Berlin – Nach schweren Ausschreitungen beim Heimspiel von Hertha BSC im Januar fahndet die Polizei nun öffentlich nach 18 mutmaßlichen Chaoten. Dabei kommt erstmals Künstliche Intelligenz (KI) zur Gesichtserkennung zum Einsatz. Die Ermittler haben nach Informationen dieser Redaktion über 600 Stunden Videomaterial ausgewertet.
KI-Gesichtserkennung als Ermittlungshilfe
In einem internen Polizeidokument heißt es: „Im Rahmen der Ermittlungen kamen zudem KI-gestützte Gesichtserkennungsverfahren des Bundeskriminalamts (BKA) als ergänzende Ermittlungsunterstützung zum Einsatz.“ Trotz der Technologie konnten noch nicht alle Videosequenzen vollständig gesichtet werden.
Hunderte Stunden Material analysiert
Grundlage der Ermittlungen sind „umfangreiche polizeiliche Beweissicherungsmaßnahmen, Videoaufzeichnungen der Polizei Berlin, stadioneigene Kamerasysteme sowie weitere digitale Auswertungen“. Zudem wurden zahlreiche Bild- und Videosequenzen durch die Direktion Einsatz und das Landeskriminalamt (LKA) ausgewertet und einzelnen Tatverdächtigen zugeordnet.
Seit Januar konnten durch das LKA „bereits zahlreiche tatverdächtige Personen identifiziert und entsprechenden Einzelverfahren zugeordnet werden“. Die Auswertung weiterer Videos läuft noch.
61 Tatverdächtige – 38 bereits identifiziert
Die Ermittlungen richten sich sowohl gegen bereits identifizierte Tatverdächtige als auch gegen unbekannte Personen. Insgesamt gelten 61 Personen als tatverdächtig für die Randale vom 17. Januar im Olympiastadion. 29 von ihnen sind bereits identifiziert. Nach einer richterlichen Anordnung läuft seit Mittwoch eine Öffentlichkeitsfahndung nach 18 Personen, zu denen eine „ausreichende Bildqualität“ vorliegt. Bis zum Abend konnten neun dieser 18 Tatverdächtigen identifiziert werden.
Aus dem internen Polizeidokument geht hervor, wie sich die Lage aus Sicht der Behörde entwickelte: „Nach derzeitigem Ermittlungsstand sammelte sich im Bereich der Zugänge und Umläufe zur Ostkurve eine größere Personengruppe aus dem Heimfanumfeld. Im weiteren Verlauf trat ein erheblicher Teil dieser Personen vermummt auf und verhielt sich aggressiv gegenüber den eingesetzten Polizeikräften.“
Becher und Fahnenstangen flogen auf Polizisten
Zahlreiche Gegenstände – darunter Becher und Fahnenstangen – wurden in Richtung der Hundertschaften geworfen. Zudem kam es zu körperlichen Angriffen auf Polizeibeamte. Die Situation „entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit zu einer dynamischen und gewalttätigen Lage im Bereich des Zugangs und der angrenzenden Umläufe der Ostkurve. Die eingesetzten Kräfte mussten wiederholt Angriffe abwehren sowie ein weiteres Vordringen der aggressiven Personengruppen verhindern“, so die interne Beschreibung.
21 Beamte verletzt
Insgesamt wurden 21 Polizeibeamte verletzt, die jedoch im Dienst verbleiben konnten. Die Ermittlungen werden beim LKA wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs, darunter auch Fälle des besonders schweren Landfriedensbruchs, sowie weiterer damit zusammenhängender Straftaten geführt.



