Der neue Film von Olivia Wilde, „The Invite“, startet als temporeiche Screwball-Komödie, entwickelt sich jedoch schnell zu einem nachdenklichen Kammerspiel über offene Beziehungen und gesellschaftliche Tabus. Im Zentrum stehen zwei Paare: die unkonventionellen Hawk und Pina sowie die eher traditionellen Joe und Angela. Die Handlung entfaltet sich an einem Abend, an dem die Nachbarn zu einem Dinner eingeladen werden – und die Gespräche zunehmend intimer werden.
Von Pegging bis BOB: Die Sprache der neuen Intimität
Hawk, gespielt von einem charismatischen Darsteller, wird als „Pleaser“ beschrieben – ein Mann, der kein Problem damit hat, wenn seine Freundin Pina beim „Pegging“ die Initiative ergreift. Der Begriff, der aus der sexuellen Praxis der weiblichen Penetration des Mannes mit einem Dildo stammt, ist in Deutschland noch wenig verbreitet. Noch unbekannter ist das Akronym BOB: „Bend over Boyfriend“. Für Joe (Seth Rogen) und Angela (Olivia Wilde) sind diese Neologismen zunächst verwirrend, doch sie werden mit der Zeit mit unerwarteten Fragen konfrontiert.
Die Dynamik zwischen den Paaren
Während Hawk und Pina ihre Beziehung als offen und experimentierfreudig beschreiben, zeigen Joe und Angela sich eher zurückhaltend. Der Film nutzt diese Gegensätze, um tiefere Konflikte auszuloten: Was bedeutet Treue? Wie viel Freiheit verträgt eine Liebesbeziehung? Und sind Tabus in der Sexualität überhaupt zeitgemäß? Regisseurin Olivia Wilde, die auch als Angela vor der Kamera steht, verwebt diese Fragen geschickt mit humorvollen Dialogen und Momenten der Stille.
Penélope Cruz als Pina: Eine Rolle jenseits von Klischees
Penélope Cruz spielt Pina, die selbstbewusste und offene Partnerin von Hawk. Ihre Figur fordert nicht nur Joe und Angela heraus, sondern auch das Publikum. Cruz gelingt es, zwischen Sinnlichkeit und Verletzlichkeit zu balancieren, ohne in Klischees abzugleiten. Ihre Szenen mit Seth Rogen, der als verunsicherter Joe agiert, gehören zu den stärksten des Films.
Ein Film, der Diskussionen anregt
„The Invite“ ist mehr als eine provokante Komödie. Er wirft Fragen auf, die in der heutigen Gesellschaft oft ausgeklammert werden. Die geschlossene Gesellschaft der beiden Paare wird zur Bühne für ein Beziehungsexperiment, das zeigt: Offene Kommunikation ist der Schlüssel – aber auch der schwierigste Weg. Der Film endet nicht mit einfachen Antworten, sondern lädt ein, über die eigenen Grenzen nachzudenken.



