Nach einer 13 Nächte andauernden US-Angriffsserie ist der Ölpreis zu Wochenbeginn deutlich gefallen. Rohöl der Sorte Brent kostete zeitweise rund 92 US-Dollar je Barrel, ein Minus von mehr als fünf Prozent. Grund ist die Pause der US-Angriffe über das Wochenende, die Hoffnung auf eine Deeskalation nährt. Zuvor waren die Preise aufgrund der anhaltenden Kampfhandlungen zeitweise über die Marke von 100 US-Dollar gestiegen.
Iran stellt Vergeltungsangriffe ein
Der Iran erklärte am Sonntag, ebenfalls seine Angriffe auf Ziele in der Region eingestellt zu haben. Armeesprecher Mohammed Akraminia sagte: „Da unsere Strategie im Wesentlichen auf Vergeltung beruhte, haben auch wir unsere Vergeltungsmaßnahmen gestoppt.“ Die USA befänden sich in einer „schwierigen und instabilen“ Lage und suchten vermutlich nach einer neuen Strategie. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor erklärt, er erwäge weitere Angriffe, betonte aber, dass Gespräche mit Teheran „von Tag zu Tag ernsthafter“ würden.
Der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Mike Waltz, bestätigte, dass die USA zusätzliches Militär in den Nahen Osten verlegen. Die Angriffspause gebe der Diplomatie etwas Raum. Waltz sagte, Trump gebe den Gesprächen einen gewissen Spielraum. Die USA hätten in den vergangenen Nächten keine Angriffe gemeldet. Zuvor hatte die „New York Times“ über Bedenken hinsichtlich schwindender Bestände an Abwehrraketen wie Patriot in der Region berichtet.
Neue Spannungen: Iran droht der Ukraine
Trotz der Pause im Krieg mit den USA droht der Iran der Ukraine mit Vergeltung. Hintergrund ist ein ukrainischer Angriff auf einen iranischen Frachter im Kaspischen Meer, bei dem ein Besatzungsmitglied getötet und ein weiteres verletzt wurde. Außenamtssprecher Esmail Bakaei bezeichnete den Angriff als „absolut rechtswidrig und ungerechtfertigt“ und erklärte, der Iran werde „nicht ohne Reaktion“ bleiben. Die Folgen für die Ukraine seien „nicht vorhersehbar“. Außenminister Abbas Araghtschi warf Kiew vor, „auf Geheiß Israels“ gehandelt zu haben.
Ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die Luftangriffe bestätigt und erklärte, sie hätten sich gegen Schiffe gerichtet, die für den Transport militärischer Fracht mit Beteiligung des Iran genutzt wurden.
Zwischenfälle in der Straße von Hormus
Die iranischen Revolutionsgarden stoppten eigenen Angaben zufolge sechs Schiffe in der Straße von Hormus. Sie feuerten Warnschüsse ab, weil die Schiffe eine nicht genehmigte Route durch die Meerenge nehmen wollten. Die Schiffe kehrten daraufhin um. Mit einem Schiff habe es einen nicht näher erläuterten „Vorfall“ gegeben. Der Iran versucht, Schiffe zur Nutzung iranischer Gewässer und zur Zahlung für eine sichere Durchfahrt zu zwingen.
Iranischen Medien zufolge explodierte zudem ein Öltanker in der Straße von Hormus. Der Tanker sei von einer vorgeschriebenen Route abgewichen und auf eine Seemine aufgelaufen. Er habe zuvor sein Radarsystem ausgeschaltet. Die Meerenge ist für den weltweiten Energiehandel von zentraler Bedeutung und wird von Teheran kontrolliert.
Humanitäre Lage und militärische Entwicklungen
Nach den jüngsten US-Angriffen sind im Süden des Iran massive Schäden an der Wasserversorgung entstanden. Laut der Nachrichtenagentur Fars wurden 18 Anlagen beschädigt, darunter Meerwasserentsalzungsanlagen. Zehn davon seien vollständig zerstört worden. Bereits Anfang Juli war eine Anlage auf der Insel Gheschm außer Betrieb gesetzt worden, wodurch die Versorgung von etwa 120.000 Menschen beeinträchtigt wurde. In der Region herrscht extreme Trockenheit mit Temperaturen über 40 Grad.
Die Huthi-Miliz im Jemen griff saudische Ölanlagen an. Der Schiffsverkehr durch die Meerenge Bab al-Mandab brach daraufhin ein: Nur elf Handelsschiffe durchquerten die Passage am Sonntag, der niedrigste Stand seit Monaten. Darunter waren sieben Öltanker. Die Huthi wollen saudische Exporte blockieren und weiten den Konflikt aus.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte, das iranische Atomprogramm sei durch die gemeinsamen Angriffe mit den USA um Jahre zurückgeworfen worden. Man habe 20 iranische Atomwissenschaftler ausgeschaltet. Netanjahu sagte dem Sender Fox News, ein großer Teil der Anlagen sei zerstört.
Syrien und regionale Diplomatie
Syriens neuer Präsident Ahmed al-Scharaa strebt ein Sicherheitsabkommen mit Israel an. Er sagte, ein solches Abkommen könne Frieden bringen, ohne den Anspruch auf die Golanhöhen aufzugeben. Syrien vermeide Konfrontationen und erwäge keine militärischen Interventionen im Libanon. Die Äußerungen fielen mit dem Besuch von UN-Generalsekretär António Guterres in Syrien zusammen, der die Achtung der Souveränität forderte.
Im Iran wurde der bekannte Filmstar Pejman Dschamschidi vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen, aber wegen einer „unerlaubten Beziehung“ zu 99 Peitschenhieben verurteilt. Der Fall hatte eine landesweite MeToo-Debatte ausgelöst. (Mit Material von dpa, AFP, Reuters)



