Olympia 2026: Drohnen revolutionieren Sportübertragungen mit spektakulären Nahaufnahmen
Ein leises Sirren schneidet durch die olympische Eisschnelllaufhalle, gefolgt von einem Hauch von Wind. Viele Zuschauer zucken unwillkürlich zusammen, wenn die FPV-Drohne dicht hinter den Athleten durch die Kurve jagt – so nah, dass eine Kollision zwischen Pilot und Sportler fast unvermeidlich erscheint. Doch die Distanz stimmt präzise, und genau dieses kontrollierte Risiko macht die Aufnahmen so beeindruckend und einzigartig.
Erstmals umfangreicher Drohneneinsatz bei Winterspielen
Die Olympischen Winterspiele 2026 markieren das erste Sportgroßereignis dieser Art, bei dem Drohnen in diesem umfangreichen Maßstab zum Einsatz kommen. Hinter den spektakulären Bildern verbirgt sich ein logistisches Meisterwerk der Olympic Broadcast Services (OBS). Insgesamt 15 FPV-Drohnen sind im aktiven Wettkampfbetrieb im Einsatz und liefern Perspektiven, die das Publikum bisher ausschließlich aus Extremsportvideos kannte.
FPV steht für „First Person View“: Die Piloten steuern die Fluggeräte nicht von außen, sondern tragen spezielle Brillen, über die sie das Live-Bild der Drohne in Echtzeit sehen. Dadurch entsteht das Gefühl, als säßen sie selbst im Fluggerät, was extrem dynamische und präzise Flugmanöver ermöglicht.
Neue Dimension der Nähe und Geschwindigkeit
„Es schaut cool aus“, kommentiert Skirennfahrerin Emma Aicher die Verfolgungsbilder ihrer rasanten Abfahrten. Rodler Felix Loch spricht sogar von „ganz anderen Bildern“, die der enge Eiskanal bislang nicht hergegeben hat. Ein Techniker von OBS erklärt mit sichtlichem Stolz: „Die Zuschauer können jetzt zum ersten Mal die Geschwindigkeit direkt hinter dem Athleten spüren.“
Tatsächlich geht es bei diesem innovativen Ansatz nicht nur um spektakuläre Optik, sondern um ein völlig neues Gefühl von Nähe und Unmittelbarkeit. Eurosport, dessen Mutterkonzern Warner Bros. Discovery das Drohnensystem gemeinsam mit OBS präsentiert, bezeichnet die Entwicklung als einen „Meilenstein“ der Sportübertragung.
Herausforderungen und Sicherheitsvorkehrungen
Die Aufnahmen aus dem Sliding Center – hinter Skeleton- oder Rodelathleten, die mit mehr als 120 km/h durch den Eiskanal schießen – verdeutlichen das enorme Potenzial dieser Technologie. Auch in Livigno, wo Snowboarder und Freestyle-Skifahrer über riesige Kicker fliegen, arbeiten die Drohnenteams an ihren technischen Grenzen.
Ein Drohnenpilot berichtet über seine anspruchsvolle Arbeit: „Wenn die Athleten den Sprung machen, versuchen wir, ihnen so tief wie möglich zu folgen, um den Zuschauern am Fernseher den bestmöglichen Blickwinkel zu bieten. Wir wollen den Wettbewerb nicht stören, das gewährleisten wir durch einen Mindestabstand von zehn Metern.“
In der Eisschnelllaufhalle gelten sogar noch strengere Regularien, und dennoch wirken die Drohnen dort fast noch schneller und agiler. „Mit der FPV-Drohne ist man rasend schnell“, bestätigt ein OBS-Pilot. Für die Athleten selbst bleibt das charakteristische Surren der Fluggeräte meist unbemerkt. Eisschnellläufer Felix Maly erklärt: „Die Halle ist so laut, viel lauter als die Drohne.“
Sicherheit steht an erster Stelle
Trotz aller Begeisterung gibt es natürlich Sicherheitsbedenken – besonders seit jenem Vorfall mit einer großen TV-Drohne, die 2015 bei einem Weltcuplauf knapp neben Marcel Hirscher zu Boden stürzte. Bei Olympia 2026 wiegen die eingesetzten Fluggeräte jedoch lediglich 250 Gramm. Die Organisatoren betonen nachdrücklich, dass von ihnen keine ernsthafte Gefahr ausgeht.
Zudem unterliegen die Drohnen strengen Flugregeln: Sie dürfen niemals über oder vor Athleten fliegen, sondern ausschließlich hinter ihnen her. Diese Vorschriften gewährleisten maximale Sicherheit für alle Beteiligten.
Zukunftsvisionen und weitere Entwicklungen
Bereits jetzt gibt es konkrete Wünsche für die nächste Ausbaustufe dieser revolutionären Technologie. Rodler Max Langenhan sagt mit einem Augenzwinkern: „Die Drohnen müssten viel näher ran. Ich müsste die Drohne hinten im Helm hören, dann wären die Aufnahmen wirklich perfekt.“ Ganz so nah wird es dann aber doch nicht kommen – die Sicherheitsvorgaben bleiben unverändert prioritär.
Ob im Eiskanal, in den Snowboard-Parks oder in den Abfahrtshängen von Cortina: Das Fernseherlebnis bei diesen Olympischen Spielen präsentiert sich grundlegend verändert. Näher, schneller und unmittelbarer als je zuvor. Manchmal, wenn die Drohne pfeilschnell hinter einem Athleten durch die Kurve schießt, entsteht tatsächlich das Gefühl, selbst mitten im Rennen zu sein – mit einem surrenden Schatten im Nacken, der eine neue Ära der Sportberichterstattung einläutet.



