Bei der Tour de France Femmes sorgt ein Manipulationsverdacht für Aufsehen: Mehrere Teams sollen die Rennjury darauf aufmerksam gemacht haben, dass einige Fahrerinnen ihre Sport-BHs künstlich aufpolstern, um sich einen aerodynamischen Vorteil zu verschaffen. Der Weltradsportverband UCI reagierte bereits vor der 4. Etappe mit verschärften Kontrollen. Am Dienstag gewann Favoritin Marlen Reusser das Einzelzeitfahren über 21 Kilometer von Gevrey-Chambertain nach Dijon und übernahm das Gelbe Trikot – doch die Diskussionen um die vermeintlichen BH-Booster überschatteten das Rennen.
Was wird den Fahrerinnen vorgeworfen?
Laut übereinstimmenden Berichten mehrerer Teams sollen einige Fahrerinnen ihre Sport-BHs mit zusätzlichen Polstern versehen haben. Der Vorwurf: Durch die künstlich vergrößerte Oberweite verändere sich der Luftstrom um den Körper, was den Luftwiderstand reduziert und so zu einem Zeitgewinn führen kann. Diese Praxis wäre nach den UCI-Regeln verboten, da sie die Körperform künstlich verändert und einen Leistungsvorteil verschafft.
Der Aerodynamik-Experte Bert Blocken erklärte gegenüber dem niederländischen Radsport-Portal „Wielerflits“ unter Verweis auf seine Studie, dass eine Veränderung der Brustform den Luftwiderstand um bis zu 3,6 Prozent senken könne. Auf einer Strecke von 20 bis 30 Kilometern ergäbe das einen Vorteil von rund 0,8 Sekunden pro Kilometer. Beim Zeitfahren am Dienstag über 21 Kilometer wären das knapp 16 Sekunden – ein erheblicher Vorsprung in einem Rennen, das oft um Sekunden entschieden wird.
UCI kündigt verschärfte Kontrollen an
Die UCI verwies auf Artikel 1.3.032 ihres Regelwerks, der Gegenstände oder Kleidungsstücke verbietet, die die Morphologie der Fahrerinnen künstlich verändern und dadurch einen Leistungsvorteil verschaffen. Bei Verstößen drohen Disqualifikation und Geldstrafen von 200 bis 1000 Schweizer Franken. Der Verband kündigte an, vor der 4. Etappe schärfere Kontrollen durchzuführen und dabei auch Gegenstände zu überprüfen, die die Körperform verändern könnten.
Die Vorwürfe sind nicht neu: Bereits bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris und beim Giro d’Italia im Vorjahr gab es ähnliche Berichte. Welche Fahrerinnen konkret betroffen sein sollen, ist bislang unklar. Die Tour de France Femmes startete am vergangenen Samstag und endet nach neun Etappen am Sonntag in Nizza.
Reaktionen und Ausblick
Die Diskussion um die BH-Booster hat für Wirbel im Peloton gesorgt und wirft ein Schlaglicht auf die zunehmende Bedeutung der Aerodynamik im Radsport. Während einige Teams die verschärften Kontrollen begrüßen, fordern andere eine grundsätzliche Klarstellung der Regeln. Die UCI steht nun vor der Herausforderung, faire Bedingungen zu gewährleisten und gleichzeitig die Privatsphäre der Fahrerinnen zu respektieren.
Für die Fahrerinnen geht es derweil weiter: Nach dem Zeitfahren stehen noch fünf Etappen bis zum Finale in Nizza an, in denen das Gelbe Trikot von Marlen Reusser verteidigt werden muss. Die verschärften Kontrollen werden die Rennen bis zum Schluss begleiten.



