Vor genau einem Jahr starb Laura Dahlmeier am Laila Peak in Pakistan. Die zweifache Olympiasiegerin und siebenfache Weltmeisterin wurde nur 31 Jahre alt. Ihr Tod durch einen Steinschlag im Hochgebirge erschütterte die Sportwelt und ihre Angehörigen.
Ein Jahr nach dem Unglück: Die Trauer ist noch immer groß
„Laura fehlt uns einfach. Jeden Tag. Sie fehlt uns als herausragende Sportlerin, vor allem aber als Mensch“, sagte Stefan Schwarzbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Skiverbandes, im Gespräch mit der Deutschen Presseagentur. Mit ihrer Art, ihrer Bescheidenheit und ihren Werten habe Dahlmeier viele Menschen berührt und den Verband nachhaltig geprägt. Dies habe sich auch ein Jahr nach ihrem Tod nicht geändert.
Ihre enge Freundin und ehemalige Biathletin Maren Hammerschmidt leidet noch immer unter dem Verlust. „Ich bereue, was ich alles nicht mit ihr gemacht habe. Gespräche, die ich gerne noch geführt hätte, Fragen, die ich noch hatte“, erzählte sie der dpa. Die Trauer komme in Wellen, auch wenn es langsam besser werde. Anfangs konnte sie sich keine gemeinsamen Bilder oder Videos ansehen und sprach kaum über Dahlmeier. „Laura war für mich eine Naturgewalt, die unzerstörbar war. Ich habe immer gedacht, ihr passiert nie irgendwas.“
Letzte Ruhe in den Bergen
Dahlmeiers Leichnam liegt unter Schnee, Eis und Fels am Laila Peak begraben. Eine Bergung war aufgrund der schwierigen Bedingungen unmöglich. Ihre Eltern haben sich damit arrangiert. Vater Andreas sagte bereits vor Monaten: „Laura hätte es so gewollt, in den Bergen ihren Frieden zu finden.“ Mutter Susi ergänzte: „Sie ist dort begraben, wo sie glücklich war und sich frei fühlte – verschmolzen mit den Herzen der Berge.“ Am Jahrestag planen die Eltern ein stilles Gedenken im engsten Familienkreis, ohne öffentlichen Trubel.
Diese Zurückgezogenheit entspricht der Persönlichkeit ihrer Tochter. Dahlmeier stand zwar jahrelang im Rampenlicht, suchte aber stets die Abgeschiedenheit der Berge. Ihre Ausbildung zur Berg- und Skiführerin schloss sie 2023 ab. Auf Instagram listete sie die vielen Teildisziplinen auf: Sportklettern, Bergrettung, Alpinklettern, Lawinenkunde, Skitour, Freeride, Eisklettern, Skimethodik, Skihochtour und Hochtour. Das Eisklettern sei ihr am schwersten gefallen.
Erfolge und Tragödien im Leben einer Ausnahmeathletin
Dahlmeier holte bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang zweimal Gold, obwohl sie kurz zuvor den Tod ihres Freundes Franz-Xaver Mayr beim Eisklettern verkraften musste. Später starb auch ihr Ex-Freund Robert Grasegger bei einem Kletterunfall. Diese Schicksalsschläge begleiteten ihre Karriere.
Insgesamt feierte die Biathletin 20 Weltcupsiege und gewann bei der WM 2017 in Hochfilzen fünf Goldmedaillen und eine Silbermedaille. Mit 13 WM-Medaillen in Folge und fünf Goldmedaillen bei einer einzigen WM stellte sie Rekorde auf. Im Frühjahr 2019 beendete sie ihre Karriere, weil sie keine Motivation mehr verspürte. Sie war zu diesem Zeitpunkt erst 25 Jahre alt. Danach arbeitete sie als Expertin für das ZDF und gewann auch in dieser Rolle viele neue Fans.
Die Berge als Glück und Verhängnis
Die Berge waren für Dahlmeier beides: Quelle der Freude und Ort des Todes. Im August 2014 zog sie sich beim Klettern im Zugspitzmassiv einen Bänderriss und eine Knochenprellung zu. Dennoch wagte sie immer neue Expeditionen, etwa im November 2024, als sie den Himalaya-Gipfel Ama Dablam in Nepal bestieg und einen Geschwindigkeitsrekord aufstellte. Im Juni 2024 hatte sie den Great Trango Tower (6287 Meter) bezwungen. Nach dieser Besteigung postete sie: „Danke, Juni – für eine erstaunliche Zeit in den Bergen mit großartigen Menschen! Auf zu neuen Abenteuern – mit der Heimat immer im Herzen.“
Ihre Heimatgemeinde Garmisch-Partenkirchen ehrte Dahlmeier, indem sie den Kurpark im Frühjahr 2025 in Laura-Dahlmeier-Park umbenannte. Dort steht eine Gedenktafel für die vielen Fans. Vater Andreas sagte, wenn er dorthin gehe, sei er nie allein. Bei der Gedenkfeier im August 2025 waren Musikstücke zu hören, die Dahlmeier selbst ausgesucht hatte, darunter eine Version des Oberreintal-Liedes mit der Zeile „Hei mi leckst am Arsch!“ – ein Ausruf unter Bergsteigern nach bestandener Klettertour. Laura Dahlmeier gelang diese am 28. Juli 2025 am Laila Peak nicht mehr.



