US-Präsident Donald Trump hat eine neue Angriffswelle auf Iran nach eigenen Angaben vorerst abgesagt. Zur Begründung verwies er auf „Umrisse einer Einigung“ bei den diplomatischen Bemühungen. Das US-Militär stehe „mit all seiner Macht“ bereit, schrieb Trump in der Nacht auf seiner Plattform Truth Social, aber Iran und andere Länder der Region hätten darum gebeten, von Angriffen abzusehen. Zu einer Einigung gehöre die „komplette“ Öffnung der Straße von Hormus und „ein Ende der von Iran ausgehenden atomaren Bedrohung“. Auch Israel wolle sich daran halten, Iran vorerst nicht wieder anzugreifen. An die Vermittler gerichtet schrieb Trump: „Macht Euch alle an die Arbeit und ERLEDIGT das.“
Weitere Einzelheiten nannte Trump zunächst nicht. Von iranischer Seite oder aus anderen an den Gesprächen beteiligten Staaten kam in der Nacht keine unmittelbare Reaktion. Es wäre nicht das erste Mal, dass Trump einen Durchbruch verkündet, der später von anderer Seite dementiert wird oder an der Realität scheitert.
Vom Juni-Abkommen zur erneuten Blockade
Die Straße von Hormus sollte bereits infolge des Rahmenabkommens mit Iran, das im Juni unterzeichnet wurde, wieder für die internationale Schifffahrt geöffnet werden. Zu einer uneingeschränkten Öffnung kam es jedoch nie: Nach einer anfänglichen Zunahme des Schiffsverkehrs wurde die Meerenge durch neue Angriffe zuletzt wieder fast zum Erliegen gebracht.
Die Straße von Hormus ist von entscheidender Bedeutung für den Export von Öl und Gas aus den Golfstaaten. Teheran nutzt die faktische Blockade, die höhere Weltmarktpreise für Öl und Gas verursacht, als Druckmittel gegen Trump. Dessen Republikaner müssen sich in gut drei Monaten bei den Zwischenwahlen zum US-Kongress den Wählern stellen – hohe Spritpreise kommen ihnen da sehr ungelegen. Das US-Militär hat als Druckmittel gegen Iran inzwischen seine Seeblockade erneuert, um Teheran von Einnahmen aus dem Rohölexport abzuschneiden. Ölausfuhren sind die wichtigste Einnahmequelle des iranischen Machtapparats.
Saudi-Arabien drängt auf Deeskalation
Einem Bericht der US-Nachrichtenseite „Axios“ zufolge hat der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman am Samstag mit Trump telefoniert, um angesichts des geplanten Großangriffs die Sorge des Königreichs auszudrücken. Saudi-Arabien ringt mit dem Iran um die Vorherrschaft in der Region und hat sich zuletzt erstmals offiziell an einem Militärschlag gegen proiranische Kräfte beteiligt. Der Kronprinz habe Trump zur Deeskalation aufgerufen, hieß es unter Berufung auf US-Quellen.
Auch Irans Außenminister Abbas Araghchi warnte am Samstag in einem Gespräch mit seinem saudi-arabischen Kollegen Faisal bin Farhan vor einer neuen militärischen Eskalation. Die Streitkräfte seines Landes würden auf jeden Akt der Aggression entschlossen reagieren, schrieb Araghchi auf Telegram. Für neue Angriffe müssten die USA, Israel sowie beteiligte Golfstaaten die volle Verantwortung tragen.
Zweifel an schnellem Durchbruch
Das Rahmenabkommen vom Juni sah auch weitere Verhandlungen zu Irans Atomprogramm vor. Insbesondere Israel, aber auch die USA und mehrere andere Staaten werfen Iran vor, an Atombomben zu arbeiten – unter anderem wegen des Programms zur Urananreicherung. Iran dementiert das und pocht auf sein Recht zur zivilen Nutzung der Atomkraft. Experten halten eine schnelle Einigung bei diesem Streitthema für unwahrscheinlich.
Die behauptete atomare Bedrohung war eines der Argumente, mit denen Trump Ende Februar die amerikanisch-israelischen Angriffe auf Iran begründete. Anfangs sagte er, der Krieg werde nur wenige Wochen dauern. Inzwischen befindet er sich im sechsten Monat. Seit Kriegsbeginn hat Iran auf US-Attacken häufig mit Gegenangriffen auf Ziele in den Golfstaaten reagiert, in denen auch US-Militärstützpunkte liegen. Erst am Freitag hatte Trump angekündigt, man werde Iran „sehr hart“ angreifen – „irgendwann werden sie es nicht mehr aushalten können“. US-Medien berichteten übereinstimmend von einem bevorstehenden Großangriff, der auch Irans Energieinfrastruktur ins Visier nehmen sollte. Teheran drohte daraufhin mit Gegenangriffen auf kritische Infrastruktur in Israel und den Golfstaaten. Ob die jüngste Kehrtwende nun tatsächlich zu einer Verhandlungslösung führt oder nur eine weitere Episode im Wechselspiel aus Drohung und Entspannung ist, bleibt abzuwarten.



