Eine neue Studie der Universität Münster belegt einen signifikanten Zusammenhang zwischen intensiver Social-Media-Nutzung und psychischen Belastungen. Die Forscher befragten über 2.000 Teilnehmer im Alter von 18 bis 35 Jahren und stellten fest, dass Personen, die mehr als drei Stunden täglich auf Plattformen wie Instagram, TikTok oder Facebook verbringen, ein um 40 Prozent erhöhtes Risiko für Angststörungen und depressive Symptome aufweisen.
Studiendesign und konkrete Ergebnisse
Die Langzeitstudie erstreckte sich über einen Zeitraum von zwei Jahren. Die Probanden wurden zu Beginn, nach einem Jahr und am Ende der Studie befragt. Neben der Nutzungsdauer wurden auch die Art der konsumierten Inhalte und die subjektive Wahrnehmung des eigenen Wohlbefindens erfasst. „Wir konnten klar nachweisen, dass passive Nutzung – also das reine Scrollen durch Beiträge – stärker mit negativen Effekten verbunden ist als aktive Interaktion“, erklärt Studienleiter Dr. Markus Weber.
Besonders betroffen: junge Frauen
Die Ergebnisse zeigen zudem geschlechtsspezifische Unterschiede. Weibliche Teilnehmer berichteten häufiger von negativen Auswirkungen, insbesondere wenn sie regelmäßig Beauty- und Lifestyle-Inhalte konsumierten. „Der ständige Vergleich mit idealisierten Darstellungen führt zu Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und Selbstwertgefühl“, so Weber. Männer hingegen litten eher unter dem Gefühl, beruflich oder sozial nicht mithalten zu können.
Experten fordern digitale Achtsamkeit
Angesichts der Ergebnisse appellieren Psychologen an einen bewussteren Umgang mit sozialen Medien. „Es geht nicht darum, komplett auf Social Media zu verzichten, sondern die Nutzung zu reflektieren und Pausen einzulegen“, rät die Berliner Psychotherapeutin Dr. Anna Schulz. Sie empfiehlt, feste Zeiten für die Nutzung zu definieren und regelmäßig digitale Detox-Phasen einzulegen. Auch die Plattformen selbst seien in der Pflicht, mehr für den Schutz der Nutzer zu tun, etwa durch Algorithmen, die weniger vergleichende Inhalte ausspielen.
Auswirkungen auf die Gesellschaft
Die Studienergebnisse werfen ein Schlaglicht auf ein gesamtgesellschaftliches Problem. In Deutschland leidet laut Statistik etwa jeder Fünfte im Laufe seines Lebens an einer psychischen Erkrankung. „Social Media kann ein Verstärker sein, aber nicht die alleinige Ursache“, betont Weber. Dennoch sei es wichtig, die Risiken zu kennen und präventiv zu handeln. Schulen und Bildungseinrichtungen sollten Medienkompetenz stärker vermitteln.



