One-Pedal-Drive: E-Autos gefährlicher für Fußgänger?
One-Pedal-Drive: Gefahr für Fußgänger?

Eine neue Analyse der Unfallforschung der Versicherer (UDV) deckt ein überraschendes Sicherheitsrisiko von Elektroautos auf. Obwohl E-Autos grundsätzlich nicht unsicherer als Verbrenner sind, zeigen sich bei bestimmten Fahrmanövern gehäufte Unfälle mit Fußgängern. Die Experten identifizierten ein wiederkehrendes Muster: Besonders beim Anfahren, Rückwärtsrangieren und Abbiegen in der Dämmerung oder Dunkelheit kommt es zu Kollisionen. Als auffällig erwies sich die Häufung von E-Autos mit dem sogenannten One-Pedal-Drive in der Unfallstatistik.

Wie funktioniert One-Pedal-Drive?

Bei aktiviertem One-Pedal-Drive wird anstelle der mechanischen Bremse eine starke Rekuperation genutzt: Ein Generator wandelt Bewegungsenergie in Strom um, der in die Batterie zurückfließt. Das Fahrzeug verzögert dabei so stark, dass die normale Bremse oft überflüssig wird. Stattdessen steuert der Fahrer die Verzögerung allein über das Fahrpedal – leichtes Anheben des Fußes genügt, um das Auto per Rekuperation abzubremsen.

Pedalverwechslung als Unfallursache

Die UDV-Forscher vermuten, dass in Notsituationen, die schnelles Bremsen erfordern, manche Fahrer das Fahrpedal mit dem Bremspedal verwechseln. Anstatt den rechten Fuß vom Gas zu nehmen, treten sie instinktiv auf das Pedal – so, wie sie auf die Bremse treten würden. Die Folge: Das Auto beschleunigt statt zu bremsen, was zu einem Zusammenstoß führt. „Die Studie legt nahe, dass die Gewöhnung an diese Fahrweise in Notsituationen eine Pedalverwechslung begünstigen kann“, erklärt UDV-Leiterin Kirstin Zeidler. Das Alter der Unfallfahrer stützt diese These: In der Analyse war knapp jeder zweite Unfallfahrer älter als 75 Jahre.

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Zu leise E-Autos?

Ein weiteres Problem ist die mangelnde akustische Wahrnehmbarkeit von E-Autos bei niedrigen Geschwindigkeiten. „Unsere Untersuchung bestätigt Hinweise darauf, dass Fußgängerinnen und Fußgänger E-Autos in solchen Situationen schlechter wahrnehmen“, so Zeidler. Unterhalb von etwa 30 km/h sind Elektroautos nahezu geräuschlos. Zwar schreibt die EU seit dem 1. Juli 2019 ein künstliches Fahrgeräusch vor – das „Acoustic Vehicle Alerting System“ (AVAS) – doch die aktuellen Systeme scheinen nicht ausreichend. „Die künstlichen Fahrgeräusche sind womöglich nicht hörbar genug oder lassen sich noch nicht eindeutig einem Pkw zuordnen“, kritisiert die UDV-Leiterin.

Weitere Untersuchungen angekündigt

Die Unfallforscher planen, diese speziellen Crashmuster weiter zu untersuchen. Trotz der Ergebnisse betont die UDV, dass Elektroautos im Allgemeinen nicht unsicherer oder gefährlicher als andere Fahrzeuge seien. Für die Studie analysierten die Wissenschaftler knapp 500 schwere Unfälle aus der Unfalldatenbank der Versicherer. Dabei verglichen sie Elektroautos mit baugleichen Verbrennern verschiedener Fahrzeugklassen – von Minis bis zur Oberklasse.

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