Rassistischer Spotter sabotiert Powerlifterin bei WM
Rassistischer Spotter sabotiert Powerlifterin bei WM

Bei der Weltmeisterschaft im Kraftdreikampf im litauischen Druskininkai ist es Ende Juni zu einem Zwischenfall gekommen, der sich Wochen später als gezielte Sabotage herausstellte. Die belgische Topathletin Sonita Muluh scheiterte in ihrem Kniebeugeversuch über 334 Kilogramm – nicht etwa an mangelnder Kraft, sondern weil der litauische Spotter Ernestas Kusinas die Hantelstange mit seinem Knie touchierte und so den Bewegungsablauf der Athletin entscheidend störte.

Muluh, die 2024 den WM-Titel in der Gewichtsklasse über 84 Kilogramm gewonnen hatte, konnte keinen gültigen Versuch vorweisen. Ein umgehender Protest ihres Trainers gegen die Wertung wurde abgewiesen. Damit waren ihre Hoffnungen auf eine erneute Goldmedaille bei dieser WM zunichte. Für die Athletin, die zu den erfolgreichsten Powerlifterinnen der Welt zählt, eine bittere Erfahrung.

Videoanalyse bringt die Wahrheit ans Licht

Erst Wochen nach dem Wettkampf kam Bewegung in den Fall. Der US-amerikanische Kraftdreikämpfer Joe Sullivan veröffentlichte eine Videoanalyse des umstrittenen Versuchs, in der er aufzeigte, dass die Berührung des Spotters keinesfalls zufällig gewesen sein kann. In der Kommentarspalte zu diesem Video meldete sich überraschend der Spotter selbst zu Wort. Ernestas Kusinas beschönigte nichts: „Tut mir leid für euch, ihr Idioten, ich bin rassistisch und habe das absichtlich gemacht, weil ich euch Scheißkerle hasse“, schrieb er.

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Die Analyse von Sullivan zeigt deutlich die Sequenz: Muluh lässt sich mit der schweren Last in die Kniebeuge herab, als die Stange auf der rechten Seite das Knie des Helfers berührt. Für einen Moment verliert die Athletin den Rhythmus, der Versuch gerät ins Wanken. Ohne diesen Kontakt wäre der Lift möglicherweise anerkannt worden – hätte Muluh diesen Versuch gestanden, wäre sie im weiteren Wettkampf in einer starken Ausgangsposition gewesen.

Verband suspendiert Spotter auf Lebenszeit

Der litauische Verband reagierte umgehend auf das rassistische Statement und suspendierte Kusinas mit sofortiger Wirkung für das gesamte Leben. Damit zog die Organisation Konsequenzen aus einem Verhalten, das nicht nur gegen sportliche Regeln verstößt, sondern auch ein völlig inakzeptables Zeichen von Diskriminierung und Missachtung darstellt. Unklar bleibt bislang, wie der Spotter überhaupt bei den Titelkämpfen als Sicherungskraft eingesetzt werden konnte.

Muluh äußert sich tief verletzt

Sonita Muluh zeigte sich nach der Veröffentlichung der Kommentare zutiefst bestürzt. Die Powerlifterin erklärte, sie habe zwar schon auf vielfältige Weise mit Rassismus zu tun gehabt, aber noch nie in dieser Art. Schmerzlich sei vor allem die Erkenntnis, dass sie den Mann zunächst in Schutz genommen habe. „Ich habe diesen Kerl verteidigt, in der Hoffnung, dass er keinen Hass abbekommt, weil ich dachte, es sei ein ehrlicher Fehler gewesen. Nun, das hier von derselben Person zu lesen, bricht mir einfach das Herz.“

Ein Schlag gegen den gesamten Kraftsport

Der Vorfall wirft ein grelles Schlaglicht auf den Umgang mit Rassismus im Leistungssport und auf die Rolle der Sicherheitskräfte, den sogenannten Spottern. Ihre Aufgabe ist es, Athletinnen und Athleten bei hohen Gewichten zu schützen und im Notfall einzugreifen. Wenn diese Funktion absichtlich zur Sabotage genutzt wird, wird nicht allein die sportliche Integrität verletzt, sondern auch die Sicherheit der Aktiven gefährdet. Ein Spotter, der bewusst den Erfolg einer Athletin verhindern will, missbraucht sein Amt auf das Schlimmste.

In den sozialen Medien löste die rassistische Attacke eine Welle der Empörung aus. Zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer zeigten sich fassungslos und verurteilten das Verhalten von Kusinas in aller Deutlichkeit. Auch andere Athletinnen und Athleten solidarisierten sich mit Sonita Muluh. Der Fall macht deutlich, wie verletzbar Sportlerinnen und Sportler sind – nicht nur körperlich, sondern auch durch die Menschen, die eigentlich ihre Sicherheit gewährleisten sollen.

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Kraftdreikampf auf höchstem Niveau

Der Kraftdreikampf, auch Powerlifting genannt, umfasst die Disziplinen Kniebeugen, Bankdrücken und Kreuzheben. Bei den schweren Gewichten im Bereich von mehreren hundert Kilogramm ist die mentale Stärke genauso entscheidend wie die physische. Schon kleinste Unregelmäßigkeiten können einen Versuch ungültig machen. Bei Muluh waren es angepeilte 334 Kilogramm in der Kniebeuge – ein Gewicht, das höchste Konzentration erfordert. Dass der Spotter mit seinem Eingriff genau diesen Moment ausnutzte, macht die Tat aus Sicht vieler Beobachter noch verwerflicher.

Der Fall dürfte auch die internationalen Verbände beschäftigen. Es bleibt zu hoffen, dass die Vorfälle zu überarbeiteten Sicherheitsvorkehrungen und strengeren Auswahlkriterien für Spotter führen. Denn eines sollte bei allen Titelkämpfen gelten: Die Ausführung der Lifts entscheidet über Sieg und Niederlage, nicht das Fehlverhalten einzelner Helfer. Eine faire Wettkampfumgebung ist die Grundlage des Sports.

Fassungslosigkeit nach rassistischer Sabotage

Für Sonita Muluh bleibt nach diesem schockierenden Erlebnis eine offene Frage: Was wäre sportlich möglich gewesen, wenn der Spotter seine Aufgabe neutral erfüllt hätte? Sicher ist: Der Wettkampf in Druskininkai wird nicht wegen einer sportlichen Höchstleistung in Erinnerung bleiben, sondern wegen eines unfairen und rassistischen Angriffs von außen. Die lebenslange Sperre sendet zwar ein Signal, doch der Schaden für die Athletin und den Sport ist enorm.