Der Aufwärtstrend bei den Bauzinsen setzt sich fort. Mehrere Banken haben ihre Konditionen für Immobilienkredite zuletzt angehoben – darunter die ING, die Commerzbank, die Allianz sowie die PSD Bank Nürnberg und die 1822direkt. Ein Beispiel zeigt, welche Mehrkosten auf Kreditnehmer zukommen können.
ING erhöht Bauzinsen erneut
Die ING hat die Zinsen für ihre Baufinanzierung zum Monatsende deutlich angehoben. Der Sollzins stieg im repräsentativen Beispiel um 0,18 Prozentpunkte auf 4,40 Prozent pro Jahr, der effektive Jahreszins auf 4,52 Prozent. Grundlage ist ein Darlehen von 300.000 Euro mit 15 Jahren Zinsbindung und 3 Prozent anfänglicher Tilgung bei einem Beleihungsauslauf von 85 Prozent. Die monatliche Rate erhöht sich damit auf 1.850 Euro – ein Plus von 32,50 Euro pro Monat beziehungsweise 390 Euro im Jahr, sofern die Tilgung unverändert bleibt.
Damit liegt die ING über den Top-Konditionen der Vermittler: Interhyp nennt für 15-jährige Laufzeiten einen üblichen Zins von 4,20 Prozent, Dr. Klein eine Top-Zinsspanne von 3,57 bis 4,22 Prozent je nach Sollzinsbindung.
Weitere Banken ziehen nach
Auch die PSD Bank Nürnberg erhöhte ihre Bauzinsen. Der effektive Jahreszins stieg im Beispiel (300.000 Euro, 10 Jahre Zinsbindung, 1 Prozent Tilgung, 50 Prozent Beleihung) von 3,59 auf 3,62 Prozent. Die monatliche Rate steigt um 8,86 Euro auf 1.346,80 Euro. Die Konditionen liegen dennoch unter dem Marktdurchschnitt: Interhyp gibt für zehnjährige Laufzeiten einen üblichen Zins von 3,95 Prozent an.
Die Sparkassentochter 1822direkt hob ihren repräsentativen Effektivzins von 3,65 auf 3,85 Prozent an (300.000 Euro, 10 Jahre, 2 Prozent Tilgung). Die monatliche Rate steigt um rund 47 Euro auf 1.440 Euro. Allerdings berechnet die Bank einen Zinsaufschlag von 0,10 Prozentpunkten für Immobilien unter Energieeffizienzklasse A+.
Die Commerzbank erhöhte den effektiven Jahreszins im Beispiel (100.000 Euro, 10 Jahre, 60 Prozent Beleihung) von 3,88 auf 4,00 Prozent, was eine monatliche Mehrbelastung von 5,68 Euro bedeutet. Die Allianz wiederum hob die Zinsen ab dem 17. Juli an: Der Sollzins stieg auf 4,62 Prozent (effektiv 4,74 Prozent) bei 150.000 Euro, 25 Jahren Bindung und 2 Prozent Tilgung – monatlich 6,25 Euro mehr.
EZB hält Leitzins stabil – Experte erwartet Seitwärtsbewegung
Die Europäische Zentralbank (EZB) ließ den Leitzins am 23. Juli unverändert bei 2,25 Prozent (Einlagenzins). Für Bauzinsen ist dies weniger direkt relevant, da sie sich stärker an den Kapitalmarktzinsen orientieren. Florian Pfaffinger, Zinsexperte bei Dr. Klein, rechnet kurzfristig mit einer Seitwärtsbewegung: „Kurzfristige Zins-Dellen ließen sich dann mit guter Vorbereitung nutzen, sollten jedoch keinesfalls die Basis einer Finanzierung darstellen.“ Mittelfristig sieht er eine leichte Aufwärtstendenz.
Die volatile Lage führt dazu, dass die Zinsen zwischen den Anbietern stark variieren können. Ein Vergleich der Vermittler zeigt deutliche Unterschiede: Für eine Finanzierung von 400.000 Euro (80.000 Euro Eigenkapital, 10 Jahre Zinsbindung, 2 Prozent Tilgung) bieten Dr. Klein und die DTW Immobilienfinanzierung einen effektiven Jahreszins von 3,81 Prozent (Rate 1.677 Euro), während Baufi24 mit 4,07 Prozent (Rate 1.751 Euro) rund 888 Euro pro Jahr mehr kostet.
Rabatte bei der ING
Um die Zinserhöhung abzufedern, führte die ING zwei Rabatte ein: Kunden mit einem Darlehen ab 450.000 Euro erhalten einen Zinsabschlag von bis zu 0,10 Prozentpunkten. Zudem gibt es einen Rabatt von 0,10 Prozentpunkten, wenn das Gehaltskonto bei der ING geführt wird – vorausgesetzt, der monatliche Geldeingang beträgt mindestens 700 Euro.
Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass der Zinstrend derzeit nach oben zeigt. Angesichts der geopolitischen Spannungen und der schwankenden Inflationserwartungen ist kurzfristig nicht mit einer deutlichen Entspannung zu rechnen. Kreditnehmer sollten mehrere Angebote einholen und die Konditionen genau vergleichen, denn die Bonität und der Eigenkapitalanteil beeinflussen die Zinsen maßgeblich.



