Erste autonome Level-4-Fahrt in Berlin: Robotaxi macht Führerschein
Autonome Level-4-Fahrt in Berlin: Robotaxi-Prüfung

In China und den USA sind selbstfahrende Autos in Großstädten bereits Alltag. Doch auch in Deutschland macht die Technologie Fortschritte. AUTO BILD war an Bord, als das autonome Fahrzeug namens Edgar erstmals durch Berlin fuhr, um seinen „Führerschein“ zu machen. Edgar ist kein Mensch, sondern ein hochgerüsteter VW Multivan mit intelligenter Technik. Mithilfe von Sensoren findet der Wagen selbstständig seinen Weg durch den stressigen Innenstadtverkehr. Prüfer des TÜV überwachen dabei, ob das autonome Auto alle Verkehrsregeln einhält.

Kameras, Radar- und Lidar-Sensoren

Edgar steht für „Excellence Driving Garching“ und wurde von der Technischen Universität München am Standort Garching entwickelt. Seine Umgebung nimmt das Fahrzeug durch Kameras, Radar- und Lidar-Sensoren wahr. Lidar bezeichnet eine lasergestützte Entfernungsmessung. Ein Sicherheitsfahrer ist am Steuer vorgeschrieben, der jederzeit eingreifen kann. Frank Schneider vom TÜV-Verband erklärte: „Wir betreten hier echtes Neuland. Deutschland hat als erstes Land der Welt die Basis für die Regulierung von Level-4-Fahrzeugen geschaffen.“

Ab Level 4 trägt der Halter die Verantwortung

Beim autonomen Fahren wird die Verantwortung zwischen Fahrer und Auto in verschiedene Stufen unterteilt. Level 2 („teilautomatisiertes Fahren“) beherrschen bereits viele aktuelle Fahrzeugmodelle. Der Fahrer kann etwa einen aktiven Tempomaten mit Lenkunterstützung nutzen. Das Auto fährt quasi selbst, der Fahrer muss jedoch jederzeit das Verkehrsgeschehen überwachen und bereit sein einzugreifen. Bei Level 3 („hochautomatisiertes Fahren“) agiert das Auto selbstständiger; der Fahrer darf E-Mails lesen, muss aber bei einer Warnung die Kontrolle übernehmen. In Deutschland ist dies derzeit nur bei einigen Luxusfahrzeugen möglich. Ab Level 4 („vollautomatisiertes Fahren“) wird der Fahrer zum Passagier und kann sogar schlafen. Das Auto fährt in einem definierten Bereich vollkommen eigenständig, und der Halter haftet für Unfälle durch sein Fahrzeug.

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„Erprobung ist das A und O“

Dies bringt eine große Verantwortung mit sich. Europa geht daher einen eigenen Weg, im Unterschied zu den USA und China. „Sicherheit geht bei uns vor Schnelligkeit. Die Erprobung ist das A und O, um sichere Fahrzeuge auf die Straße zu bringen. In Asien und Amerika geschieht dies am lebenden Körper“, warnte TÜV-Experte Schneider. Um in Deutschland eine Level-4-Zulassung zu erhalten, sind zwei Schritte nötig: zunächst die Typgenehmigung, bei der geprüft wird, ob das Fahrzeug die grundlegenden Anforderungen für autonomes Fahren erfüllt. Der zweite Schritt ist die Betriebsbereichsgenehmigung. Hierfür muss das Auto in dem Gebiet, in dem es autonom fahren soll, sein Können unter Beweis stellen. Genau hier setzt die Testfahrt mit Edgar an. Schneider erläuterte: „Wir haben ein Konzept entwickelt, wie der Nachweis geführt werden kann, dass das Fahrzeug im beantragten Betriebsbereich sicher unterwegs ist.“

Die Grundlage für die Bewertung hat sich bereits seit Jahrzehnten bewährt: die praktische Führerscheinprüfung. Wie ein Mensch müsse das Auto „die erforderlichen Fahraufgaben bewältigen“, so Schneider. Wie bei der Fahrprüfung sitzen die TÜV-Prüfer im Auto und achten auf Fahrfehler.

Bisher noch kein Antrag für Level 4

„Beim menschlichen Fahrer werden bestimmte Schwächen während der Fahrprüfung akzeptiert. Eine Note 4 reicht aus, um den Führerschein zu erhalten. Das Auto muss von Anfang an 'sehr gut' sein“, sagte Schneider. Nach den Prüffahrten erstellt die Prüforganisation ein Bewertungsprotokoll. Das zuständige Bundesland prüft und erteilt im besten Fall die Betriebsbereichsgenehmigung. Damit wäre der Weg für selbstfahrende Autos frei – allerdings bisher nur theoretisch. Der TÜV-Experte erklärte: „Seit 2021 haben wir die rechtlichen Rahmenbedingungen. Bislang ist jedoch noch kein Antrag für Level 4 eingegangen. Ich hoffe 2027 auf die ersten Bewerber.“

Die Berliner Realfahrten waren die ersten Prüfungsfahrten eines Fahrzeugs unter Level-4-Bedingungen in Deutschland. Am Ende hat Edgar die 5,5 Kilometer lange Route durch das Berliner Zentrum dreimal erfolgreich bewältigt. Noch wichtiger: Die Prüfmethode konnte ihre Tauglichkeit unter Beweis stellen. Ein weiterer Schritt für Robotaxis in Deutschland!

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