Tadej Pogacar wird bei der 81. Vuelta a España an den Start gehen – nur fünf Wochen nach seinem Rekordsieg bei der Tour de France. Sein Team UAE Emirates bestätigte die Teilnahme des 27-jährigen Slowenen an der dritten großen Landesrundfahrt des Jahres. „Ich freue mich sehr, dass ich zur Vuelta zurückkehre. Ich habe dort meine erste große Rundfahrt bestritten, es war damals ein wunderbares Erlebnis“, sagte Pogacar und blickte dabei auf das Jahr 2019 zurück, als er bei seinem Vuelta-Debüt auf Anhieb den dritten Platz belegt hatte – bis heute sein schwächstes Ergebnis bei einer der drei großen Rundfahrten.
Die Mission: Grand-Tour-Hattrick
Bei der 81. Vuelta will Pogacar den Grand-Tour-Hattrick aus Siegen bei Tour de France, Giro d'Italia und Vuelta perfekt machen – und nach dem Gelben Trikot der Tour auch das Rote Trikot des Vuelta-Siegers überstreifen. Die Tour hat er in diesem Jahr bereits zum fünften Mal gewonnen – nach 2020, 2021, 2024 und 2025. Damit zog er mit den Rekordsiegern Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain gleich. Den Giro d'Italia hatte er 2024 neben der Tour gewonnen. Nun soll in derselben Saison auch noch die Vuelta folgen.
Erst zuletzt hatte sein langjähriger Rivale Jonas Vingegaard aus Dänemark mit dem Gewinn des Giro d'Italia 2026 die „heilige Dreifaltigkeit“ des Radsports erreicht. Für Pogacar wäre ein Vuelta-Triumph der nächste Schritt in einer Karriere, die ihresgleichen sucht. Fährt er nach drei Wochen Tortur durch das spanische Gebirge am 13. September als Vuelta-Champion in Granada ein, hätte er eine der wenigen Erfolgslücken seiner beeindruckenden Vita geschlossen.
GOAT-Debatte und die Referenz Merckx
In der Debatte um den größten Radrennfahrer aller Zeiten – den sogenannten GOAT – würde Pogacar mit einem Vuelta-Sieg ein weiteres starkes Argument liefern. Als einzige Referenz gilt nach wie vor Eddy Merckx: Der Belgier gewann Tour und Giro jeweils fünfmal und dazu einmal die Vuelta. Pogacar hätte mit einem Triumph in Spanien zwar weiterhin erst einen Giro-Sieg vorzuweisen, aber er würde in den Kreis der Fahrer aufsteigen, die alle drei Grand Tours mindestens einmal gewonnen haben. Die Vuelta gilt traditionell als die unberechenbarste der großen Landesrundfahrten – ein Sieg dort hätte für seinen Ruf einen besonders hohen Stellenwert.
Der Doppelstart aus Tour und Vuelta innerhalb von nur fünf Wochen stellt eine enorme physische Belastung dar. In der jüngeren Geschichte haben sich nur wenige Fahrer an diese Kombination gewagt. Pogacars Teilnahme dürfte die Spanien-Rundfahrt in diesem Jahr zu einem der am meisten beachteten Radsport-Ereignisse machen – nicht zuletzt, weil die Strecke mit zahlreichen Bergankünften und Zeitfahren wahrlich für einen Kletterspezialisten wie ihn zugeschnitten scheint.
Einziges Manko: Paris-Roubaix
Mit einem Vuelta-Sieg würde Pogacar praktisch alles gewinnen, was es im Radsport zu gewinnen gibt – mit einer Ausnahme: Paris-Roubaix, die Königin der Klassiker. Alle anderen Monumente – Mailand-Sanremo, die Flandern-Rundfahrt, Lüttich-Bastogne-Lüttich und die Lombardei-Rundfahrt – hat er bereits in seiner Sammlung. Das Kopfsteinpflaster des berühmten Nordens von Frankreich hat sich dem Slowenen bisher nicht gebeugt, auch wenn er dort schon mehrfach angriff. Sollte er auch dieses Rennen noch gewinnen, wäre seine Siegessammlung endgültig komplett.
Zunächst aber gilt die volle Konzentration der Vuelta. In Spanien hatte Pogacar 2019 seine erste große Rundfahrt bestritten und auf Anhieb den dritten Platz belegt. Damals galt er als hoffnungsvolles Talent, heute kommt er als amtierender Tour-Sieger und mit dem erklärten Ziel, als dritter Triumph in seiner Karriere die Vuelta zu erobern.



