Der Fußball-Weltverband Fifa hat die Reißleine gezogen: Die umstrittenen Pläne zum Verkauf von WM-Anteilen an Investoren sind gestoppt. Das gab Präsident Gianni Infantino am Samstag bekannt. „Unser Ziel war es schon immer – und wird es auch immer bleiben –, den Sport zu vereinen und zu verbessern", sagte der 56-Jährige. „Daher wird dieser Vorschlag nicht weiterverfolgt." Damit gibt die Fifa dem Druck aus Politik, Verbänden und Fanszene nach.
Die Kritik an den Plänen war in den vergangenen Wochen immer stärker geworden. Die Fifa wollte eine neue Tochtergesellschaft gründen, in der die Vermarktungsrechte für Turniere wie die Weltmeisterschaft und die Klub-Weltmeisterschaft gebündelt werden. An dieser Gesellschaft sollten sich private Investoren mit Minderheitsanteilen beteiligen können. Kritiker warnten davor, dass finanzielle Interessen künftig Vorrang vor sportlichen Belangen haben könnten. International wuchs der Widerstand, auch innerhalb der Uefa und anderer Kontinentalverbände.
Als erster Bundesliga-Manager hat sich nun Christian Heidel zu dem Rückzieher geäußert. Der Sportvorstand von Mainz 05 begrüßt die Entscheidung ausdrücklich. Gegenüber BILD spricht er von einem „Sieg des Fußballs". Heidel mahnt zugleich grundlegende Veränderungen in der Führung des Weltverbands an.
Vermarktung im Fußball: Heidel zieht die Grenze
Auf die Frage, wie weit die Kommerzialisierung gehen dürfe, antwortet Heidel: „Wir freuen uns alle über Vermarktungserfolge. Wichtig ist dabei aber, dass die Vermarktung für den Fußball da ist, nicht umgekehrt – der Fußball muss immer die Nummer 1 sein, das Spiel muss im Mittelpunkt stehen. Dazu gehören auch die Interessen der Fans. So gesehen war die Abkehr von den Investoren-Plänen auch ein Sieg des Fußballs." Der 63-Jährige sieht also eine klare Hierarchie: Das Spiel und seine Anhänger haben Vorrang vor kommerziellen Interessen.
Heidel kritisiert in diesem Zusammenhang vor allem die mangelnde Transparenz der Fifa. „Ich glaube, der große Fehler der Fifa ist, dass sie einfach nicht transparent genug ist. Was investiert sie wo, wieviel von dem eingenommenen Geld geht wieder in den Fußball? Deshalb entsteht immer wieder der Eindruck, die FIFA mache sich die Taschen voll." Diese Äußerungen sind bemerkenswert, denn selten äußert sich ein hochrangiger Funktionär eines Bundesligisten so offen über den Weltverband.
Uefa-Geschlossenheit: Ein neues Machtgefüge?
Heidel zeigt sich beeindruckt vom Zusammenhalt, der den Plänen entgegengesetzt wurde. „Diese Geschlossenheit der Uefa hätte ich so nicht erwartet, auch den Widerstand aus den anderen Kontinentalverbänden nicht." Für den Mainzer ist das ein Zeichen, dass sich die Machtverhältnisse im internationalen Fußball verschieben könnten. „Und wenn sich bei den Neuwahlen 2027 ein Gegenkandidat aufstellen lässt – wer weiß…", fügt er mit Blick auf Infantinos Zukunft hinzu.
Aus Heidels Sicht hat Infantino mit seinem Vorgehen einen schweren strategischen Fehler begangen. „Ich glaube, Infantino hat jetzt einen kapitalen Fehler gemacht. Er hat sich mit dem eingeschlagenen Weg keinen Gefallen getan – und ich kann mir das erste Mal vorstellen, dass seine Wiederwahl nicht so einfach wird, wie es bisher den Anschein hatte." Der 56-jährige Fifa-Chef wollte sich bei seinem Projekt offenbar auf eine breite Allianz stützen, doch genau diese ist gekippt.
Bundesliga-Zoff um Geldgeber? Heidels Warnung
Die Debatte um Investoren im Fußball ist nicht neu. Auch in der Bundesliga gibt es immer wieder Diskussionen über strategische Partnerschaften und den Einstieg externer Geldgeber. Heidels Aussagen dürften daher weit über den Fall des Weltverbands hinauswirken. Wer den Fußball liebe, müsse sich fragen, welchen Preis man für finanziellen Erfolg zahlt – so ließe sich seine Haltung zusammenfassen.
Unmittelbar hat der Rückzug der Fifa keine direkten finanziellen Folgen für die Klubs. Doch das Signal ist stark: Der internationale Druck gegen übergriffige Vermarktungsmodelle funktioniert. Heidel jedenfalls sieht den Fußball als Sieger. „Der Fußball muss immer die Nummer 1 sein", betont er – ein Satz, der in den kommenden Monaten noch oft zitiert werden dürfte.



