Fast die Hälfte aller Studierenden in Deutschland nutzt Künstliche Intelligenz (KI) wie ChatGPT täglich für das Studium. Das zeigt eine aktuelle Befragung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) im Rahmen des Hochschulrankings. Demnach setzen vier von fünf Studierenden mindestens einmal pro Woche KI-Tools ein, 47 Prozent sogar täglich. Nur noch 2,4 Prozent geben an, KI nie zu verwenden.
KI-Nutzung verdoppelt sich im Jahresvergleich
Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der tägliche KI-Einsatz fast verdoppelt: Damals lag der Anteil bei 24,9 Prozent. Die aktuelle Erhebung befragte über 28.000 Studierende der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften sowie der Sozialen Arbeit im Wintersemester 2025/26. Zwar wurden im Vorjahr andere Fachrichtungen (Ingenieurwissenschaften, Psychologie, Sprachwissenschaften) befragt, doch die Autoren sehen eine „wachsende Offenheit“ für KI. Der Anteil derer, die KI nie nutzen, sank von 6,1 auf 2,4 Prozent.
Studierende wünschen sich mehr KI-Kompetenzvermittlung
Trotz der hohen Nutzung bewerten die Studierenden die Vermittlung von KI-Kompetenzen an ihren Hochschulen nur als mäßig. Über die Hälfte wünscht sich zusätzliche Lernangebote und eine stärkere Einbindung von KI in die Lehre. Besonders deutlich wird der Wunsch nach klaren Regeln: 70 Prozent der Befragten fordern ethische Richtlinien für den KI-Einsatz und den Schutz persönlicher Daten.
Hauptanwendungen: Recherche, Brainstorming, digitaler Tutor
Am häufigsten nutzen Studierende KI für allgemeine Recherchen und zur ersten Orientierung in einem Thema. Auch Brainstorming und die Nutzung als digitaler Lernpartner oder Tutor sind weit verbreitet. Die Textgenerierung mit KI wird dagegen seltener regelmäßig eingesetzt. Die Einsatzfelder variieren stark nach Studienfach: In der Wirtschaftsinformatik dient KI oft für Programmieraufgaben, in der Wirtschaftspsychologie vor allem fürs Brainstorming. In der Rechtswissenschaft liegen die Nutzungswerte in fast allen Bereichen vergleichsweise niedrig.
Meinungsbild zu KI in Prüfungen gespalten
Bei der Frage, ob KI für Prüfungsleistungen wie Hausarbeiten oder Referate erlaubt sein sollte, sind die Studierenden geteilter Meinung: 46 Prozent stimmen einer erlaubten Nutzung eher oder vollständig zu, 31 Prozent lehnen sie eher ab, und 24 Prozent sind unentschlossen. Die Unterschiede zwischen den Fächern sind groß: In der Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftspsychologie, Wirtschaftsingenieurwesen und BWL setzen über neun von zehn Befragten KI mindestens wöchentlich ein. In der Sozialen Arbeit sind es rund 69 Prozent, in der Rechtswissenschaft nur etwa 53 Prozent.



