Polizeigewalt bei Mallorca-Protest: Urlauber von Gummigeschossen getroffen
Mallorca-Protest endet in Polizeigewalt: Acht Verletzte

Palma de Mallorca. Die bislang größte Demonstration gegen Massentourismus auf Mallorca endete am Sonntagabend in massiver Polizeigewalt. Beamte setzten Schlagstöcke und Gummigeschosse gegen Demonstranten und Unbeteiligte ein, darunter auch Urlauber. Mindestens acht Menschen wurden verletzt, ein Teilnehmer festgenommen. Die spanische Regierung kündigte eine Untersuchung der Vorfälle an.

Demo „Mallorca am Limit“ mit Zehntausenden

Zu der Kundgebung unter dem Motto „Mallorca al límit“ – Mallorca am Limit – hatte das Bündnis „Menys Turisme, Més Vida“ aufgerufen. Unterstützt wurde die Demonstration von mehr als 140 Bürgerinitiativen und Umweltschutzgruppen. Die Polizei bezifferte die Teilnehmerzahl auf rund 25.000, die Veranstalter sprachen von 70.000 Menschen. Inselmedien schätzten die Teilnehmer auf etwa 50.000 und urteilten, es sei die bislang größte Protestaktion gegen die Folgen des Massentourismus gewesen.

Auf den Plakaten war unter anderem zu lesen: „Mallorca steht nicht zum Verkauf“, „Mallorca ist ausgebucht“ und „Hier passt niemand mehr hinein“. Immer wieder skandierten die Teilnehmer: „Wer Mallorca liebt, zerstört es nicht“ und „Mallorca wird verteidigt“. Die Protestierenden betonten, dass sie sich nicht gegen einzelne Touristen richteten, sondern gegen ein Wirtschaftsmodell, das auf immer neuen Besucherrekorden basiert. „Tourismus ja, aber nicht so“, lautete einer der häufigsten Sätze.

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Gewaltausbruch nach friedlichem Protestzug

Etwa anderthalb Stunden lang zog eine Menschenkette friedlich durch Palma. Familien mit Kindern, Rentner, Umweltaktivisten, Gewerkschafter und Landwirte mit Traktoren beteiligten sich. Anders als bei früheren Protesten wurden keine Wasserpistolen eingesetzt, keine Touristen bedrängt und keine Hotels oder Immobilienbüros beschmiert.

Die Eskalation begann erst am Ziel des Protestmarsches. Die Abschlusskundgebung sollte auf einem Gelände unterhalb der Kathedrale stattfinden. Obwohl der Platz noch nicht voll war, sperrte die Polizei die Zugänge. Tausende Teilnehmer, die in den angrenzenden Straßen festsaßen, forderten Einlass. Die Polizei setzte laut Medienberichten weder Megafone noch Lautsprecher ein, um die Menschen zu informieren. Als die Menge „Volem passar“ – „Wir wollen durch“ – skandierte, zerrten einige an den Absperrungen. Aus einer kleinen Gruppe wurden Plastikflaschen geworfen.

Polizei schießt in die Menge – Touristen getroffen

Daraufhin feuerte die Polizei Gummigeschosse ab und ging mit Schlagstöcken gegen die Menge vor. Videos und Fotos zeigen, wie Beamte auf Demonstranten und offenbar auch auf Unbeteiligte einschlagen und aus kürzester Distanz in die Menge schießen. Augenzeugen zufolge wurden auch Touristen und Journalisten getroffen. Ein junger Mann erlitt eine blutende Kopfverletzung. Die Inselzeitung „Diario de Mallorca“ schrieb, die Polizei habe auf Menschen eingeschlagen, deren einziges „Vergehen“ darin bestanden habe, den Einsatz zu filmen. Es sei „wahllos auf alle Personen eingeschlagen“ worden, die den Beamten in den Weg geraten seien. Das Blatt urteilte: „Die Polizei ging zu weit.“ Mehrere Touristen seien von Gummigeschossen getroffen worden, berichtete das Blatt.

Der spanische Regierungsrepräsentant auf der Insel, Alfonso Rodríguez, erklärte, einige der Bilder seien „inakzeptabel“. Er kündigte eine Untersuchung der Vorfälle an. Die konservative Inselregierung steht unter Druck, da ihr vorgeworfen wird, die Probleme der Insel nicht ernst zu nehmen.

Forderungen der Protestbewegung

Das Protestbündnis fordert unter anderem eine Deckelung der Besucherzahlen, weniger Flüge und Kreuzfahrtschiffe, eine Begrenzung der Mietwagen sowie ein konsequenteres Vorgehen gegen illegale Ferienvermietungen. Weitere Hotels und touristische Großprojekte sollen verhindert werden. Außerdem verlangt das Bündnis mehr Sozialwohnungen, bessere Arbeitsbedingungen und einen stärkeren Schutz von Wasserreserven und Naturlandschaften.

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„Auf Mallorca ist kein Platz mehr für weitere Autos, Hotels, Ferienwohnungen, Fast-Food-Ketten und Touristen“, heißt es in dem Manifest. Der Tourismus müsse schrumpfen, damit die Insel für ihre Bewohner bewohnbar bleibe. Die politische Wirkung des Protests war am Montag in Mallorcas Presse unübersehbar. „Eine Botschaft der Bürger, die man nicht ignorieren kann“, titelte „Última Hora“, die größte Tageszeitung der Insel.