alles wurde debattiert. Am 29. Juni 2026 folgte dann der finale Nackenschlag: Nicht gegen Frankreich oder Argentinien, sondern gegen Paraguay. Im Elfmeterschießen. In Foxborough, wenige hundert Meter vom Ort des ersten Trainings als Bundestrainer entfernt, kassierte Nagelsmann die bitterste Niederlage seiner Amtszeit. Ob es auch die letzte war, bleibt abzuwarten.



