BBC enthüllt: Instagram-Anzeigen werben für Kindesmissbrauch in Indien
BBC: Instagram-Anzeigen für Kindesmissbrauch in Indien

Die BBC hat auf Instagram in Indien Anzeigen gefunden, die für Videos von sexuellem Kindesmissbrauch und Vergewaltigungen warben. Die Werbeclips verwendeten Begriffe wie „Vergewaltigungsvideo“ und „Kindervideo“ und verlinkten Nutzer in die Messenger-App Telegram, wo die Videos zu Preisen ab weniger als einem Euro erhältlich waren. Die erste Reaktion des Meta-Konzerns war dürftig: Eine gemeldete Anzeige wurde innerhalb von 24 Stunden als nicht gegen die Gemeinschaftsrichtlinien verstoßend eingestuft. Erst nach einer offiziellen Anfrage der BBC schaltete Meta mehrere Anzeigen und die dazugehörigen Accounts ab.

Metas Prüfsysteme unter Kritik

Die unterschiedlichen Reaktionen auf die BBC-Hinweise werfen Fragen zu Metas Systemen zur Inhaltsüberprüfung auf. Laut Meta werden Anzeigen von automatisierten Systemen geprüft, bevor sie live geschaltet werden. Das Unternehmen setzt zunehmend auf künstliche Intelligenz (KI), während Menschen nur noch für Instandhaltung, Training und manuelle Prüfungen zuständig sind. In einem Blogbeitrag betont Meta, dass für Werbung auf Instagram, Facebook und WhatsApp dieselben Gemeinschaftsstandards gelten wie für andere Beiträge. Werbung darf keine obszönen Formulierungen, übermäßigen Nacktdarstellungen oder Fehlinformationen enthalten. Kritiker bezweifeln jedoch die Wirksamkeit dieser Kontrollen.

Finanzielle Abhängigkeit von Werbung

Meta ist stark von Werbeeinnahmen abhängig. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 200 Milliarden Dollar, wovon 196 Milliarden Dollar aus dem Werbegeschäft stammten. Ein ehemaliger Facebook-Manager, der das Unternehmen 2020 verließ, erhob schwere Vorwürfe: Der Algorithmus von Instagram sei darauf ausgelegt, Nutzer mit immer extremeren und verlockenderen Inhalten auf der Plattform zu halten. Die BBC zitiert ihn mit den Worten: „Der Algorithmus von Instagram ist darauf ausgelegt, die Nutzer auf der Plattform zu halten, indem er ihnen immer extremere, immer verlockendere Dinge zeigt.“ Allerdings basieren diese Aussagen auf sechs Jahre alten Erfahrungen.

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Metas Verteidigung und Maßnahmen

Meta wies die Vorwürfe, wissentlich Werbung mit Kinderdarstellungen auszuspielen, als „vollkommen unzutreffend“ zurück. Das Unternehmen arbeite ständig daran, seine Verteidigungsmaßnahmen zu verbessern und Technologien zu entwickeln, um Betrüger aufzuspüren und rechtswidrige Websites auszusperren. Allein im vergangenen Jahr habe Meta mehr als vier Millionen Accounts wegen verdächtigen Verhaltens blockiert.

Indische Regierung fordert Aufklärung

Die indische Regierung gibt sich mit diesen Erklärungen nicht zufrieden. Der für Informationstechnologie zuständige Minister Ashwini Vaishnaw forderte von Meta eine formelle Erklärung zu den BBC-Vorwürfen. Er verlangt Informationen darüber, ob und wie Instagrams System die fraglichen Anzeigen geprüft hat und welche Maßnahmen nach der Meldung ergriffen wurden.

Schlupfloch Telegram

Siddharth Pillai, Mitgründer einer Plattform, die Kindern gegen Onlinebedrohungen hilft, sieht eine Schwäche von Metas System in der engen Verzahnung mit Telegram. Kriminelle nutzten die Verlinkungsmöglichkeiten, um der Verfolgung zu entgehen, und luden entfernte Inhalte immer wieder neu hoch. Telegram steht seit langem in der Kritik, nicht ausreichend gegen kriminelle und extremistische Inhalte vorzugehen. Im Jahr 2024 warf die Pariser Staatsanwaltschaft Telegram-Gründer Pawel Durow Beihilfe zur organisierten Verbreitung von Kindesmissbrauchsaufnahmen und Drogenhandel vor. Durow wurde damals bei einem Zwischenstopp in Frankreich festgenommen und durfte das Land erst nach mehr als einem Jahr verlassen.

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