Tödliche Lawine am Broad Peak
Die Lawine hatte die zehnköpfige Expedition am vergangenen Donnerstag erfasst, als die Gruppe in einer Höhe von ungefähr 6600 Metern zum Gipfel des 8047 Meter hohen Broad Peak aufstieg. Nach Angaben von Naila Kiani vom pakistanischen Alpenverein (ACP) deuteten Daten der Ortungsgeräte darauf hin, dass die Bergsteiger mehrere Hundert Meter den Hang hinabgeschleudert wurden. Keines der Mitglieder überlebte das Unglück, wie Elite Exped und der Leiter der Rettungsmission am Broad Peak auf Instagram mitteilten.
„Die Welt hat einen der größten Bergsteiger verloren – eine Persönlichkeit, die Millionen von Menschen durch ihren Mut, ihre Bescheidenheit und ihren unerschütterlichen Glauben daran inspirierte, dass das menschliche Potenzial weitaus größer ist, als wir oft glauben“, heißt es in dem Beitrag des Unternehmens, das Purja gegründet hatte. Purja selbst befand sich unter den Opfern, wie die Agentur des 43-Jährigen bestätigte.
Internationale Expedition aus sieben Nationen
Die Gruppe bestand aus sechs Bergsteigern aus Nepal, einem Bergsteiger aus Pakistan, einem Bergsteiger aus China sowie einer Alpinistin aus den USA und einer Bergsteigerin aus Oman. Geleitet wurde die Expedition laut ACP von Nirmal Purja, einem nepalesischstämmigen Alpinisten mit britischer Staatsangehörigkeit. Der 43-Jährige war einer der bekanntesten Extremsportler der Welt und hatte in der Bergsteigerszene eine Vorbildfunktion.
Die Zusammensetzung der Gruppe verdeutlicht die Internationalität des Höhenbergsteigens im Karakorum. Nach Angaben des ACP waren alle Expeditionsteilnehmer erfahrene Bergsteiger, einige von ihnen hatten bereits mehrere Achttausender bestiegen. Dennoch erwies sich die Lawinengefahr in diesem Jahr als außergewöhnlich hoch, wie örtliche Bergführer berichten.
Rettungsarbeiten unter Extrembedingungen
Wegen schwieriger Wetterbedingungen war die Suche nach den Verschütteten am Freitag zeitweise unterbrochen worden. Am Samstag nahmen Höhenträger und Rettungskräfte gemeinsam mit der pakistanischen Armee den Einsatz wieder auf. Die Teams hatten die Nacht im Basislager verbracht, bevor sie im Morgengrauen zur Unglücksstelle aufbrachen. Die Suche gestaltet sich aufgrund der großen Höhe, der Lawinengefahr und unberechenbarer Wetterumschwünge als äußerst schwierig.
Die Rettungsmannschaften müssen sich vorsichtig vorarbeiten und können nur begrenzt schweres Gerät einsetzen. Offizielle Angaben dazu, ob alle Leichen geborgen werden können, gab es zunächst nicht. Die Behörden erklärten, die Identifizierung der Opfer werde nach Abschluss der Bergung erfolgen.
Weltrekord und Netflix-Doku
Purja erlangte internationale Bekanntheit, als er im Oktober 2019 alle 14 Achttausender der Erde innerhalb von nur sieben Monaten bestieg. Dieser Rekord galt als eine der größten Leistungen in der Geschichte des Höhenbergsteigens. Die Netflix-Produktion „14 Gipfel: Nichts ist unmöglich“ dokumentierte das Projekt und machte Purja einem Millionenpublikum bekannt. Die Doku wurde weltweit zum Erfolg und zeigte, wie der Alpinist trotz widrigster Bedingungen die höchsten Gipfel der Erde erreichte.
Im August 2023 wurde sein Rekord von der Norwegerin Kristin Harila und dem Nepalesen Tenjen Lama im Team übertroffen. Purja blieb jedoch eine Legende, die viele Bergsteiger inspirierte. Sein Tod hinterlässt eine große Lücke in der Alpinwelt.
Der Broad Peak: Gefährlicher Achttausender
Der Broad Peak gehört mit 8047 Metern zu den vierzehn Achttausendern und ist der zwölfthöchste Berg der Erde. Er liegt im Karakorum-Gebirge an der Grenze zwischen Pakistan und China und ist nach dem K2 der zweithöchste Gipfel dieser Region. Die Region im hohen Norden Pakistans zieht jährlich viele internationale Expeditionen an. Der Berg ist bekannt für seine anspruchsvolle Route, extreme Kälte und plötzlich wechselnde Wetterlagen. Lawinen stellen in dieser Gegend eine erhebliche Gefahr dar, insbesondere in schneereichen Wintern wie dem vergangenen.
Bestürzung weltweit
Die Nachricht von Purjas Tod löste international Bestürzung aus. Elite Exped sprach den Familien aller zehn Opfer sein Beileid aus. Auch der pakistanische Alpenverein zeigte sich tief betroffen. Der Leiter der Rettungsmission, der zunächst keine Stellungnahme abgab, wird mit der Koordination der weiteren Arbeiten betraut. Die genauen Umstände des Lawinenunglücks sollen in den kommenden Wochen untersucht werden. Die Behörden kündigten an, die Sicherheitsregeln am Berg zu überprüfen. Das Unglück am Broad Peak wird als eine der schwersten Katastrophen im Höhenbergsteigen der letzten Jahre eingestuft.



