34 Jahre nach Steffi Graf: Tamara Korpatsch gewinnt Hamburg Ladies Open
34 Jahre nach Steffi Graf: Korpatsch siegt am Rothenbaum

Tamara Korpatsch hat am Rothenbaum Tennis-Geschichte geschrieben. Die 31-Jährige gewann als erste Deutsche seit Steffi Graf 1992 die Hamburg Ladies Open. Im Finale besiegte sie die ungarische Abo-Finalistin Anna Bondar mit 6:3, 6:3 und sicherte sich damit den zweiten WTA-Titel ihrer Karriere. Der Triumph in ihrer Heimatstadt ist umso bemerkenswerter, als Korpatsch vor zwei Jahren nach Verletzungen und Krankheiten bis auf Platz 185 der Weltrangliste abgerutscht war. Nun springt sie auf Rang 46 – persönlicher Bestwert.

Ein emotionaler Sieg vor heimischem Publikum

Nach dem Matchball ließ Korpatsch ihrer Freude freien Lauf. Sie umarmte ihren Trainer-Papa Thomas und ihre Mutter Birgit, ehe sie ihrem Hund Stella einen Kuss gab. Aus den Lautsprechern dröhnte „Oh, wie ist das schön!“. „Ich bin einfach super happy“, sagte Korpatsch. „Ich war vorher richtig aufgeregt, war super nervös und konnte am Samstag kaum einschlafen. Ich hatte so viele Gedanken im Kopf. Aber zum Glück konnte ich auf dem Platz die Gedanken wegschieben und locker aufspielen.“

Die Hamburgerin startete furios und führte dank ihrer Vorhand-Peitsche schnell mit 4:1. Im zweiten Satz gelang ihr das entscheidende Break zum 3:2. „Beim Matchball habe ich dann etwas gezittert und realisiert: Oh, nein! Ich kann das hier gewinnen“, erinnerte sie sich. Für den Sieg gab es neben dem Kristall-Pokal auch ein Preisgeld von 32.520 Euro.

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Ein langer Weg an die Spitze

Korpatsch galt nie als Supertalent und erhielt keine Förderung durch den Deutschen Tennis-Bund. In ihren Anfangsjahren reiste sie mit ihrem Vater von Turnier zu Turnier, schliefen anfangs sogar im Auto, um Kosten zu sparen. „Sie stand immer ein bisschen im Schatten“, betonte Turnierbotschafterin Andrea Petković. „Jetzt ist es fast zu schön, um wahr zu sein.“ Nach ihrem ersten WTA-Titel 2023 in Cluj-Napoca brach sie krankheits- und verletzungsbedingt ein. „Es war ziemlich schwer, sich da rauszuziehen. Ich habe das mit meiner Familie geschafft. Ich bin einfach nur super stolz darauf, dass ich es als einzige Tennisspielerin nur mit meiner Familie bis hierhin geschafft habe.“

Bedeutung für den deutschen Tennis

Turnier-Direktorin Sandra Reichel zeigte sich begeistert: „Sie hatte es nie so leicht. Und jetzt zu Hause, auf ihrem Center Court zu gewinnen, ist ein Märchen.“ Auch DTB-Präsident Dietloff von Arnim hob die Bedeutung des Turniers als Bühne für Talente hervor. Insgesamt acht deutsche Spielerinnen erreichten das Hauptfeld. „Das ist so wichtig für uns“, sagte von Arnim. Die letzte deutsche Siegerin am Rothenbaum war Steffi Graf im Jahr 1992, als das Turnier noch Master-Status hatte. Korpatsch sagte dazu: „Als ich ein Kind war, haben die Leute immer gefragt: Wirst du die nächste Steffi Graf? Es ist eine Ehre, die nächste Deutsche nach ihr zu sein, die hier gewonnen hat.“

Herausforderungen und Ausblick

Trotz des Erfolgs war die Zuschauerzahl während der Turnierwoche verhalten. Inklusive des Finales kamen rund 20.000 Fans. Reichel vergleicht das Turnier mit einem Start-up: „Nach dem Ende des Doppel-Events mit den Herren müssen wir uns neu finden. Und ich bin überzeugt, dass wir ganz viele Samen gesät haben.“ Der Vertrag mit Titelsponsor MSC läuft nach zwei Jahren aus, Verhandlungen stehen an. Auch der Termin für 2027 ist noch offen; Reichel wünscht sich eine Verschiebung direkt nach Wimbledon. Neben dem WTA-Turnier gab es auch eine Premiere des ITF-Rollstuhltennis-Turniers und einen Showkampf der ehemaligen Nummer 1 Martina Hingis gegen Andrea Petković. Korpatsch reist bereits am Dienstag weiter nach Toronto zum ersten Hartplatz-Turnier. „Eine große Feier gibt es nicht. Wir gehen irgendwo essen und ich bin gespannt, was die anderen für mich vorbereitet haben“, sagte sie.

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