Seit wenigen Tagen fahren die Züge der Deutschen Bahn zwischen Hamburg und Berlin wieder planmäßig. Die Strecke wurde monatelang generalsaniert. Eigentlich sollte dabei auch die Voraussetzung für schnelleres Internet in den Zügen geschaffen werden. Geplant war ein stabiles 5G-Netz auf der gesamten Route. Doch wie die „Bild“-Zeitung berichtet, gibt es offenbar erhebliche Unstimmigkeiten zwischen der Deutschen Bahn und den Netzbetreibern.
Innovationsstrecke sollte lückenloses Netz bringen
Bereits im Herbst 2024 wurde auf einem Digitalgipfel der Bundesregierung vereinbart, dass zwischen Hamburg und Berlin eine „Innovationsstrecke“ entstehen soll. Eine Absichtserklärung der Deutschen Bahn und der vier großen Netzbetreiber Telekom, Vodafone, 1&1 und Telefónica/O2 sah vor, dass Fahrgäste während der gesamten Fahrt in bester Qualität surfen und telefonieren können. Die Bundesregierung unterstützte das Vorhaben und betonte, dass dies nur in einer gemeinsamen Kraftanstrengung zu bewältigen sei.
5G-Ausbau stockt – Bahn schließt Netzbetreiber aus?
Doch aus dem 5G-Plan ist bisher nichts geworden. Ein Digitalexperte wird von „Bild“ mit den Worten zitiert: „Es war blauäugig, eine solche Erwartungshaltung aufzubauen.“ Auf der 280 Kilometer langen Strecke wurden zwar rund 300 Masten errichtet, dazu Glasfaser- und Stromleitungen verlegt. Diese dienen jedoch ausschließlich dem Zugfunk „FRMCS“, der bis 2035 zum weltweiten Standard werden soll. Drei unabhängige Quellen bestätigten der Zeitung, dass die Deutsche Bahn die Sanierung ohne Einbeziehung der Netzbetreiber durchgeführt habe. Ursprünglich war geplant, dass die Anbieter die Anlagen mitnutzen dürfen, um ihr 5G-Netz auszubauen.
Aus dem Umfeld der Bahn heißt es, dass die Anlagen am Gleis die unternehmenseigenen Standards erfüllen müssten. Die Netzbetreiber können damit offenbar nicht arbeiten. Sie benötigen für ihr 5G-Netz mehr Glasfaserleitungen als die Bahn. Zudem spielt die genaue Position der Masten eine Rolle, damit Signale auch bei Tempo 300 in den Zug gelangen – Oberleitungen und Bäume dürfen nicht stören. Die Deutsche Bahn betont hingegen, alles nach Vereinbarung umgesetzt zu haben.
Streit im Mai 2026 – Netzbetreiber denken über eigene Masten nach
Nach Informationen der „Bild“ soll es im Mai 2026 zu einer Auseinandersetzung der Projektpartner gekommen sein. In Kreisen der Netzbetreiber ist man sich sicher, dass das 5G-Netz für die Deutsche Bahn keine Priorität habe. Der Staatskonzern erklärte jedoch, im Projekt „5G am Gleis“ im vereinbarten Zeitplan zu sein. Aus den Ministerien für Verkehr und Digitales heißt es, es gebe noch technischen Klärungsbedarf zwischen den Partnern. Die Telekom bestätigt, dass „derzeit noch viele Fragen offen“ seien und die Vorstellungen zur 5G-Versorgung weit auseinanderlägen.
Die Netzbetreiber erwägen nun, auf eigene Faust zusätzliche Funkmasten zu bauen. Eine mit der Materie vertraute Person betonte, dies sei einfacher als mit der Deutschen Bahn zu verhandeln.



