Wedium: Neue deutsche Social-Media-App fordert TikTok & Co. heraus
Wedium: Deutsche App will TikTok und Instagram angreifen

Die neue Social-Media-Plattform Wedium will als europäische Alternative zu TikTok und Instagram etabliert werden. Am Donnerstag präsentierten die fünf Gründer die App im Berliner Funkturm, der historisch für die Ausstrahlung der ersten Fernsehbilder steht. Nun soll hier der Startschuss für eine Bewegung fallen, die den Giganten aus den USA und China Paroli bieten will.

Was Wedium anders macht als TikTok

Die App setzt auf verifizierte Nutzer, Jugendschutz und eine faire Vergütung für Content-Ersteller. Mitgründerin Nele Meissner erklärte: „Wedium ist eine Short-Video-Plattform mit europäischen Werten und einem gesunden Algorithmus. Wir setzen von Anfang an auf Verifizierung und Jugendschutz. Wir wollen Bildung und journalistische Inhalte fördern und diejenigen, die Inhalte produzieren, an den Werbeeinnahmen beteiligen.“

Laut Meissner verbringen Jugendliche durchschnittlich drei Stunden täglich auf sozialen Netzwerken, was zu Depressionen und Schlafstörungen führen könne. Fast die Hälfte der jungen Menschen zeige Suchtsymptome. „Das ist kein Zufall, sondern Geschäftsmodell von Big Tech“, kritisierte sie. Genau hier will Wedium gegensteuern.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Verifikation und Jugendschutz als Kernfeatures

Der Zugang zu Wedium erfolgt nur per Ausweisverifikation über einen europäischen Anbieter. Nutzer können ihre Bildschirmzeit begrenzen, und nach Ablauf erscheint ein Hinweis auf das „echte“ Leben. Die App bietet zwei getrennte Feeds: „For we“ zeigt Beiträge aus dem eigenen Netzwerk, „For me“ empfiehlt zusätzliche Inhalte. Beide Algorithmen wurden mit einem Ethikrat entwickelt, dem eine Jugendschutzexpertin angehört.

Minderjährige können die Plattform nur mit einem Eltern-Kind-Account nutzen, der es Eltern ermöglicht, die Inhalte im Feed zu bestimmen. Community-Management und KI sollen für einen angemessenen Umgangston sorgen, bei Verstößen droht der Ausschluss. In der Testphase sei dies nicht nötig gewesen, berichtete Mitgründer Johannes Meissner: „Es ist ein sehr kuscheliges, nettes Netzwerk, das sich gegenseitig unterstützt.“

Geschäftsmodell und Wachstumsziele

Wedium finanziert sich über Werbeeinnahmen und ein Freemium-Abo für 8,99 Euro im Monat. Creator sammeln sogenannte Wedium-Points und werden anteilig an den Werbeeinnahmen beteiligt. Bereits in der Testphase haben sich 15.000 Nutzer angemeldet. Das Ziel: Bis Jahresende eine Million Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu erreichen.

Die offizielle Markteinführung erfolgte am Freitag. Im Herbst soll die App für ganz Europa verfügbar sein. Meissner scherzte: „Vielleicht bekommen wir für den kontinentalweiten Start ja den Eiffelturm in Paris.“

Experten sehen Hürden für den Erfolg

Digitalexperte Wolfgang Schweiger von der Universität Hohenheim zeigte sich skeptisch: „Solche ‚guten‘ Plattformen hat es in der Vergangenheit immer wieder gegeben – und leider sind sie schnell verschwunden.“ Allerdings sei in Europa die Sorge vor einer Abhängigkeit von US-amerikanischen und chinesischen Plattformen gewachsen, was eine Nische biete.

Gavin Karlmeier von „heise online“ sieht in der Verifikation ein Nadelöhr: „Und sicherlich gibt es Menschen, die kein gutes Gefühl dabei haben, ihren Personalausweis oder Reisepass für ein Unternehmen abzufotografieren, nur, um Inhalte ins Netz stellen zu dürfen.“ Auch Eltern-Kind-Accounts überzeugten ihn nicht. Er bezweifelt, dass das Versprechen einer „TikTok-Alternative mit elterlicher Kontrolle“ bei jungen Leuten als „cool“ gelten könne.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration