Autonomes Fahren in Berlin: TÜV-Test auf Level 4 erfolgreich
Autonomes Fahren in Berlin: TÜV-Test erfolgreich

Testfahrt eines autonomen Minivans in Berlin

Ein autonomer Minivan hat in Berlin erfolgreich Testfahrten absolviert. Das Fahrzeug namens Edgar, ein Forschungsfahrzeug der Technischen Universität München, legte dreimal eine rund fünf Kilometer lange Strecke zurück – vom Bundesverkehrsministerium zum Kulturzentrum Radialsystem in Friedrichshain. Dabei musste kein Fahrer eingreifen. Der TÜV-Verband überwachte die Prüfungsfahrten und bescheinigte dem Fahrzeug, dass es den Großstadtverkehr sicher und zuverlässig bewältigen kann. Allerdings seien Störungen nicht ausgeschlossen.

Politischer Wille für schnelle Einführung

Berlins Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) sprach von einem „Gamechanger“ und forderte einen möglichst schnellen Einsatz solcher Fahrzeuge im normalen Verkehr. „Wir sprechen jetzt nicht von einer langfristigen Perspektive, sondern von einer kurzfristigen“, sagte sie. Einen konkreten Zeitplan gibt es jedoch noch nicht. Bislang wird autonomes Fahren in Deutschland vor allem in Modellprojekten getestet. Die Genehmigungsverfahren und technischen Anforderungen gelten als komplex.

Was bedeutet autonomes Fahren auf Level 4?

Level 4 bezeichnet Fahrzeuge, die in festgelegten Gebieten unter bestimmten Bedingungen autonom fahren können – also ohne Eingreifen eines Fahrers. In Deutschland ist noch kein Level-4-Fahrzeug für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen, rechtlich ist es aber möglich. Zum Vergleich: Assistenten auf Level 2, wie Spurhalte- oder Überholassistenten, sind bereits Realität.

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Zeitplan und erste Einsatzbereiche

Laut Ricco Kämpfer, Experte für autonomes Fahren bei der Beratungsfirma P3, ist der Einsatz von Level-4-Fahrzeugen im echten Straßenverkehr realistisch. Allerdings seien die USA und China mit kommerziellen Flotten deutlich weiter. Für erste reguläre Angebote in Deutschland, etwa im öffentlichen Verkehr oder bei Shuttle-Flotten, nennt er einen Zeithorizont von 2028 bis 2032. Zunächst dürften sich die Einsätze auf kleinere Quartiere und eingeschränkte Strecken konzentrieren, vor allem im ÖPNV. In München planen Uber und Autobrains Robtaxis, während die VW-Tochter Moia und die BVG autonome Shuttles in Berlin testen wollen.

Bewertung des TÜV-Tests

TÜV-Präsident Dirk Stenkamp sagte: „Die Berliner Realfahrt zeigt, dass autonomes Fahren auch im komplexen Stadtverkehr technisch möglich ist.“ Die Prüfungsfahrten seien die Voraussetzung für eine Betriebsbereichsgenehmigung. Die TÜV-Prüfer testeten erstmals eine Methode zur sicheren Bewertung des Fahrzeugverhaltens. Künftig sollen Genehmigungen „quasi in Serie“ erteilt werden können.

Auswirkungen auf den Nahverkehr

Verkehrssenatorin Bonde sieht in der Technologie eine Revolution für den öffentlichen Nahverkehr. Autonome Fahrzeuge könnten den Umstieg vom eigenen Auto auf Ruf-Fahrzeuge erleichtern. Angesichts demografischer Probleme und Personalmangels sei autonomes Fahren entscheidend für die Zukunft des ÖPNV. Experte Kämpfer ergänzte: „Kommunen und Verkehrsunternehmen wollen das autonome Fahren. Es fehlen aber noch die finanziellen Mittel für signifikante Flotten.“

Sicherheit autonomer Fahrzeuge

Forscher Nijinshan Karunainayagam von der TU München betonte: „So ein Auto ist in der Regel sicherer als der Mensch, weil er auch schon viel mehr sieht.“ Staus seien in der Regel kein Problem, da das Fahrzeug Objekte robust erkenne und im Stop-and-Go-Verkehr mitfahre. Baustellen könnten jedoch eine Herausforderung darstellen. Problematisch werde es bei aggressiven Fahrern: „Wenn andere Verkehrsteilnehmer offensiver fahren, sich nicht an die Regeln halten, dann fährt so ein Fahrzeug vorsichtiger und bremst mehr.“

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