Münchner Drohnen-Start-up Tytan rüstet mit 30 Millionen Euro auf
Das Münchner Unternehmen Tytan Technologies hat eine bedeutende Finanzierungsrunde in Höhe von 30 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird diese vom Nato Innovation Fund und dem Münchner Risikokapitalfonds Armira. Das Start-up, das sich auf die Abwehr unbemannter Fluggeräte spezialisiert hat, plant mit dem frischen Kapital den Ausbau zur Serienfertigung und die Erweiterung seines Waffenportfolios.
Europäische Unabhängigkeit als strategisches Ziel
Die Gründer Balazs Nagy und Batuhan Yumurtaci betonen die ausschließliche Finanzierung durch europäische Investoren. "Wir brauchen nicht nur ein 'buy european', sondern auch ein 'invest european'", erklärt Nagy. Diese Haltung unterstreicht das Bestreben, unabhängig von US-Investoren zu bleiben und eine souveräne, KI-gestützte Luftverteidigungsarchitektur in Europa zu etablieren. Die Bewertung des Unternehmens liegt nach dieser Finanzierungsrunde bei über 100 Millionen Euro.
Produktionsausbau und neue Kooperationen
Im Norden Münchens baut Tytan derzeit eine Serienproduktion auf, die bis Jahresende bis zu 3000 Drohnen pro Jahr fertigen soll. Die Mitarbeiterzahl soll von etwa 80 auf rund 150 steigen. Zudem hat das Unternehmen eine Kooperation mit dem Motorenhersteller Deutz geschlossen, der Antriebslösungen liefern und Zusatzkapazitäten bereitstellen wird. Weitere Partnerschaften bestehen mit etablierten Rüstungsfirmen wie KNDS und Hensoldt.
Aufträge von Bundeswehr und ukrainischer Armee
Bereits im vergangenen Herbst erhielt Tytan vom Beschaffungsamt der Bundeswehr einen Auftrag zur Entwicklung einer Drohnenabwehrlösung für Bundeswehrliegenschaften, der bis 2027 läuft und einen niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag umfasst. Mitte des Jahres soll ein erster Demonstrator vorgestellt werden. Zudem hat das Start-up nun erstmals einen größeren Auftrag von der ukrainischen Armee erhalten, nachdem es seine bodengestützten Drohnen zuvor bereits in der Ukraine getestet und weiterentwickelt hatte.
Innovative Abwehrsysteme gegen moderne Bedrohungen
Tytan entwickelt neben kleineren kinetischen Systemen, sogenannten "Mini Rammdrohnen", auch größere, schnellere und gegebenenfalls raketenangetriebene Systeme. Diese sollen speziell vor Gleitbomben und Kamikaze-Drohnen schützen, die auch als "herumlungernde Munition" bezeichnet werden. Die Flugabwehr gilt als eine der größten Lücken in der deutschen und europäischen Verteidigungsfähigkeit, da etablierte Systeme oft unverhältnismäßig teuer für die Abwehr massenhaft produzierter Drohnen sind.
Wettbewerb im wachsenden Markt
Nicht nur Tytan profitiert von der gestiegenen Nachfrage nach Drohnenabwehrsystemen. Auch das Start-up Frankenburg Technologies mit Hauptsitz in Tallinn und einer Niederlassung in München gab bekannt, zusätzlich 30 Millionen Euro von Investoren erhalten zu haben. Frankenburg entwickelt kleine Lenkflugkörper zur Abwehr niedrig fliegender Drohnen, wie sie beispielsweise von Russland eingesetzt werden.



