Ungarn fährt Atomkraftwerk Paks wegen Donau-Dürre herunter
Ungarn fährt Atomkraftwerk Paks wegen Dürre herunter

Ungarn steht vor der ersten Zwangsabschaltung seines einzigen Atomkraftwerks. Ministerpräsident Péter Magyar kündigte am Samstag an, dass die Reaktoren in Paks unter Umständen bereits am Wochenende vom Netz gehen müssen. „Der Wasserstand der Donau ist weiter gesunken", erklärte Magyar in einem Video auf Facebook. „Deshalb haben die Ingenieure im Kraftwerk über Nacht die Produktion weiter gedrosselt." Erst am Freitag hatte der Regierungschef bei einem Besuch der Anlage erklärt, die Abschaltung werde für Dienstag oder Mittwoch der kommenden Woche erwartet.

Das Kernkraftwerk Paks, etwa 130 Kilometer südlich von Budapest gelegen, ist mit vier Reaktoren sowjetischer Bauart ausgestattet. Aktuell arbeiten die Blöcke nur noch mit einem Viertel ihrer installierten Gesamtleistung von zwei Gigawatt. Unter normalen Umständen deckt das Atomkraftwerk rund 40 Prozent des Strombedarfs in Ungarn. Für die Kühlung der Reaktoren ist die Anlage jedoch auf Wasser aus der Donau angewiesen. Wochenlange Dürre hat den Fluss vielerorts auf ein Rekordtief fallen lassen. Der Anlagenbetreiber spricht von einer „unvermeidlichen" Maßnahme – es wäre die erste Abschaltung in der 44-jährigen Geschichte des Kraftwerks.

Zusätzliche Störung im Gaskraftwerk

Die Lage wird durch einen weiteren Ausfall verschärft: Im größten Gaskraftwerk Ungarns in Százhalombatta ist die komplette Leistung von 400 Megawatt ausgefallen. Magyar zufolge können die beschädigten Anlagen möglicherweise am Sonntag repariert sein. Dennoch seien zusätzliche Schritte nötig, um das Stromnetz zu stabilisieren.

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Sollte das Atomkraftwerk länger stillstehen, drohen hohe Kosten. Mark Radnai, stellvertretender Vorsitzender von Magyars Partei „Tisza", beziffert die Mehrausgaben für importierten Strom auf 100 bis 200 Milliarden Forint. Das entspricht umgerechnet rund 275 bis 550 Millionen Euro. Magyar warnte, die Anlage könnte „wochenlang" ausfallen.

Stromspar-Dekret für Großbetriebe

Um einen Zusammenbruch des Netzes zu verhindern, will die ungarische Regierung per Dekret Großverbraucher zum Stromsparen verpflichten. Bereits zuvor hatten Industrieunternehmen eine freiwillige Reduzierung der Nachfrage um 240 Megawatt zugesagt. Wer die neuen Vorgaben nicht erfüllt, muss mit Sanktionen rechnen. Der Netzbetreiber hat außerdem die Option, einzelne Großabnehmer vorübergehend vom Netz zu trennen. „Die privaten Haushalte werden das letzte Glied in der Kette der Einschränkungen sein", betonte Magyar.

Güterbahn und Homeoffice

Bereits ab Montag wird der Güterverkehr auf der Schiene an fünf Nachmittagsstunden eingestellt. Die Regierung ordnete zudem an, dass die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes an den ersten drei Arbeitstagen der Woche ins Homeoffice wechseln. Unternehmen werden gebeten, diesem Beispiel zu folgen. Auch die Beleuchtung von öffentlichen Gebäuden soll reduziert werden: Flutlichter und nicht zwingend benötigte Lampen werden abgeschaltet.

Wassersparen in ganz Ungarn

Im Kampf gegen die Wasserknappheit forderte Magyar die Bevölkerung in den betroffenen Regionen auf, den Verbrauch einzuschränken. „Jeder Tropfen Wasser zählt", sagte er. Die Pegel der Donau sind nach Angaben der Behörden vielerorts auf den niedrigsten jemals gemessenen Wert gefallen. Auch das Nachbarland Rumänien hat bereits einen Reaktor des Atomkraftwerks Cernavoda abgeschaltet und plant die Stilllegung des zweiten Blocks. Frankreich musste in dieser Woche ebenfalls Kraftwerksreaktoren wegen der Hitze vom Netz nehmen. Der Wetterdienst Hungaromet erwartet in Ungarn in den kommenden Tagen Temperaturen von bis zu 41 Grad Celsius.

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