Das Metropolitan Museum of Art in New York hat angekündigt, dem britischen Modedesigner John Galliano im kommenden Jahr eine große Ausstellung zu widmen. Die Schau über das Werk des 65-Jährigen soll mit der legendären Met Gala eröffnet werden, dem wohl wichtigsten Mode-Event des Jahres. Das Museum am Central Park teilte mit, es handele sich um die erste große Museumsausstellung über Galliano – „einem der erfinderischsten und einflussreichsten Designer der vergangenen vier Jahrzehnte“. Die Retrospektive wird auch die Schattenseiten seiner Karriere nicht aussparen, darunter den Skandal von 2011, der zu seiner Entlassung bei Dior führte.
Karriere zwischen Genie und Abgrund
John Galliano wurde 1960 in Gibraltar geboren und wuchs in London auf. Schon während seines Studiums an der renommierten Central Saint Martins Kunsthochschule galt er als Ausnahmetalent. In den 1990er Jahren arbeitete er als Chefdesigner für das französische Modehaus Givenchy, ehe er 1996 die Nachfolge von Gianfranco Ferré bei Dior antrat. Parallel führte er seine eigene Marke John Galliano, die er 1984 gegründet hatte. Seine Shows waren bekannt für theatralische Inszenierungen, historische Zitate und eine opulente Ästhetik.
Doch 2011 kam der Absturz: In einer Pariser Bar beleidigte Galliano in betrunkenem Zustand mehrere Gäste mit antisemitischen Äußerungen. Die Affäre wurde zum Skandal, Dior trennte sich mit sofortiger Wirkung von seinem Kreativdirektor. Ein französisches Gericht verurteilte Galliano zu einer Geldstrafe auf Bewährung. In der Folge sprach er offen über seine jahrelange Drogen- und Alkoholsucht und zog sich zunächst aus der Öffentlichkeit zurück.
Seit einigen Jahren arbeitet Galliano wieder in der Modebranche. Das Metropolitan Museum kündigte an, auch diese Kapitel seiner Biografie in der Ausstellung zu thematisieren. So soll die Schau nicht nur die künstlerische Brillanz zeigen, sondern auch die Frage nach Verantwortung und Vergebung im Modebetrieb aufwerfen.
Seltene Ehre für lebende Designer
Die Ehrung Gallianos ist außergewöhnlich: In der Geschichte der Met Gala wurden erst zwei zum Zeitpunkt der Veranstaltung lebende Designer mit einer großen Ausstellung gewürdigt: Yves Saint Laurent und Rei Kawakubo, die Gründerin des japanischen Labels Comme des Garçons. Galliano wird damit der dritte lebende Modeschöpfer, dem diese Ehre zuteilwird.
Der Met Ball, oft als „Party des Jahres“ bezeichnet, ist eine der glamourösesten Veranstaltungen der Welt. Er findet traditionell am ersten Montag im Mai statt und eröffnet stets eine neue Ausstellung des Costume Institute, der Modeabteilung des Museums. Die Gästeliste liest sich wie das Who’s Who aus Film, Musik, Mode und Gesellschaft. Jedes Jahr steht der Ball unter einem bestimmten Motto, zu dem sich die Prominenten in aufwendigen Roben präsentieren – oft mit ebenso viel Hingabe wie die ausgestellten Designs.
Die Met Gala als Finanzquelle
Das „Costume Institute Benefit“, wie die Veranstaltung offiziell heißt, ist jedoch weit mehr als eine Modenschau. Die Einnahmen des Balls werden auf mehrere Millionen Dollar geschätzt und bilden das jährliche Budget des Instituts, das nach der langjährigen Vogue-Chefin Anna Wintour benannt ist. Wintour, die selbst als Gastgeberin fungiert, gilt als mächtigste Frau der Modewelt. Ihre Entscheidungen darüber, wer auf der Gästeliste steht, sind legendär.
Für das Metropolitan Museum ist die Galliano-Retrospektive ein ambitioniertes Projekt: Sie verbindet Haute Couture mit Zeitgeschichte und verspricht, eine der meistbeachteten Ausstellungen der jüngeren Museumsgeschichte zu werden. Die Kombination aus künstlerischem Genie und biografischem Skandal dürfte sowohl Modekritiker als auch ein breites Publikum anziehen.
Mit der Schau setzt das Museum ein Zeichen: Auch ein gefallener Star kann als Künstler rehabilitiert werden – vorausgesetzt, sein Werk hält der Auseinandersetzung stand. Die Ausstellung wird im kommenden Jahr eröffnet; genaue Termine nannte das Museum noch nicht. Eines ist jedoch sicher: Der rote Teppich der Met Gala wird Galliano die wohl spektakulärste Rückkehr bereiten, die die Modewelt je gesehen hat.



