Tadej Pogačar hat mit seinem fünften Erfolg bei der Tour de France Geschichte geschrieben. Der Slowene entschied die 113. Auflage der Rundfahrt souverän für sich und zog mit den bisherigen Rekordsiegern gleich. Nur der Himmel ist noch über ihm – eine Anspielung auf die schier überirdische Dominanz des 27-Jährigen.
Ein Triumph der Überlegenheit
Pogačars Sieg war von Beginn an kaum gefährdet. Bereits in den Alpen setzte er sich an die Spitze des Gesamtklassements und baute seinen Vorsprung Etappe für Etappe aus. Am berühmten Anstieg nach Alpe d'Huez untermauerte er seine Klasse mit einer beeindruckenden Solofahrt. Das Foto von Dario Belingheri zeigt ihn auf dem Weg dorthin – ein Bild, das die Übermacht des UAE-Team-Kapitäns symbolisiert.
Mit dem fünften Triumph reiht sich Pogačar in den elitären Kreis der Fünfmal-Sieger ein. Bislang gelang dies nur Größen wie Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain. Pogačar ist der jüngste unter ihnen. Sein erster Sieg 2020 war eine Sensation, doch inzwischen ist die Dominanz zur Normalität geworden.
Teamkollegen auf dem Podest
Bemerkenswert ist auch, dass Pogačar seine Teamkollegen mitzuziehen vermag. Im Gesamtklassement landete mit João Almeida ein weiterer Fahrer des UAE-Teams auf dem Podium. Dies unterstreicht die Stärke der Mannschaft und die Fähigkeit des Kapitäns, das Team zu führen. „Es ist unglaublich, mit ihm zu fahren“, sagte Almeida nach der Zieleinfahrt in Paris. „Er macht uns alle besser.“
Die Überlegenheit des Slowenen wirft jedoch auch Fragen auf. In der Geschichte des Radsports folgte auf extreme Dominanz oft der Zweifel. Dopingverdächtigungen sind in solchen Fällen nicht fern. „Die Zweifel sind unvermeidlich“, räumt Sportjournalist Stephan Klemm ein, der die Tour für den SPIEGEL begleitet hat. „Aber bisher gibt es keinen konkreten Anlass, an der Fairness zu zweifeln.“
Der Weg zum Rekord
Pogačars Karriere ist eine einzige Erfolgsgeschichte. Nach den Siegen 2020 und 2021 folgten 2024 und 2025 die nächsten Triumphe. 2026 krönte er sich nun zum fünften Mal. Dabei beeindruckt nicht nur seine physische Stärke, sondern auch seine taktische Klugheit. Im Gebirge attackiert er früh, im Zeitfahren zeigt er Bestleistungen. Seine Vielseitigkeit macht ihn nahezu unschlagbar.
Die Konkurrenz steht vor einer Herkulesaufgabe. Jonas Vingegaard, der 2022 und 2023 gewann, hatte in diesem Jahr keine Chance. Auch Remco Evenepoel und Primož Roglič blieben hinter den Erwartungen zurück. Der Radsport muss sich fragen, wie er die Spannung zurückgewinnen kann, ohne die Leistungen des Ausnahmefahrers in Frage zu stellen.
Ein neuer Höhepunkt
Der fünfte Sieg markiert einen weiteren Höhepunkt in Pogačars Laufbahn. Im Ziel auf den Champs-Élysées strahlte er ins Publikum. „Es ist ein Traum, hier zu stehen“, sagte er. „Fünfmal die Tour zu gewinnen, ist mehr, als ich je zu hoffen wagte.“ Nun richtet sich der Blick auf die Zukunft: Kann er den Rekord von Eddy Merckx mit fünf Siegen überbieten? Möglich scheint alles.
Stephan Klemm berichtete aus Paris. Die Tour de France 2026 wird als eine der einseitigsten in die Geschichte eingehen – und als die, in der Tadej Pogačar endgültig zu den Legenden des Sports aufstieg.



