Spanien: 88.000 Menschen vor Flammen geflohen – Badehose als einzige Habe
Spanien: 88.000 Menschen vor Flammen geflohen

Madrid – Die verheerenden Waldbrände in Zentralspanien haben bereits 88.000 Menschen zur Flucht gezwungen. In den Regionen um Madrid und Ávila stehen weite Landstriche in Flammen. Seit sechs Tagen kämpfen Feuerwehrkräfte gegen das Feuer, das ganze Dörfer bedroht. Besonders schwer getroffen wurde der Ort Pelayos de la Presa, 65 Kilometer westlich von Madrid gelegen.

„Ich trage nur eine Badehose, mehr hatte ich nicht“

Juan Moreno (69) ist einer der Betroffenen. Der Senior flüchtete aus Pelayos de la Presa, als die Flammen näher rückten. Seine gesamte Habe besteht aus Sandalen, einem Hemd und einer Badehose. „Die Feuerwehr kam nur noch angerannt und schrie: Raus hier! Sofort!“, erzählt er einer Reporterin. „Schauen Sie mich an, ich stehe hier in Badehose!“ Zeit zum Packen blieb nicht. „Bis auf das Ortszentrum stand praktisch ganz Pelayos de la Presa in Flammen“, berichtet er.

Hunde gerettet – jetzt kümmert er sich um sie

Trotz seiner eigenen Not half Juan Moreno noch drei verängstigten Hunden, die auf der Straße umherirrten. „Womöglich wären die Tiere sonst verbrannt“, sagt er. Die Hunde sind nun bei ihm in der Notunterkunft in Colmenar del Arroyo, 50 Kilometer von seinem Heimatort entfernt. „Eine Tierschutzorganisation sucht jetzt über die Mikrochips nach ihren Familien“, erklärt der Rentner. „Doch viele Besitzer sind noch nicht erreichbar, sie haben vermutlich selbst alles verloren oder kämpfen gerade um ihr Leben.“ Solange sich niemand meldet, versorgt er die Tiere mit Futter und Zuwendung. „Ich konnte sie vor den Flammen retten, jetzt lasse ich sie nicht allein.“

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90 Menschen und 52 Tiere in einer Turnhalle

In der Turnhalle von Colmenar del Arroyo sind derzeit 90 Evakuierte und 52 Tiere untergebracht. Die Behörden richten auch in Madrid selbst Notunterkünfte in Sporthallen ein. „Jetzt sitzen wir hier und wissen nicht, wann wir überhaupt nach Hause zurückkönnen“, klagt Moreno. „Das Feuer war aggressiv, zahlreiche Häuser sind abgebrannt. Aber in so einer Situation wird einem klar: Ob das Haus noch steht, ist zweitrangig. Das Wichtigste ist, dass Menschen und Tiere überleben. Alles andere ist materiell.“

Angst um das Zuhause und um geliebte Tiere

Rosmary Vázquez (29) musste ebenfalls flüchten. Sie verließ ihre Wohnung und suchte zunächst Zuflucht bei einer Freundin im Nachbarort. „Doch nur wenige Stunden später mussten auch dort alle weg, weil sich das Feuer durch den starken Wind weiter ausbreitete. Gegen halb zwei Uhr nachts sind wir schließlich hier in der Sporthalle angekommen“, erzählt sie. „Es ist unglaublich schwer. Man verlässt sein Zuhause und weiß nicht, ob man jemals wieder etwas davon sehen wird. Diese Angst ist furchtbar.“ Sie konnte ihre Hunde und etwas Kleidung retten.

Maria Tomasa Cuevas García (66) aus Robledo de Chavela hat noch weniger Glück. Sie besitzt nur das, was sie am Leib trägt. „Ich war mit einer Freundin auf dem Kirchplatz, als wir plötzlich fliehen mussten. Zum Glück hatte sie ihr Auto dabei, denn meins stand in der Werkstatt“, berichtet die 66-Jährige. Ihre größte Sorge gilt ihrer Katze: „Ich musste sie zu Hause zurücklassen, ich durfte nicht mehr zum Haus.“ Ob die Katze überlebt hat, weiß sie nicht. Die Feuerwehr warnt vor weiterer Gefahr, da der Wind die Flammen immer wieder neu entfacht. Die Evakuierungen könnten noch Tage andauern.

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