ZDFneo: „The Forsytes“ als Kitschbombe für Bridgerton-Fans
ZDFneo: „The Forsytes“ als Kitschbombe

Die sechsteilige Serie „The Forsytes – Familie verpflichtet“ auf ZDFneo enttäuscht als seichte Kostümserie ohne Tiefgang. Die Neuverfilmung der britischen Gesellschaftssaga von John Galsworthy, die 1932 den Nobelpreis erhielt, reduziert die komplexe Familiengeschichte auf einfache Konflikte und opulente Ausstattung. Die Serie, produziert vom britischen Privatsender ITV, orientiert sich stark am Netflix-Hit „Bridgerton“ – inklusive Colourblind-Besetzung und einigen Bettszenen. Doch es fehlt der Camp-Faktor, der jüngere Zuschauer anzieht.

Von der Nobelpreis-Vorlage zur Schmonzette

John Galsworthy erhielt 1932 den Nobelpreis für Literatur, insbesondere für die „vornehme Schilderungskunst“ in seiner Roman-Trilogie „The Forsyte Saga“. Die Jury würdigte den „höchsten Ausdruck“ dieser Kunst in der vier Generationen umfassenden Familiengeschichte. Von dieser Distinktion und Diskretion ist in der dritten Serien-Adaption nach dem BBC-Klassiker von 1967 und einem BBC-Neuaufguss von 2002 wenig geblieben.

Die ZDFneo-Serie schrumpft das verzweigte Figurenpersonal auf leicht konsumierbare innerfamiliäre Konflikte. Die Charaktere wirken flach, ihre hohen Frisuren bleiben besser in Erinnerung als ihre Persönlichkeiten. Laut ZDF sind bereits zwei weitere Staffeln in Produktion – Tiefgründiges könnte also später kommen. Bislang ist die Serie jedoch reines „Augenkonfetti“ aus prachtvollen Kostümen, Herrenhäusern und einem attraktiven Cast.

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Fehlende Innovation bei ZDFneo

ZDFneo positioniert sich als Sender mit innovativen Formaten für junge Erwachsene. Doch mit der Verzwergung der „Forsyte-Saga“ zum Groschenroman und einer überdekorierte Sitcom-artigen Serie stellt sich die Frage, ob der Sender seine Zielgruppe ernst nimmt. Die Serie wirkt wie eine „Verblödungs-Rom-Com“ – ein Vorwurf, der auch gegen andere Formate wie „My Ex“ mit Palina Rojinski erhoben wird.

Dabei stecken im Forsyte-Familiendrama durchaus Konfliktstoffe, die sich zeitgemäß erzählen ließen: Klassenunterschiede, patriarchale Strukturen und elterliche Erwartungen existieren nach wie vor. Auch der Konflikt zwischen Machtmensch und Künstlerexistenz ist zeitlos. Doch „The Forsytes – Familie verpflichtet“ setzt auf Streaming-Erfolg durch Schmonzette mit Schauwerten, Intrigenstadel und Romance.

Charaktere und Handlung

Im Zentrum der Serie steht eigentlich der kühle Technokrat und Karrierist Soames Forsyte (Joshua Orpin). Doch die Serie verschiebt den Fokus zugunsten des Schöngeists Jolyon Forsyte Jr. (Danny Griffin), der Firmenkonventionen und Klassenunterschiede ablehnt. Soames dagegen verkörpert das aufstrebende Bürgertum des viktorianischen England. Seine Ehe mit der Ballerina Irene Forsyte (Millie Gibson) zeigt seine misogyne Seite: Er isoliert seine freiheitsliebende Frau, die von einer Tanzkarriere in Paris träumt.

Jolyons Ehe mit Frances (Tuppence Middleton) gerät in Turbulenzen, als seine frühere Geliebte Louisa Byrne (Eleanor Tomlinson) als Schneiderin in London auftaucht. Die beiden illegitimen Kinder aus dieser Beziehung sorgen für Skandal-Potenzial. Die strenge Großmutter Ann (Francesca Annis) fungiert als graue Eminenz und prägt die junge June mit dem Satz: „Was ist ein Forsyte? Jemand, der die Wertigkeit von Aktien kennt, von Familie und Reputation.“

Kritik an der Inszenierung

Die Serie leidet unter einer übermäßigen Betonung von Optik und Oberflächlichkeit. Die Tanzszenen mit Irene sind „zuckerige Kitschbonbons“, während die Angst vor ihrem Mann glaubhaft wirkt. Danny Griffin als Jolyon zeigt gerne seinen trainierten Oberkörper in verschwitzten Boxszenen. Drehbuchautorin Debbie Horsfeld und das Regieduo Meenu Gaur und Annetta Laufer versäumen es, die zeitlosen Konflikte der Vorlage zeitgemäß zu erzählen. Stattdessen setzen sie auf Streaming-Erfolg durch Schmonzette – ein Ansatz, der bei Kritikern durchfällt.

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