Wowereit rät Wegner-Nachfolger Evers: So gelingt das Wahl-Wunder in Berlin
Wowereit rät Wegner-Nachfolger Evers: So gelingt das Wahl-Wunder

Klaus Wowereit (72, SPD) weiß, wie man in kürzester Zeit einen Wahlkampf dreht. 2001 wurde er nach dem Bruch der Großen Koalition Regierender Bürgermeister und führte die SPD in nur 127 Tagen von 22,4 auf 29,7 Prozent – ein Plus von 7,3 Punkten. Die CDU stürzte um 17 Punkte auf 23,8 Prozent. Jetzt steht Berlins CDU nach dem Rückzug von Kai Wegner (53, CDU) vor einer ähnlichen Herausforderung: Spitzenkandidat Stefan Evers (46) hat nur noch 70 Tage bis zur Wahl am 20. September, um die Partei vom vierten Platz (17 Prozent) nach vorne zu bringen.

Wowereits Analyse: Zeit knapp, Schaden nachhaltig

Wowereit sagte zu BILD: „Die Zeit ist knapp, und der Schaden, den Wegner hinterlassen hat, ist nachhaltig. Da wird Evers Schwierigkeiten haben, aus einer fachpolitischen Kompetenz eine allgemeinpolitische zu machen. Er muss versuchen, verloren gegangene Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.“ Der frühere Regierende warnte: Auch Evers trage Verantwortung für die Krise und müsse „erklären, warum er nicht früher interveniert hat“.

Der geheime Evers-Plan: Drei Punkte für die Wende

Um das Ruder noch herumzureißen, will Evers dem Wahlkampf seinen eigenen Stempel aufdrücken. Drei Punkte sind entscheidend:

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Termine kapern

Evers will interessante Termine des Noch-Regierenden Kai Wegner übernehmen – rechtlich unproblematisch, da er als Finanz- und Kultursenator bereits einer von zwei Stellvertretern mit Titel „Bürgermeister“ ist. Sein Motto: „Ich gehe überall hin, wo es weh tut.“ Am Montag soll der Landesvorstand der Berliner CDU ihn offiziell zum Spitzenkandidaten küren.

Kampagne umstricken

Ab 2. August sollen rund 1000 große Stelltafeln mit CDU-Motiven (Sicherheit, Bildung, Wohnen) stehen. Noch ist offen, ob Evers statt Wegner schon in der ersten Welle gezeigt werden kann, spätestens in der zweiten nach zwei Wochen. Der Slogan „Berlin wird“ bleibt – Teil der Erzählung: Drei Jahre lief es nicht schlecht. Evers ist überzeugt: „Erst hatten sich alle auf das Kleinklein um den Stromausfall vom 3. Januar eingeschossen, jetzt ist der Überraschungseffekt auf der CDU-Seite.“

Unterstützer importieren

Von Neukölln lernen: Die Linken rekrutierten bei der Bundestagswahl Unterstützer für den Multi-Kulti-Bezirk, organisierten Fahrt und Unterkunft. Die Bundes-CDU sucht per Rundmail Helfer für den Hauptstadtwahlkampf – kräftige Hände für Materialausgabe und Veranstaltungsvorbereitung.

Evers setzt auf harte Themen: Putzeinsatz für Hilfeempfänger

Evers will Schluss mit Wohlfühlrhetorik. Linke verhindern reiche ihm als Erzählung nicht. Die Zeit für Häppchen-Empfänge sei vorbei, jetzt gehe es ums Schwarzbrot. Beispiel: die zunehmende Vermüllung Berlins. „Inakzeptabel“ nannte er sie in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Drastische Bußgelder und mehr Kontrollpersonal reichen ihm nicht. „Ich finde, wer staatliche Leistungen erhält und arbeiten kann, sollte der Gemeinschaft auch etwas zurückgeben – zum Beispiel, indem er dabei hilft, Berlin sauber zu halten“, sagte er.

Ein weiteres Beispiel: Während die SPD mit Gratisangeboten (Kita, Schulessen, Schülerticket, Hort) wirbt, will Evers leistungsstarke Eltern wieder zahlen lassen: „Ich halte auch nichts von Kostenlos-Politik für gut verdienende Eltern, die sich Schulmittagessen leisten können. Ich empfinde das als ungerecht.“ Die Frage ist, ob er der Linken so das Wasser abgraben kann.

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