Ohne deutsche Beteiligung beginnt am Dienstag die Schwimm-Europameisterschaft für die Frauen in Paris. Über die 10 Kilometer im Freiwasser der Seine wird keine Athletin des Deutschen Schwimm-Verbands (DSV) an den Start gehen. Wie der Verband mitteilte, ist nach Lea Boy nun auch Leonie Märtens erkrankt. Die beiden für das Rennen vorgesehenen deutschen Starterinnen fallen damit aus.
Es ist die erste Entscheidung der EM der Frauen – und sie findet ohne deutsche Farben statt. Das Freiwasserschwimmen gilt seit jeher als eine Medaillenbank für deutsche Schwimmerinnen. Umso schwerer wiegt der doppelte Ausfall. Langstrecken-Bundestrainer Bernd Berkhahn zeigte sich enttäuscht: „Das ist nicht das, was wir uns erhoffen. Und wir haben nicht die Leistungsbreite, dass wir jemand für das Zehn-Kilometer-Rennen nachnominieren können“, sagte er.
Damit bleibt die Position unbesetzt. Eine Ersatzathletin, die kurzfristig hätte einspringen können, gibt es laut DSV nicht. Die Nominierung war offenbar von vornherein auf Lea Boy und Leonie Märtens zugeschnitten. Der Ausfall beider Athletinnen offenbart ein strukturelles Problem im deutschen Freiwasserschwimmen: die mangelnde Breite an der internationalen Spitze.
Erkrankung nicht durch Wasserqualität verursacht
Die Krankheitsfälle haben nach Angaben des Verbands nichts mit der Seine zu tun. „Wir sind erleichtert, dass wir deutlich bessere Bedingungen haben als 2024 bei den Olympischen Spielen. Wir haben hier kaum Strömung, eine gute Wasserqualität und das Wasser ist warm. Es ist fast idyllisch“, sagte Berkhahn. Die Messwerte seien unbedenklich, das Rennen könne planmäßig stattfinden.
Das ist eine bemerkenswerte Aussage angesichts der Vorgeschichte: Bei den Olympischen Spielen 2024 war die Seine wegen anhaltender Niederschläge massiv verunreinigt. Die bakteriellen Belastungen überstiegen zeitweise die Grenzwerte, mehrere Freiwasserrennen mussten verschoben werden. Einige Sportlerinnen und Sportler klagten nach den Wettbewerben über Übelkeit und Erbrechen. In diesem Jahr sind die Verhältnisse offenbar deutlich besser.
Bessere Bedingungen als bei Olympia 2024
Der DSV zeigt sich erleichtert, dass die diesjährige EM unter völlig anderen Vorzeichen steht. „Fast idyllisch“ nannte Berkhahn die Zustände in der Seine. Das Wasser sei warm, die Strömung gering und die Qualität gut. Damit sind die äußeren Bedingungen für die Athletinnen und Athleten, die am Dienstag an den Start gehen, nahezu optimal.
Für das deutsche Team jedoch kommt diese gute Nachricht zu spät. Lea Boy und Leonie Märtens werden die Seine am Dienstag nicht erleben. Auch wenn die beiden nicht an den Start gehen können, bleibt der Wettbewerb selbst von den Ausfällen unberührt. Die Konkurrenz aus anderen Nationen wird das Rennen unter den guten Bedingungen bestreiten.
Deutsche Freiwasser-Tradition unter Druck
Die Geschichte des deutschen Freiwasserschwimmens ist lang und erfolgreich. Bei Welt- und Europameisterschaften sowie Olympischen Spielen holten deutsche Frauen immer wieder Edelmetall. Die 10-Kilometer-Distanz war dabei ein zuverlässiger Medaillenbringer. Umso ungewohnter ist das Bild, dass bei einem internationalen Höhepunkt keine deutsche Frau an den Start geht.
Die Gründe liegen auf der Hand: Die internationale Dichte im deutschen Freiwasser ist gesunken. Während früher mehrere Athletinnen mit Weltklasse-Niveau zur Verfügung standen, beschränkt sich das Aufgebot heute oft auf ein oder zwei Namen. Fallen diese aus, ist das deutsche Team praktisch nicht vertreten.
Für die anstehenden weiteren Wettbewerbe der Schwimm-EM hofft der DSV, dass Lea Boy und Leonie Märtens rechtzeitig genesen. Ob und wann sie wieder trainieren können, ist offen. Bis dahin bleibt den deutschen Fans nur die Hoffnung auf die anderen Disziplinen – und auf die Rückkehr der beiden Freiwasserschwimmerinnen bei kommenden Events.



