Die Veröffentlichung des siebten Studioalbums der Strokes gleicht einem PR-Debakel: Anstelle einer üblichen Kampagne sorgten Irritationen für Aufsehen. Zunächst gab die Band bekannt, dass Gitarrist Nick Valensi der laufenden Tour fernbleibt – ohne Angabe von Gründen. Er wird durch Steve Schiltz, einen langjährigen Freund, ersetzt. Spekulationen über einen möglichen Gaza-Konflikt zwischen dem Juden Valensi und dem Palästina-Aktivisten Julian Casablancas bleiben unbestätigt.
Autotune als neues Markenzeichen
Die beiden Vorabsingles stießen wegen übermäßigem Autotune-Einsatz auf gemischte Reaktionen, obwohl „Falling Out Of Love“ als gelungen gilt. Das Album „Reality Awaits“ beginnt mit „Psycho Shit“, einem weiteren stark verfremdeten Song. Erst im dritten Track „Lonely In The Future“ gibt es klassische Strokes-Gitarren. Autotune ist gekommen, um zu bleiben.
Produktion und kreative Neuausrichtung
Die Grundlagen entstanden 2022 mit Rick Rubin in Costa Rica. Über Jahre wurde die improvisierte Basis in zahlreichen Studios weltweit verfeinert. Julian Casablancas scheint seine frühere Führungsrolle wieder eingenommen zu haben. Das Album ist von Experimentierfreude und fein ausziselierten Melodien geprägt – es ist kein klassisches Strokes-Album, sondern eines, das Zeit erfordert und ins Unermessliche wächst.
Ein Soundtrack der Überforderung
„Reality Awaits“ ist ein nachdenkliches, von Entfremdung und politischen Tönen durchzogenes Werk. Midtempo-Songs und Balladen dominieren, die ikonischen Gitarren verschmelzen mit elektronischen Klängen. Die Strokes präsentieren sich als vitale kreative Einheit, nicht als reine Touring-Maschine. Die Indie-Rock-Heydays der Nullerjahre sind endgültig vorbei.



