Bürokratie bremst deutschen Supercomputer Jupiter aus
Bürokratie bremst deutschen Supercomputer Jupiter aus

Der Supercomputer „Jupiter“ in Jülich, Europas schnellster Rechner, sollte Deutschland und Europa im Wettlauf um Künstliche Intelligenz (KI) nach vorne bringen. Doch bürokratische Hürden und technische Anlaufschwierigkeiten bremsen das Projekt aus. Unternehmen wie das Kölner KI-Unternehmen DeepL konnten die Rechenleistung monatelang nicht nutzen.

Verzögerungen beim Zugang für Unternehmen

Bundeskanzler Friedrich Merz weihte Jupiter im September 2025 ein, begleitet von Digitalminister Karsten Wildberger und Forschungsministerin Dorothee Bär. DeepL-Chef Jarek Kutylowski war vor Ort und betonte den enormen Bedarf: „Alles ist überbucht. Projekte wie Jupiter ermöglichen uns die nächsten Schritte.“ Doch nach Informationen des Handelsblatts waren Unternehmen wie DeepL in den ersten Monaten nicht in der Lage, die Kapazitäten zu nutzen. Grund waren langwierige Vergabe- und Genehmigungsverfahren. „Die Genehmigungsverfahren haben sich in die Länge gezogen“, heißt es in der Branche. „Die Politik hat lange Zeit kein grünes Licht für den privatwirtschaftlichen Betrieb gegeben.“

Wettbewerbsdruck wächst

Neun Monate nach der Einweihung ist Jupiter vom vierten auf den fünften Platz der schnellsten Rechner der Welt gerutscht. Der KI-Wettbewerb hat sich verschärft: OpenAI und Anthropic stehen vor Rekordbörsengängen, chinesische Modelle dominieren Open-Source-Ranglisten, und Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft planen 2026 Investitionen von bis zu 725 Milliarden Dollar in Rechenzentren. Thomas Lippert, Leiter des Hochleistungszentrums Jülich, ist überzeugt: „Mit Jupiters Kapazitäten sind europäische Unternehmen wie Mistral, DeepL oder Aleph Alpha in der Lage, binnen drei Monaten ein großes Sprachmodell zu entwickeln.“ Er fordert: „Europa braucht ein offenes Modell, weil es einen großen Beitrag zur Souveränität leisten würde.“

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Bürokratische und rechtliche Hürden

Die Hälfte der Mittel für Jupiter stammt von der europäischen Initiative EuroHPC, die andere Hälfte vom Bundesforschungsministerium und dem nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerium über das Gauss Centre for Supercomputing (GCS). Diese komplexe Finanzierungsstruktur erschwert die Kostenübernahme. Ein Insider erklärt: „Das Training eines Basismodells kann schnell einen hohen sechsstelligen Betrag verschlingen. Bei der komplexen Finanzierungsstruktur muss vorab geklärt sein, wer diese Ausgaben trägt.“ Das Bundesforschungsministerium betont, Jupiter werde „primär für wissenschaftliche und vorkommerzielle Anwendungen eingesetzt“. Unternehmen dürfen laut europäischem Beihilferecht maximal 20 Prozent der jährlichen Rechenzeit kommerziell nutzen. Joachim Köhler, Mitglied des Jülich AI Factory (JAIF)-Konsortiums, sagt: „Bisher trainieren wir noch keine Basismodelle auf Jupiter. Rechenkapazitäten werden in der Regel über ein wissenschaftliches Antragsverfahren und im Wettbewerb vergeben.“

Technische Probleme und Fachkräftemangel

Neben der Bürokratie gibt es technische Herausforderungen. Das GCS räumt ein: „Bei derart komplexen Systemen wie dem Supercomputer mit 24.000 Superchips (GPU) bleiben Anlaufprobleme nicht aus.“ Jupiter wurde in Rekordzeit im Containerverfahren erstellt, nun erfolgt die Abnahme. Stromversorgung, Kühlung und Prozessoren müssen sich einspielen. Zudem mangelt es an Fachkräften: „In Deutschland gibt es kaum GPU-Experten“, so ein Insider. Das GCS teilt mit: „Wir stehen kurz vor der endgültigen Abnahme. Voraussichtlich ist es in sechs Wochen so weit.“

Wissenschaftliche Erfolge und erste Nutzung

Trotz der Probleme zeigt Jupiter bereits wissenschaftliche Erfolge. Forscher in Jülich gewannen Ende 2025 einen Preis für ein Klimamodell, das die Welt in kilometergenaue Waben unterteilt. Das finnische Start-up Tilde erhielt Rechenzeit über das EU-Programm „Early Access“, nicht über Deutschland. DeepL hingegen hat im Mai eine Partnerschaft mit Amazon bekannt gegeben und will künftig die Recheninfrastruktur des US-Konzerns nutzen. Auf Anfrage des Handelsblatts wollte DeepL nicht sagen, ob es auch Kapazitäten aus Jülich nutzt.

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