Die neue Kinowoche steht ganz im Zeichen des neuesten Steven-Spielberg-Films, der bereits seit Monaten stark beworben wird. Doch daneben gibt es auch einen sehr feinen Animationsfilm aus Belgien, den neuen Film von Angela Schanelec, der wie immer bei der Berliner Regisseurin das Publikum spalten wird, sowie starke Arthouse-Filme. Hier die Neustarts im Überblick:
„Disclosure Day: Der Tag der Wahrheit“
Steven Spielberg hat es erneut mit Außerirdischen zu tun. Und wieder gilt es, sie zu schützen, ähnlich wie einst bei „E. T.“. Nur sind die Retter in „Disclosure Day“ keine Kinder mehr, sondern Erwachsene, gespielt von Josh O’Connor und Emily Blunt. Sie müssen sich als auserwählte Medien zusammentun, um die Aliens zu befreien, die von einer finsteren Macht versteckt werden. Der Showdown führt jedoch wieder ins Kinderzimmer und zurück in die Kindheit. Es ist nicht der beste Spielberg, aber gute Popcorn-Unterhaltung mit einigen Spitzen gegen Trumps Fremdenpolitik.
„Die kleine Amélie oder Der Charakter des Regens“
In Japan wird eine belgische Diplomaten-Tochter geboren. Sie schaut mit großen, staunenden Augen in die Welt – und der Zuschauer mit ihr. Denn dieser feine, in weiche Bilder getauchte Animationsfilm wird ganz aus der Perspektive des Kindes gezeigt. „Die kleine Amélie“ war für einen Oscar nominiert und wird Groß und Klein bezaubern.
„Meine Frau weint“
Angela Schanelecs Filme sind nichts fürs Popcorn-Kino, doch sie hat eine treue Fangemeinschaft, auch auf Festivals. In ihrem neuen Film passiert nicht viel: Die Leute reden und hören zu, und das wird in langen, statischen Einstellungen gezeigt. Nicht die Handlung ist hier relevant, sondern die Form, in der es dargeboten wird. Warnung: Nur für Kunstkinoliebhaber geeignet!
„Truly Naked“
Morgens geht der Teenager brav zur Schule, doch mittags geht er einem Erwachsenenjob nach: als Kameramann von Laienpornos, mit seinem Vater vor der Kamera. Dadurch hat der Junge ein ganz unverklemmtes Verhältnis zum Sex. Aber als er seine erste Liebe kennenlernt, wird es dann doch schwierig. Alle Figuren ringen dabei spürbar um Nähe und Intimität, auch der Vater und seine Pornodarstellerinnen. Ein ungewöhnliches Coming-of-Age-Drama aus Großbritannien.
„Sounds of Paris“
Erst vergangene Woche startete eine Komödie, die im Paris des Sommers 2024, inmitten des Rummels der Olympischen Spiele, spielt. Ging es bei „Ein Sommer in Paris“ um die Orientierung eines Mädchens aus der Provinz, ist die Tonlage hier buchstäblich eine andere: Elisabeth (Agathe Rousselle) hört fast nichts und nimmt die Stadt ohne ihre Hörgeräte nur als Brummen wahr. Der Film macht Isolation körperlich erfahrbar. Manchmal werden die Geräte einfach aus dem Ohr genommen, dann gibt es Oasen der Ruhe.
„Zombies im Zoo“
Zombies und Animationsfilm: Das ist eine gewagte Mischung. Auch wenn der Film ab 12 freigegeben ist, seien alle Eltern vorgewarnt. Nachdem ein Meteorit in einem Zoo einschlägt, mutieren die Tiere dort zu Zombies. Bis auf ein paar wenige, die als Außenseiter zusammenstehen müssen. Eine Mischung aus Monsterfilm, Geisterbahn und Endzeitabenteuer, bei dem Körperteile cartoonmäßig abfallen, aber auch wieder drangesteckt werden können.
Weiterhin im Kino
- Von wegen heile Familie: die Filmsatire „Good Boy“.
- Viel Krach für den Reibach: das Action-Spektakel „Masters of the Universe“.
- Warmherzige Komödie mit Mala Emde und Christoph Maria Herbst: „Sommer auf Asphalt“.
- Melancholische Paris-Komödie mitten im Olympia-Rummel: „Ein Sommer in Paris“.
- Filmdrama über den Überlebenskampf im Niedriglohnsektor: „Ich verstehe Ihren Unmut“.
- Raffiniertes Film-Mosaik über die Heimat und die Fremde: „Dao“ aus Guinea-Bissau.



