Eiszeitliche Vogelfiguren: Älteste Kunst der Schwäbischen Alb
Eiszeitliche Vogelfiguren: Älteste Kunst der Schwäbischen Alb

Auf der Schwäbischen Alb haben Wissenschaftler der Universität Tübingen zwei filigran gearbeitete Vogelfiguren aus der Eiszeit ausgegraben. Die Figuren stammen aus der Höhle „Hohle Fels“ und sind nach Angaben der Forscher rund 40.000 Jahre alt. Sie gehören damit zu den ältesten figürlichen Kunstwerken der Welt, die jemals entdeckt wurden. Die Funde liefern neue Einblicke in das Leben und die künstlerischen Fähigkeiten der damaligen Menschen.

Einzigartige Detailschnitzereien aus Mammutelfenbein

Die beiden Vogelfiguren wurden aus Mammutelfenbein geschnitzt und sind nur wenige Zentimeter groß. Ihre filigrane Gestaltung zeigt präzise Flügel- und Schwanzfedern. „Das sind exakte Naturbeobachtungen in Figuren umgesetzt“, erklärte der Ausgrabungsleiter Ralf Ehmann vom Museum für Urgeschichte und Eiszeitkunst der Universität Tübingen. Die Figuren sind so detailliert, dass sich sogar die Art der Vögel bestimmen lässt: Es handelt sich vermutlich um Kormorane oder Entenvögel.

Bedeutung für die Archäologie

Die Entdeckung bestätigt, dass die Menschen der Eiszeit bereits vor 40.000 Jahren komplexe symbolische Darstellungen schufen. Die Höhle Hohle Fels ist bereits für ältere Funde bekannt, darunter die berühmte Venus vom Hohle Fels – eine weibliche Figur, die ebenfalls zu den ältesten Kunstwerken zählt. Die neuen Vogelfiguren ergänzen das Bild einer Kultur, die Tiere nicht nur jagte, sondern auch künstlerisch verewigte. Insgesamt wurden in der Höhle bisher mehr als 25 figürliche Kunstwerke gefunden.

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Technik und Erhaltung

Die Figuren wurden mit Steinwerkzeugen aus Mammutelfenbein geschnitzt. Trotz ihres Alters sind sie erstaunlich gut erhalten. Die Forscher fanden die Bruchstücke in einer Erdschicht, die durch Sedimente konserviert wurde. Die Rekonstruktion war aufwendig: Die Teile mussten sorgfältig zusammengesetzt werden. „Jeder Fund ist ein Puzzle“, sagte Ehmann. Die Figuren werden nun im Museum für Urgeschichte und Eiszeitkunst in Blaubeuren ausgestellt.

Kultureller Kontext

Die Vogelfiguren stammen aus der Zeit des Aurignacien, der frühesten Kultur des modernen Menschen in Europa. Damals herrschte in Süddeutschland ein kaltes Steppenklima. Die Menschen lebten als Jäger und Sammler, jagten Wildpferde, Rentiere und Mammute. Die Kunstwerke dienten vermutlich rituellen oder sozialen Zwecken. Sie zeigen, dass die Menschen nicht nur überlebten, sondern auch eine komplexe Kultur entwickelten.

Vergleich mit anderen Funden

Ähnliche figürliche Kunstwerke wurden in anderen Höhlen der Schwäbischen Alb entdeckt, etwa im Vogelherd und in der Geißenklösterle-Höhle. Die Funde gelten als die ältesten figürlichen Darstellungen der Menschheit – älter als die Höhlenmalereien in Frankreich und Spanien. Die neuen Vogelfiguren unterstreichen die herausragende Bedeutung der Region für die Archäologie.

Ausblick

Die Grabungen im Hohle Fels werden fortgesetzt. Die Forscher hoffen auf weitere Entdeckungen, die das Verständnis der eiszeitlichen Kunst vertiefen. „Jeder neue Fund ist ein Fenster in die Vergangenheit“, betonte Ehmann. Die Vogelfiguren werden in den kommenden Monaten wissenschaftlich untersucht, um mehr über die Herstellungstechniken und die Nutzung zu erfahren.

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