Deutsche Glasfaser beendet Ausbau in Mindelheim und löst Verträge auf
Deutsche Glasfaser stoppt Ausbau in Mindelheim
Die Deutsche Glasfaser GmbH stoppt ihre Ausbaupläne in Mindelheim und kündigt alle bestehenden Vorverträge. Nach Angaben der Stadtverwaltung sind rund 350 Haushalte betroffen. Das Unternehmen bestätigte den Schritt am Freitag und nannte wirtschaftliche Gründe. Die Stadt zeigte sich enttäuscht und kündigte an, alternative Lösungen zu prüfen.

Nachfrage unter der Mindestquote

Wie die „Augsburger Allgemeinen“ berichtet, lag die Zeichnungsquote für Glasfaseranschlüsse in Mindelheim deutlich unter der erwarteten Marke. Laut Unternehmenskreisen sollte eine Vorverkaufsquote von 40 Prozent erreicht werden, um den Ausbau wirtschaftlich zu rechtfertigen. Diese Schwelle wurde offenbar nicht erreicht. Betroffene Anwohner hatten zuvor einen kostenlosen Hausanschluss im Rahmen einer Vorvermarktungsaktion reserviert. Die Reservierungen werden nun automatisch storniert. Stornierungsgebühren entstehen nicht.

Ein Sprecher der Deutschen Glasfaser sagte auf Anfrage, man habe die hohen Investitionskosten den erwartbaren Erlösen gegenübergestellt. Das Verhältnis sei nicht mehr vertretbar gewesen. Weitere Details nannte das Unternehmen nicht.

Stadt und Landkreis reagieren

Mindelheims Bürgermeister Stefan Winter sprach in einer ersten Stellungnahme von einem „schweren Rückschlag für die digitale Standortpolitik“. Man habe sich intensiv für das Projekt eingesetzt und die Bevölkerung informiert. Nun müsse man sich mit anderen Betreibern zusammensetzen. Auch der Landkreis Unterallgäu, der den Breitbandausbau koordiniert, kritisierte die Entscheidung. In einer Pressemitteilung hieß es, man wolle prüfen, ob eine gemeindliche Lösung möglich sei.

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Winter verwies darauf, dass Mindelheim bereits eine recht gute Grundversorgung mit schnellem Internet habe. Über das Bayerische Breitbandförderprogramm sei ein eigenes Netz angedacht. Eine Machbarkeitsstudie habe kürzlich ergeben, dass ein kommunales Glasfasernetz möglich sei. Die Fördermittel dafür würden vom Freistaat bereitgestellt.

Was ändert sich für die Bürger?

Für die meisten Bürger bleibt zunächst alles beim Alten. Bestehende Verträge mit der Deutschen Glasfaser bleiben gültig. Neue Verträge werden nicht mehr für Mindelheim angenommen. Weitere geplante Ausbaugebiete in der Stadt werden nicht realisiert. Bereits entstandene Glasfaserleitungen in einzelnen Straßen bleiben ungenutzt, da sie keinen Anschluss an die zentrale Verteilertechnik erhalten.

Das könnte zu Flickwerk führen. In Gebieten, in denen bereits Glasfaser liegt, können Anwohner weiterhin schnelle Verbindungen buchen. In anderen Teilen Mindelheims bleibt es bei Kupferkabel. Ein einheitlicher Ausbau wäre aus heutiger Sicht nur mit anderen Partnern möglich. Auch Telekom, Vodafone und regionale Anbieter haben in der Vergangenheit Interesse gezeigt.

Modell der Deutschen Glasfaser gerät unter Druck

Die Deutsche Glasfaser ist einer der größten Glasfaser-Netzbetreiber im Süden. Das Unternehmen hat in vielen bayerischen Gemeinden Ausbauprojekte gestartet. Das Geschäftsmodell erfordert eine hohe Vorverkaufsquote, da die Firma komplett ohne Fördermittel arbeitet. Bei anderen Projekten in der Region kam es zu kürzlich zu ähnlichen Stopps. In Mindelheim zeigt sich die Bevölkerung enttäuscht, weil man mehrfach für den Ausbau geworben hatte.

Die Stadt Mindelheim zählt rund 15.000 Einwohner und liegt im Unterallgäu. Ein Großteil der Haushalte hat Zugang zu DSL mit 50 Mbit/s. Ein Glasfaserausbau ist jedoch für die Zukunft dringend nötig, da die Nachfrage nach schnellen Internetverbindungen weiter steigt. Nun hofft man auf einen anderen Anbieter. Die Verwaltung will die Entwicklung im Digitalausschuss beraten und schnellstmöglich eine Lösung vorstellen.

Betroffene Bürger, die Fragen zu ihren Verträgen haben, können sich direkt an die Deutsche Glasfaser wenden. Eine Hotline wurde eingerichtet. Die Stadt rät, bestehende Verträge zu prüfen und sich gegebenenfalls beraten zu lassen.

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