Nach übereinstimmenden Medienberichten der „Washington Post“ und der „New York Times“ haben die US-Behörden Ermittlungen zu einem groß angelegten Hackerangriff aufgenommen. Mehr als 30 Wasserversorgungssysteme im US-Bundesstaat Minnesota sind den Informationen zufolge Ziel eines koordinierten digitalen Angriffs geworden. Das FBI und die Geheimdienste gehen bei ihren Untersuchungen der Frage nach, ob Hacker mit Verbindungen zum Iran hinter der Aktion stecken.
Die „New York Times“ berichtet unter Berufung auf Ermittler, dass mindestens ein Wasserversorgungssystem vorübergehend ausgefallen sei. Andere betroffene Städte mussten demnach auf Not- oder Ersatzlösungen zurückgreifen. Konkrete Hinweise, dass das Trinkwasser durch den Angriff unsicher geworden ist, gibt es nach aktuellem Ermittlungsstand nicht. Dennoch sorgt der Vorfall in den USA für erhebliche Beunruhigung, weil Wasserversorger zur kritischen Infrastruktur zählen.
FBI und Geheimdienste: Iran als wahrscheinlicher Urheber
US-Geheimdienste halten einen iranischen Ursprung des Angriffs für wahrscheinlich, wie die „Washington Post“ meldet. Auch die „New York Times“ zitierte Ermittler, die eine Beteiligung Teherans für gut möglich halten. Eine offizielle Bestätigung, dass der Iran tatsächlich für die Attacke verantwortlich ist, gibt es bislang allerdings nicht. Die Untersuchungen des FBI stehen erst am Anfang, und die Behörde äußert sich zurückhaltend zu möglichen Tatverdächtigen.
Die Attacke soll sich in dieser Woche ereignet haben und nach Angaben der „New York Times“ weitgehend auf Wasserversorgungssysteme in Minnesota ausgerichtet gewesen sein. Da die Systeme miteinander vernetzt sind, könnten die Angreifer über ein einziges kompromittiertes Netzwerk Zugang zu mehreren Versorgern erlangt haben. Allgemein gelten Wasserversorgungsnetze als besonders anfällig für Cyberangriffe, weil viele Anlagen über Fernzugriff gesteuert werden und die IT-Sicherheit oft nicht dem aktuellen Bedrohungsniveau entspricht.
Trump macht Walz verantwortlich
Für zusätzlichen politischen Zündstoff sorgt die Reaktion von US-Präsident Donald Trump (80). Bei einer Kabinettssitzung widersprach er den Berichten über eine iranische Verantwortung. Stattdessen machte er den Bundesstaat Minnesota und dessen demokratischen Gouverneur Tim Walz (62) für die Vorfälle verantwortlich. „Der Iran hat größere Probleme, als sich mit Minnesota zu beschäftigen“, soll Trump gesagt haben. Er gab damit eine Haltung zu erkennen, die in Washington und unter Cybersicherheitsexperten für Kritik sorgt.
Der Hintergrund ist offensichtlich politisch: Walz war im vergangenen Präsidentschaftswahlkampf als Vizepräsidentschaftskandidat an der Seite von Kamala Harris angetreten und hatte gegen Trump kandidiert. Dass der Präsident einen demokratischen Gouverneur für einen mutmaßlich ausländischen Hackerangriff verantwortlich macht, werten Beobachter als ungewöhnlich und brisant. Die Demokraten warfen Trump umgehend vor, die Bedrohung durch den Iran zu verharmlosen.
Kritische Infrastruktur im Visier von Hackern
Wasserversorgungssysteme gehören zur sogenannten kritischen Infrastruktur eines Landes. Angriffe auf solche Einrichtungen können im Ernstfall große Teile der Bevölkerung treffen – etwa durch Ausfälle, Manipulationen oder Störungen der Versorgung. Sicherheitsexperten weisen seit Jahren darauf hin, dass viele Wasserversorger technisch verwundbar sind, weil sie auf veralteter Software basieren und Fernzugriffsmöglichkeiten oft nur unzureichend geschützt sind.
US-Sicherheitsbehörden warnen bereits seit Monaten vor einer zunehmenden Gefahr durch iranische Hackergruppen. Nach Einschätzung der amerikanischen IT-Sicherheitsbehörde haben Gruppen mit Verbindungen zum Iran wiederholt versucht, in Netzwerke kritischer Einrichtungen einzudringen. Betroffen waren demnach unter anderem der Energiesektor, Regierungsbehörden und weitere wichtige Infrastruktureinrichtungen. Die nun bekannt gewordenen Angriffe auf Wasserwerke in Minnesota würden sich nahtlos in dieses Muster einfügen.
Cyberkrieg als Teil des Nahostkonflikts
Der Vorfall in Minnesota ereignet sich vor dem Hintergrund einer zugespitzten internationalen Lage. Seit Ende Februar führen die USA und Israel gemeinsam Krieg gegen Teheran. Nach Informationen der „Washington Post“ setzt der Iran in diesem Konflikt verstärkt auf Cyberangriffe, um seine konventionellen Fähigkeiten zu ergänzen. Das vom Iran ausgehende Hacking-Netzwerk gilt als eines der aktivsten weltweit und hat in der Vergangenheit immer wieder Ziele in den USA und anderen westlichen Staaten ins Visier genommen.
Inwieweit die Angriffe auf die Wasserversorgung in Minnesota tatsächlich von Teheran gesteuert oder unterstützt wurden, muss nun das FBI klären. Die Behörde dürfte dabei auch auf Kooperation mit internationalen Partnern angewiesen sein, da Cyberangriffe häufig über Server in mehreren Ländern geleitet werden und die Identifizierung der Täter dadurch erschwert wird.
Lage bleibt angespannt
Mindestens ein Wasserversorgungssystem fiel nach US-Medienberichten vorübergehend aus, andere Kommunen aktivierten Notfallpläne. Öffentliche Warnungen vor verunreinigtem Trinkwasser gab es nicht, aber die Behörden haben die Überwachung der Wassernetze verstärkt. Die betroffenen Gemeinden arbeiten nach Angaben von örtlichen Verantwortlichen mit Hochdruck an der Wiederherstellung des Normalbetriebs und an der Analyse der digitalen Einbruchsspuren.
Für die Bevölkerung in Minnesota bedeutet der Vorfall vor allem eine Verunsicherung: Kann das eigene Leitungswasser weiterhin getrunken werden? Sind die Behörden auf solche Angriffe vorbereitet? Die bisherigen Aussagen der Ermittler geben keine Hinweise auf eine akute Gefährdung der Wasserqualität. Dennoch bleibt die Lage angespannt, und die Bundesbehörden haben ihre Cybersicherheitswarnungen für Versorgungsunternehmen erneuert.



