Der chinesische Chiphersteller CXMT (ehemals ChangXin Memory Technologies) hat mit seinem Börsendebüt an der Shanghai Stock Exchange einen Rekord aufgestellt. Die Aktie schoss um mehr als 500 Prozent in die Höhe und katapultierte das Unternehmen auf Platz eins der wertvollsten Firmen Chinas. Der Ausgabepreis lag bei 8,66 Yuan (rund 1,12 Euro), zeitweise notierte die Aktie bei 54,65 Yuan (etwa 7,08 Euro). Damit überholte CXMT die bisherige Nummer eins, die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC). Der Börsenwert erreichte 3,65 Billionen Yuan, umgerechnet rund 473 Milliarden Euro. Der Börsengang selbst brachte Einnahmen von mehr als 7,5 Milliarden Euro – der größte IPO in Asien in diesem Jahr.
Spekulationsvorwürfe und Warnungen von Fondsmanagern
Allein im Vormittagshandel wurden CXMT-Aktien im Wert von 122 Milliarden Yuan (rund 15,8 Milliarden Euro) umgesetzt. Dies ist das erste Mal, dass eine einzelne Aktie an einem Tag einen Handelsumsatz von über 100 Milliarden Yuan erzielte. Der starke Kursanstieg könnte durch den geringen Anteil frei handelbarer Aktien von nur 6,73 Prozent begünstigt worden sein. Die Rallye weckte jedoch Sorgen vor einer Blasenbildung. „Die Aktie ist zu teuer und riecht nach Spekulation“, warnte Hedgefonds-Manager Yuan Yuwei von Trinity Synergy Investments. Ein anderer Fondsmanager, Wu Zhou von Shenzhen Deyuan Investment, der Aktien im Börsengang erworben hatte, verkaufte sofort seine gesamten Anteile: „Bei einem solchen Preis wage ich es nicht, die Aktie zu halten oder zu kaufen“, sagte er.
Strategische Bedeutung für Chinas Technologieunabhängigkeit
CXMT ist Chinas führender Hersteller von DRAM-Speicherchips, einem zentralen Baustein für Smartphones, Computer und KI-Server. Das Unternehmen ist zur weltweiten Nummer vier aufgestiegen, mit einem Marktanteil von 7,7 Prozent im Jahr 2025. Lange wurde der Markt von den südkoreanischen Konzernen Samsung und SK Hynix sowie dem US-Unternehmen Micron dominiert. Der Börsengang unterstreicht Chinas Bestreben, technologisch unabhängiger zu werden, insbesondere im Halbleitersektor. Die Regierung in Peking fördert CXMT massiv: Vor dem Börsengang hielten staatliche Investoren – darunter lokale Regierungsfonds und der als „Big Fund“ bekannte Halbleiter-Investitionsfonds – mehr als 36 Prozent der Anteile. Die Nachfrage nach Speicherchips ist hoch, und Analysten erwarten bis Ende 2027 weiter steigende Preise. CXMT rechnet für das erste Halbjahr mit einer Versiebenfachung des Umsatzes auf 110 bis 120 Milliarden Yuan (rund 14,2 bis 15,5 Milliarden Euro).
Herausforderungen und geopolitische Risiken
Trotz des rasanten Wachstums steht CXMT vor erheblichen Herausforderungen. Das Unternehmen hat einen technologischen Rückstand gegenüber den Marktführern, insbesondere bei hochmodernen HBM-Speicherchips, die für KI-Anwendungen entscheidend sind. Zudem ist der Konzern direkt von geopolitischen Risiken betroffen. US-Exportkontrollen beschränken den Zugang zu den modernsten Chip-Fertigungsanlagen, etwa des niederländischen Herstellers ASML. Das US-Verteidigungsministerium stufte CXMT im Juni 2026 als „chinesisches Militärunternehmen“ ein. Eine Aufnahme auf die sogenannte „Entity List“, die den Handel mit US-Firmen stark einschränken würde, ist eine ständige Gefahr. Mit den Einnahmen aus dem Börsengang will CXMT nun seine Produktionskapazitäten ausbauen und die Forschung vorantreiben, um den technologischen Abstand zu verringern. Der Börsengang ist ein klares Signal für Chinas Ambitionen, sich im globalen Halbleiterwettlauf zu behaupten – doch die Risiken bleiben hoch.



