Ex-Bahn-Digitalvorständin Gerd tom Markotten startet am Hasso-Plattner-Institut
Ex-Bahn-Vorständin startet am Hasso-Plattner-Institut

Daniela Gerd tom Markotten, die ehemalige Digitalvorständin der Deutschen Bahn, tritt zum August eine neue Position als Geschäftsführerin am Hasso-Plattner-Institut für Digital Engineering und Informatik (HPI) in Potsdam an. Die 51-Jährige wird dort für Partnerschaften und Transfer verantwortlich sein und gemeinsam mit Tobias Friedrich und Henrik Haenecke das Führungsteam des IT-Instituts bilden.

Wechsel vom Konzern zur Wissenschaft

„Ich habe mich bewusst für das Hasso-Plattner-Institut und gegen eine weitere Konzernfunktion entschieden, denn am HPI gibt es einen starken Unternehmergeist mit großen Gestaltungsmöglichkeiten“, sagte Gerd tom Markotten dem Handelsblatt. In ihrer neuen Rolle soll sie die Zusammenarbeit mit akademischen Einrichtungen, Industrieunternehmen, Start-ups, Verbänden und dem öffentlichen Sektor vorantreiben sowie den Transfer von Know-how und Technologien aus der Wissenschaft in die Wirtschaft fördern.

„Wir haben in Deutschland exzellente Lehre und Forschung, und wir sind innovativ. Aber wir müssen bei der Skalierung besser werden“, betonte Gerd tom Markotten. Ihr Ziel ist es, die Abhängigkeiten Europas bei Technologien und Künstlicher Intelligenz (KI) zu verringern. „Europäische Souveränität ist wichtiger denn je“, fügte sie hinzu.

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Hasso-Plattner-Institut im Aufbau

Das HPI wurde 1998 als Public-Private-Partnership zwischen der Stiftung des SAP-Mitgründers Hasso Plattner und dem Land Brandenburg gegründet. Derzeit beschäftigt das Institut 32 Professorinnen und Professoren, 268 wissenschaftliche Mitarbeitende und 831 Studierende. Vor gut einem Jahr kündigte Plattner an, das Institut erheblich zu erweitern und zu einem „europaweit führenden Institut für digitale Wissenschaften“ auszubauen. Ziel sei es, „international führende Forschung und Lehre“ sowie Kooperationen mit Fokus auf Künstliche Intelligenz zu ermöglichen.

Karriereweg der Wirtschaftsingenieurin

Gerd tom Markotten, promovierte Wirtschaftsingenieurin, bringt rund zwei Jahrzehnte Managementerfahrung mit Schwerpunkt auf digitaler Transformation mit. Ihre Karriere begann sie 2003 als Trainee bei Daimler, wo sie später Softwareentwicklung und Fahrzeugtelematik verantwortete und zur Chefin der Fleet Board GmbH sowie des Digitalbereichs der Nutzfahrzeugsparte aufstieg. Anschließend leitete sie die Moovel-Gruppe, eine Plattform für digitale Mobilitätslösungen, und schließlich den gebündelten Mobilitätsdienst von Daimler und BMW.

Doch die Investitionen der beiden Konzerne entsprachen nicht ihren Vorstellungen. Sie verließ das Unternehmen und gründete 2020 mitten in der Coronapandemie das Deep-Tech-Start-up Iuhhoo, das KI- und AR-basierte Software für Videoanrufe zur Fernwartung entwickelte.

Station bei der Deutschen Bahn

2021 wurde sie Vorständin für Digitalisierung und Technik bei der Deutschen Bahn. Als Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder im September 2025 ein Bahnreform-Papier vorlegte, das die Ressorts Infrastruktur sowie Digitalisierung und Technik auflöste, verließ Gerd tom Markotten gemeinsam mit Infrastruktur-Vorstand Berthold Huber zum Jahresende den Staatskonzern. Persönlich sei sie „absolut im Reinen“ mit ihrem Ausscheiden, sagte sie im Dezember dem Fachmagazin Eurailpress – „auch wenn ich natürlich gerne noch geblieben wäre“.

Neue Perspektiven am HPI

Am Hasso-Plattner-Institut bietet sich Gerd tom Markotten nun die Gelegenheit, das fortzusetzen, was sich nach ihren eigenen Worten durch ihre ganze Karriere zieht: „Technologie aus der Entwicklung in die Anwendung zu bringen“. Dieses Mal nicht im Konzern, sondern an der „Schnittstelle von Forschung, Industrie und Gesellschaft“, wie es in einer Mitteilung des HPI heißt. Ein bisschen Konzernkarriere bleibt jedoch: Seit 2023 ist Gerd tom Markotten Aufsichtsrätin beim Dax-Konzern Vonovia.

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