Schauspielerin Esther Schweins sorgt sich angesichts eines gesellschaftlichen Rechtsrucks um die Frauenrechte. „In einer Zeit, in der es von Machtinteresse ist, dass Frauen ihre Stimme verlieren, muss man ganz deutlich sagen: Die Rechte, über die wir verfügen, sind filigran“, erklärte sie. „Und wer bestimmt, worüber gelacht wird, hat eben auch Macht. Wer bestimmt, was sichtbar ist oder wer unsichtbar gemacht wird, hat Macht. Und wer unsichtbar ist, ist ohnmächtig.“
Dokumentarfilm zeigt Frauenbild der 90er
Schweins ist in dem Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht“ von Eva Müller und Isabelle Schneider zu sehen, der aktuell in den Kinos läuft und sich kritisch mit dem Frauenbild im deutschen Fernsehen der 1990er und frühen 2000er Jahre auseinandersetzt. „Das Mitlachen war eine Überlebensstrategie“, erinnert sich Schweins. „Im deutschen Fernsehen hatten Frauen durchzulächeln.“ In der Dokumentation bricht sie in Tränen aus und belegt Entertainer Harald Schmidt mit einem deutlichen Schimpfwort, nachdem sie eine Szene gesehen hat, in der er Moderatorin Bettina Böttinger mit einer Klobrille verglichen hatte.
Gottschalks „massenkompatibler Sexappeal“
Sie selbst berichtet im Interview mit dem Magazin „Stern“ von einer Begegnung mit Thomas Gottschalk, der sie bei „Wetten, dass..?“ mit den Worten „Die Komödiantin mit massenkompatiblem Sexappeal“ anmoderierte. „Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: massenkompatibler Sexappeal.“ Schweins habe sich in einer Gruppe von Männern auf der berüchtigten „Wetten, dass..?“-Couch „eingeengt“ und „überfordert“ gefühlt, erinnert sie sich. Gottschalks Spruch habe sie damals sogar noch als Kompliment aufgefasst, „weil ich annahm, dass er damit meinen Intellekt ansprechen wollte“. Doch danach sei sie „bei der nächsten Gelegenheit“ zu einem Redaktionskollegen bei „RTL Samstag Nacht“ gelaufen, der ihr an ihrem ersten Tag bei der Kultshow gesagt hatte: „Du hast ja gar keine Titten.“
„RTL Samstag Nacht“ als Schutzraum
Dennoch sei „RTL Samstag Nacht“, wo Schweins ihren Durchbruch feierte, „ein Schutzraum“ für sie gewesen: „Kreativ, menschlich und für mich als junge Frau der erste Ort, an dem ich aufatmen konnte, an dem ich frei denken, freie Rede führen und mir Luft verschaffen konnte.“ Sie betont: „Es gab viele Begrifflichkeiten nicht. Ich könnte mich nicht erinnern, dass jemand damals über Sexismus sprach. Das war die Norm. Und natürlich fand ich das nicht richtig. Und war daher so dankbar für diesen Möglichkeitsraum ‚Samstag Nacht‘. Dort konnte ich Ausnahme sein von dieser Norm: Komische Frau ist auch schön – oder schöne Frau ist auch komisch.“



